gekühlt ; der Blutverlust aus der Wunde galt für ein gutes Zeichen , und ihr Befinden war nicht schlecht . Sie lächelte vor sich hin , wenn Bammes und Rutzes und ihrer Haltung während des Straßenkampfes Erwähnung geschah . Erst gegen Abend stellte sich Fieber ein , und sie begann nun leise vor sich hin zu sprechen : » Wenn nur Othegraven da wäre ... der würde helfen ... mir zuliebe . « Und dann nannte sie des alten Füllgraf Namen und dann den des alten Küstrinschen Kastellans , der ein Vetter von den Kümmritzens war und den sie nun in ihren Phantasien inständigst bat , den » jungen Herrn « in seinem Schlosse verstecken zu wollen , » mitten im großen Saal , da würd ihn niemand suchen « . So vergingen die Stunden , und die Bilder drehten sich im Kreise . Aber eine Stunde nach Mitternacht ließ das Fieber nach , und sie schlief ein . Einundzwanzigstes Kapitel » Dat möten wi « Es war noch nicht sieben am andern Morgen , als Hoppenmarieken in ihrem gewöhnlichen Aufzuge die Dorfgasse heraufkam . In Front des Herrenhauses bog sie nach rechts hin ein und musterte die lange dunkele Fensterreihe . Nur in den zwei Eckfenstern des ersten Stockes war Licht . » He is all bi Weg « , sagte sie und schritt auf die Glastür des Hauses zu . Und sie hatte recht gesehen . Berndt war schon seit einer Stunde auf und saß oben in seiner Amts- und Gerichtsstube . Mit ihm Bamme , der , nach einem ersten Versuche , sich wieder in Nähe des stark überheizten und beinahe glühenden Ofens zu placieren , schließlich seinen Rückzug auf das Fenster hin hatte nehmen müssen . Von diesem aus sah er jetzt Hoppenmarieken über den Hof kommen . Er war in einem Kostüm , das , kaum minder auffällig als das der alten Forstackerhexe , selbst Berndt einen Augenblick in Erstaunen gesetzt hatte : enger schwarzer Schlafrock von Sammetmanchester , roter Wollshawl und gelbe Filzschuhe . Dazu die kurze Morgenpfeife . Und nun klopfte es . » Herein ! « Die Alte trat ein , blieb aber - mit ihrer Kiepe sich an die Türpfosten lehnend - in respektvoller Entfernung von ihrem » gnädigen Herrn « stehen , mehr aus Gewohnheit als aus Furcht , da sie wohl gemerkt hatte , daß man ihrer bedürfe . » Dag , gnäd ' ger Herr « , sagte sie mit ihrer tiefen und rauhen Stimme und nickte , als Berndt ihren Gruß erwidert hatte , mit derselben Vertraulichkeit auch nach der Fensterecke hinüber . » Dag , Genral . « » Kennst du mich denn ? « fragte dieser und blies behaglich ein paar Wölkchen aus seinem Meerschaum . » I , wat wihr ick denn uns ' n lütten Genral nich kennen ? Ick wihr jo mit bi de Revü buten un hebb allens siehn : Rutzen un sine Piken un den dicken Protzhagenschen mit sine Füertut . Jott , wie seeg de ut ! Un denn Drosselstein ' n sine rote Voßstut mit de lange Been . Ne , Genralken , dat wöhr nix för Se . « » Da hast du recht , Hoppenmarieken . Ich seh , du hast einen guten Blick , und das nächste Mal werd ich dich fragen . « Sie lachte . » Dat dohn Se man , Genralken . De Dummen , so as wi ick , de sinn ümmer de Klöksten . « Berndt sah , daß er das Gespräch unterbrechen müsse , denn solche Vertraulichkeiten waren gerade das letzte , was er brauchen konnte . » Stell deine Kiepe hin , Marieken , und tritt hier an diesen Tisch . Hierher , daß ich dich besser sehen kann . « Sie verlor einen Augenblick ihre sichere Haltung , brummte allerhand unverständliches Zeug und tat dann , wie ihr geheißen . » Du weißt , Hoppenmarieken - « » lck weet . « » Und du weißt auch , daß sie kurzen Prozeß machen . Der Konrektor ist erschossen auf dem Lohhof , da , wo die große Pappel steht . Ein Wunder , daß sie Lewin noch aufgespart haben . Aber wie lange ? Sie haben ihn nach Küstrin gebracht , und wir müssen ihn freikriegen . « » Dat möten wi , dat möten wi . « » Und du sollst helfen . « » Dat will ick . « » Gut , so steck dies Knäuel ein und spiel es ihm heimlich zu . Er sitzt auf Bastion Brandenburg ; Mencke hat mir ' s gestern abend geschrieben . Übereile nichts , laß dir Zeit , und wenn es auch Mittag wird . Aber sei schlau , so schlau , wie du sein kannst , wenn du willst , und vergiß nicht , es hängt Leben und Sterben dran . « » Ick weet , ick weet . « Der alte Vitzewitz schwieg eine Weile , während welcher Zeit Hoppenmarieken das Knäuel in ihre Kiepe packte ; dann fuhr er fort : » Und nun tritt noch einmal hierher und paß auf und höre , was ich dir zu sagen habe . « Hoppenmarieken gehorchte . » Hier , wo du jetzt stehst , hier hat Lewin für dich gebeten , und weil er für dich bat , und bloß deshalb , hab ich dich laufen lassen . Sonst säßest du jetzt bei Wasser und Brot . Und das schmeckt dir nicht , denn du hast gern was Gutes . « » Jo , dat hebb ick . « » Sprich nicht . Du sollst mich hören . Und so sag ich dir denn : sieh dich vor . Ich habe viel Nachsicht und Geduld mit dir gehabt und die Augen öfter zugemacht , als recht war , aber wenn du wieder doppeltes Spiel spielst , so sei dir Gott gnädig . Kobold , ich trete dich unter die Füße und würge dich mit diesen