haben den Priestern ein Schlachtopfer aus den Händen gewunden ! Das Bewußtsein dieser großen Handlung wird uns auf ewig stärken und erheben , und unser Trost im Tode sein , wenn wir dem Versuche unterliegen sollten ! - Mit diesen hohen Worten , die wir wechselsweise einander zuriefen , und uns die Köpfe immer mehr erhitzten , eilten wir an die Ausführung des großen Werks . Von den unzähligen Schwierigkeiten fiel uns keine ein . Anfangs ging alles dem Plane gemäß . Wir reisten ab , kamen an , wohnten im strengsten Inkognito vor dem Tore in einem unbekannten Hause . Den Morgen nach unsrer Ankunft erzählte uns unsre Wirtin : es werde heute in dem Nonnenkloster ein großes Fest gefeiert , wo die ganze Stadt gewiß hinströmen würde , um es anzusehen , sie selbst wolle auch nicht zurückbleiben ; sie bat uns daher , mit unsrer Abreise zu eilen , wenn wir nicht etwa auch Zuschauer abgeben wollten . Es würden drei vornehme Fräulein heute ihr Gelübde ablegen , die alle drei schön und fromm wie die heiligen Engel wären , und es wohl verdienten , glückselige Bräute des Himmels zu werden . Das wäre ein sehr schönes und erbauliches Schauspiel , auch freute man sich schon , die heiligen Reden des vortrefflichen Priors zu hören und seinen Segen zu erhalten . Sie nannte den wohlbekannten Namen des Priors , und mein ganzer Eifer entbrannte aufs neue . Manfredi eilte , seine Aufträge zu besorgen , ich in die Kirche des Klosters . Es war noch sehr früh , das Volk versammelte sich allmählich , mir ward die Zeit lang . Ich ging wieder hinaus , um mir den nächsten Gang nach dem Garten , und durch denselben nach der Mauer , recht zu merken . In der Tür begegnete mir meine alte Wärterin ; ich wandte mich von ihr , um mich zu verbergen , sie hatte mich aber schon erkannt und guckte mich scharf an . Mein Jesus ! sind Sie wahrhaftig hier ; kommen Sie nur gleich mit mir zum Fräulein , sie erwartet Sie schon , folgen Sie mir nur . Ei , ei , Sie sind wirklich gekommen ! Ihre Anrede befremdete mich , ich suchte sie so vorsichtig als möglich auszuforschen , sie wußte aber nichts weiter , konnte mir auf keine Frage antworten , als daß sie mich zu meiner Schwester führen sollte , die mich sprechen müßte , ich folgte ihr also . Sie öffnete eine Tür , ich trat hinein , und sah meine Schwester in prächtigem Brautschmuck in den Armen meiner Mutter , die sie mit Schmeicheleien und Küssen bedeckte . Meine Schwester schrie laut auf , als sie mich gewahr ward , ihr Gesicht in beiden Händen bergend ; dann kam sie auf mich zu : Vergib mir ! rief sie , und fiel mir um den Hals , vergib mir , Guter , und lebe wohl ! Sie wollte noch sprechen , meine Mutter verhinderte sie aber daran . Geh , meine fromme Tochter ! sagte sie , laß mich mit ihm allein . Meine Schwester ging hinaus , ich war unbeweglich und stumm vor Erstaunen . Meine Mutter fing wieder an : Ich habe nur wenig Zeit , Florentin , mich mit dir zu unterhalten . Dein entsetzliches gottloses Vorhaben ist entdeckt ! Sei ewig gepriesen von mir , gebenedeite Jungfrau , daß du das Herz meines Kindes gerührt hast , eh ' es unwiderruflich verloren war ! In dieser Nacht , die das arme Kind in der Angst ihres Herzens unruhig und schlaflos zubrachte , ward es ihr in einer wundervollen Erscheinung offenbar , daß sie auf schlimmem Wege sei , und im Begriff ihre Seele ewiger Verdammnis zu übergeben , und mit ihr zwei andre Seelen noch , die leider , ach ! vielleicht nicht mehr zu retten sind . Ein Strahl der ewigen Gnade hat das geliebte Kind des Himmels erleuchtet , und sie fest im Entschluß zum Guten gemacht . Diesen Morgen , als ich ihr den Brautschmuck anlegen half , und mich ihrer Schönheit im Herzen erfreute , hat sie mir euer Vorhaben entdeckt , und deinen Brief gezeigt . Florentin , ich will jetzt nichts davon erwähnen , wie sehr es mich beugte , noch steht es bei dir , mich in hoher Himmelsfreude wieder aufzurichten . Auf mein Geheiß hat das fromme Kind gebeichtet , und ihre Seele von aller Angst lösen lassen . Der Prior , dem sie die Beichte abgelegt , weiß nun alles ; auch habe ich soeben eine Unterredung mit ihm deinetwegen gehabt . Du hast dich schwer vergangen , er kann und darf es nicht verhindern , daß du schwer dafür büßest . Ein einziges Mittel gibt es noch , dich mit dem Himmel zu versöhnen . Entsage der Welt , leb in Ruhe im Schoß der Kirche ! - Nimmer , nimmermehr , Mutter ! rief ich in höchster Bewegung . - Nein ? durchaus nicht ? Nun so fliehe , eile von hier weg , es ist das einzige , was ich für dich tun kann , wenn ich dich aufs schnellste entfliehen heiße , denn hier bist du jetzt keinen Augenblick in Sicherheit , mein Herz blutet für dich , glaub mir das ! Hier , nimm diesen Beutel ! Was er enthält , ist alles , was du jemals von mir zu erwarten hast . Dein weiteres Fortkommen bleibt dir selbst überlassen ; du hast dir ein müh- und sorgenvolles Leben erwählt , nun mußt du es tragen . Du wirst kümmerlich darben müssen in der Welt ; in der heiligen Zurückgezogenheit hättest du weltliche Not nie gekannt . - Davon nichts mehr , Mutter ! ich will gehen , gleich gehen ! Nur ein Wort noch ! Ist es möglich , daß Sie selbst meiner schwachen Schwester zureden konnten , mich dem Prior zu verraten ? - Lästerliche Worte ! nennst du die Beichte Verrat ? deine fromme