Sie meine gute Absicht , Sie in ein froheres , genußreicheres Leben einzuführen , wenig erkennen werden . Ich werde Sie wieder Ihrer Euler und dem steifen Landjunker Ulmenhorst lassen müssen ! « - Albertinen that dieser Stich auf ihre Freunde unsäglich wehe ; doch wollte ihre Gutmüthigkeit auch Rosamunden beweisen , sie sei nicht unerkenntlich . Sie ging aber hierin viel zu weit , indem sie sagte : » Ich bin Ihre , Madame ! machen Sie mit mir , was Sie wollen ! Sie sollen mich nicht undankbar finden ! « - Indem gedachte sie ihres Bruders . Der Muth sank ihr und die Unterredung endete damit , daß Rosamunde ihre Zusage für diesen Abend zu einer Gesellschaft erhielt , die über alle Beschreibung glänzend seyn sollte . - Zehntes Kapitel » Das ist ein süperber Anzug , Albertine , werden Sie den anlegen ? « fragte die einfache Euler , die freilich ihre Toilette sehr beschränken mußte . » Es ist mein Anzug für diesen Abend . Der Onkel und die Rosamunde bestanden auf dieser Eleganz , « antwortete Albertine , etwas verlegen . - » Ach , es ist immer ein gutes Zeichen , wenn junge Wittwen so angelegentlich ihre Toilette besorgen , « erwiederte Madame Euler . - » O , nicht diese Sprache , meine Henriette ! Bin ich denn nicht mehr Ihre Albertine ? « indem sie sich an Henriettens Busen warf . - » Ach , Albertine ! wenn der Strudel Sie fassen sollte ! Wenn dieses herzige , innige Wesen in jene kalte Herzlosigkeit der Welt sich verlöre ! Wenn Lindenhains Wittwe einen solchen Mißgriff thäte ! « - » Nein , Henriette , das ist zu viel ! Noch hat kein unwürdiger Gedanke sein theures Bild in mir entweiht ! « - Albertine setzte sich wehmüthig an ihre Arbeit und retouchirte einiges an dem , seinem Andenken gewidmeten , Gemälde . Sie vertiefte sich so , daß sie erinnert werden mußte , sich zu der Abendfete zu schmücken . Die Gesellschaft , in die Rosamunde sie einführte , war in der That glänzend . Das heißt , sie war äußerlich im höchsten Grade elegant . Albertine erkannte Männer vom ersten Range ; zwar einigermaßen travestirt , doch hielt sie das in ihrer Unerfahrenheit für gewohnte Sitte . Indeß schienen wieder die Damen nicht jener höhern Klasse anzugehören . Obwohl sehr geschmückt , hörte sie in manchem aufgehaschten Fragmente eines Gespräches so gewöhnliche Ausdrücke , als ob sie vielmehr den ganz untersten Klassen entronnen wären . Sie waren theils Rosamundens ehemalige Gefährtinnen , theils die Hausfreundinnen jener travestirten großen Herren , die sich ' s einmal mit ihrem Unterstabe wohl seyn ließen . Rosamunde durchkreuzte den großen Saal in allen Richtungen , küßte und kosete mit der alten Kameradschaft , und sprach zu jedem mit großem Gepränge , Albertinens Namen von Lindenhain aus ; wogegen die junge , schöne Wittwe manch artiges Kompliment eintauschte . Albertine war nie verlegen ; aber die Ahndung , in was für einer Gesellschaft sie sich befände , und ein unwillkührlicher Gedanke an ihren Bruder , gaben ihrem Betragen eine liebenswürdige Zurückhaltung , die allerdings unter diesen Weibern eine ganz fremde Erscheinung war . Sie verließen den Saal , und gingen in ein Nebenzimmer , wo Hazardspiele gespielt wurden . Rosamunde war eine leidenschaftliche Spielerin ; sie trat an einen Pharaotisch , und überließ Albertinen der Unterhaltung eines jungen Herrn von Stande , der bei einer schönen , interessanten Figur , alle Künste der Verführung im höchsten Grade , besonders die gefährliche Schmiegsamkeit besaß , sich in jeden fremden Karakter leicht einzufügen . Albertine befand sich bei seiner leichten , anmuthigen Unterhaltung sehr wohl ; er hatte Länder und Menschen gesehen und von beiden das Interessanteste aufgefaßt , welches wie ein sanft rinnender Bach von seinen Lippen floß . Albertine wurde nicht müde , ihm zuzuhören , und - was sollen wir ' s leugnen ! - ihn zu sehen , so daß Mitternacht vorbei war , als sie den Abend kaum begonnen zu haben meinte . » Ich bitte ; nur auf ein Wort ! « rief Rosamunde Albertinen zu und trat verstört zu ihr . » Ich habe heut ' entschiedenes Unglück ; haben Sie eine Börse bei sich ? « - Albertine gab ihr acht Louisd ' or ; und die Spielerin eilte damit zu den raubgierigen Geiern zurück , die in sehr kurzer Frist die acht Louisd ' or in ihren Händen hatten . Rosamunde rief Albertinen noch einmal auf die Seite . Der Baron Weißensee , eben der , der Albertinen so angenehm unterhalten hatte , bemerkte schnell die Verlegenheit der Dame und präsentirte ihr mit der feinsten Art seine volle Börse . Rosamunde wollte Umstände machen ; er bat aber , so viel davon anzunehmen , als sie eben brauche , bekümmerte sich auch nicht darum , wie viel sie nahm . Auch dieses liberale und galante Benehmen verfehlte seine Wirkung bei unserer jungen Freundin nicht . Mit diesem Gelde spielte Rosamunde sehr glücklich , und in einigen Stunden lag ein hoher Klumpen Gold vor ihr . Sie verließ endlich den Spieltisch um drei Uhr Morgens , und Albertine bemerkte , daß sie dem Baron nur zehn Goldstücke zurück gab , da sie genau gesehen hatte , daß sie sich deren zwanzig zugezählt hatte . Albertinen gab sie , ungeachtet sie so sehr viel gewonnen hatte , keinen Schilling zurück , worüber diese sehr betroffen war , denn es war beinahe ihre ganze kleine Baarschaft , die sie ihr hingegeben hatte . Der Baron Weißensee führte die Damen zu ihrem Wagen , und erhielt leicht die Erlaubniß , ihnen in ihrem Hause aufwarten zu dürfen , die er denn so gut benutzte , daß er nicht nur der tägliche Besuch war , sondern bald zu den nähern Hausfreunden gerechnet wurde ; wogegen Albertine wenigstens nichts einwendete . Als Albertine in ihrer Wohnung ankam , sah sie bei Elisen noch Licht