freundliche Einladung und das Drängen meiner Hausgenossen , sie anzunehmen , mich nicht zu reden zwänge . Sie wissen , wen ich Ihnen zuführe . Sein Sie auf Ihrer Hut . Morgen Abend umarme ich Sie , und hoffe im voraus Verzeihung für meinen treuherzig mütterlichen Rath , den meine Liebe und Theilnahme allein entschuldigen können . « - Luise ward unangenehm durch den Inhalt dieser Zeilen ergriffen , so als wenn man unversehens eine wunde Stelle berührt und den ungeahndeten Schmerz hervorruft . Was ist denn geschehen , fragte sie sich selbst , das diese ernste , eindringliche Worte veranlaßt . Schicklichkeit - äußrer Anstand ! nein , nein , das nicht ! Dein heiliger Wille , mein Gott , der ist es , den ich nicht verletzen darf , und der zum Glück noch laut und vernehmlich genug in meiner Seele spricht , um ihn nie zu überhören . Guten Morgen , liebe Luise ! rief hier Julius , der eben unter ihrem Fenster , an welches sie sich gedankenvoll lehnte , vorüberging . Sie fuhr unwillkührlich zusammen . Seine Stimme traf sie wie ein innrer Vorwurf . Er sah so gut , so herzensgut , aus , die Thränen traten ihr in die Augen . Guten Morgen ! rief sie aus voller Seele , als er in dem Augenblick zu ihr hereintrat . Er hatte ihr heut tausend Dinge zu sagen . Sein Herz öffnete sich wie unter freundlicher Berührung ; es war klar , irgend etwas Aeußres regte ihn ungewöhnt an . Luise lenkte das Gespräch auf den gestrigen Abend , und bemerkte bald , daß er auch in ihm einen Eindruck zurückgelassen , der noch jetzt fortwirkte . Es ist nicht jene Geschichte , sagte Julius , ihre Fragen beantwortend , was mich bewegt . Ich möchte ihren Inhalt vergessen können , der die Möglichkeit des plötzlichen Sündenfalls in einer bis dahin frommen und reinen Seele , so schauderhaft , in dieser blutigen Verzerrung hinstellt . Nein , es ist der Mönch , den ich nicht vergessen kann . Wie verzückt sah er auf eine Stelle , als ich zu ihm hintrat , und ohne meinen Gruß zu beachten , sagte er vor sich hinredend : unbegreifliches , unbegreifliches Schicksal ! dann fragte er mit einer Heftigkeit , die ich ihm niemals kannte , seit wie lange der fremde Jüngling bei mir sei ? Ich gab ihm in einigen Worten Auskunft über unsre Bekanntschaft und Fernandos unstätem Herumstreifen . Er machte eine schnelle Bewegung zu diesem hin , wandte sich aber wie von deiner Stimme aufgeschreckt , von uns ab , und ging still dem Walde zu . Beide fanden das höchst sonderbar , und Luise erschöpfte sich , nach Frauenart , in tausend Muthmaßungen , als Fernando zum Frühstück hereintrat . Er war ernst und einsilbig , allein so , daß man nicht recht wußte , ob ihn Kummer oder Mißmuth verstimme . Als er späterhin mit Luisen allein war , bemerkte er theilnehmend , daß sie bleich aussähe , und in ihren Augen Spuren vergossener Thränen . Sie lehnte seine Fragen ziemlich unbefangen ab , und erzählte ihm von den Gästen , die sie morgen erwarte , unter denen sie Emilien sehr anziehend heraushob . Er schien nicht viel darauf zu merken , als sie aber fortfuhr , die Vortrefflichkeit einiger Mitglieder der Gesellschaft zu schildern , und der Baronin einfaches , würdiges Wesen rühmte , sagte er höhnisch , sie wollten wohl den Teufel durch fromme Geister bannen . Luise entfärbte sich und fühlte mit Unmuth , daß sie , wie sie es auch anfangen möchte , ihm gegenüber immer auf irgend eine Weise in Verlegenheit gerathen müsse . Gestehn Sie es nur , fuhr er fort , die Bekannten und Freunde sollen doch den lästigen Fremdling nur übertragen helfen ; Luise , was habe ich Ihnen gethan , daß Sie mich hassen . Jenes Berühren von Haß und Liebe , in dem Briefe der Baronin , fiel ihr plötzlich ein . Mein Gott , sagte sie schnell , nein , ich hasse Sie nicht , gewiß nicht ! Warum fürchten Sie mich denn ? fragte er ernst . Mit vollen Schwingen hob sich bei diesen Worten die eingeborne Würde der Weiblichkeit in Luisens Seele . Sie sah ihn ruhig an , und sagte fester , als sie es vor einem Augenblick noch gekonnt hätte , wie sollten Sie mir furchtbar sein , ich kenne Sie weder im Guten noch Bösen . Fernando wollte einlenken , allein Luise blieb für jetzt gefaßt und sicher , weshalb er sich denn auch verletzt zurückzog , und gedankenlos am nächsten Fenster in einem Buche blätterte . Einige Anordnungen nöthigten sie , sich zu entfernen ; als sie wieder hereintrat , fand sie das Zimmer leer ; allein , zu ihrem großen Schreck , den Brief der Baronin , den sie bei Julius Eintritt in ein Buch gelegt hatte , offen auf demselben Fenster , an dem sie Fernando verlassen . Ich bin verloren , sagte sie , das Blatt in tausend Stücke reißend , wenn er ihn gelesen hat . O über meine Thorheit , jedem Gefühl , das flüchtig durch meine Seele hinzieht , Worte zu leihen , und dadurch so unnütze , so verderbliche Erklärungen zu veranlassen ! Und nun noch diese Unachtsamkeit ! - Sie blieb den ganzen Tag in der peinlichsten Unruhe , die Fernandos zweideutiges Wesen noch vermehrte . Recht von Herzen fühlte sie sich daher am folgenden Abend erleichtert , als nun endlich die ersehnte Gesellschaft eintraf . Sie begrüßte jeden der Angekommenen mit sichtlicher Freude , und hatte selbst denjenigen , die ihr bis dahin gleichgültig geblieben waren , etwas Verbindliches zu sagen . Emilie sah sehr reizend in einem kleinen Strohhut aus , der zwar das schöne Haar verbarg , allein übrigens zu der zierlichen Gestalt sehr wohl stand . Es mußten sie schon häufige Neckereien über Fernando getroffen haben , denn sie konnte sich eines kleinen