der Frau selber erzogen . Mit Erzieherinnen hatten wir kein Glück . Wir gaben es daher auf , für Mathilden eine Gesellschafterin zu suchen . Sie ist bei der Mutter , zuweilen sieht sie Mädchen ihres Alters , und manches Mal wohnt sie Gesprächen und Spaziergängen mit zwei älteren guten und lieben Mädchen bei . Sonst ist sie in ihrer Ausbildung begriffen , und bringt ihre Zeit mit Lernen zu . Wie es mit dem Knaben ist , werdet Ihr wohl sehen . Man hat uns gesagt , daß Ihr in der Stadt sehr zurückgezogen gelebt habt , deshalb glaubten wir , daß Ihr bei uns nicht gar sehr die menschliche Gesellschaft vermissen werdet . Ich beschäftige mich mit einigen wissenschaftlichen Dingen , und wenn Euch ein Gespräch hierin , falls wir in den Gegenständen zusammentreffen , nicht unangenehm ist , so betrachtet mich als Euren älteren Bruder , und zwar nicht bloß hierin , sondern auch in allen anderen Dingen . Ich bin durch Eure Güte sehr beschämt , antwortete ich , und sehe jetzt erst , wie groß die Aufgabe ist , die ich in Eurem Hause habe . Ich weiß nicht , ob ich ihr auch nur in einem geringen Maße werde genügen können . Es wird vielleicht nicht schwer sein , zu genügen , erwiderte er . Wenn es aber doch nicht geschähe ? fragte ich . Dann wären wir so offen und sagten es Euch , damit man darnach handeln könnte , antwortete er . Das erleichtert mir mein Herz sehr , erwiderte ich ; denn auf diese Weise wird nie Mißtrauen aufkommen können . Ich habe bisher nur in zwei Familien gelebt , in der meiner Mutter - denn mein Vater ist in meiner frühen Jugend gestorben - und in der eines würdigen alten Amtmannes , in dessen Hause ich während meiner lateinischen Schulen in Kost und Wohnung war . Die erste Familie ist mir wie jedem Menschen unvergeßlich , und die zweite ist es mir auch . Vielleicht wird es auch die unsere , sagte er , jetzt laßt Euch das Haus und sein Zugehör zeigen , daß Ihr den Schauplatz kennt , auf dem Ihr ein Weilchen leben sollt . Oder wollt Ihr etwas anders tun , so tut es . Zu mir steht Euch der Zutritt stets offen , laßt Euch nicht ansagen , und klopft nicht an meine Tür . Mit diesen Worten war unser Gespräch zu Ende , wir erhoben uns , verabschiedeten uns , er reichte mir freundlich die Hand , und ich verließ das Zimmer . Ich kleidete mich nun in meine gewöhnlichen Kleider , und ließ fragen , ob Alfred Zeit habe , mich zu begleiten und mir etwas von dem Hause und dem Garten zu zeigen . Man antwortete , daß Alfred gleich kommen werde , und daß er hinlänglich Zeit habe . Die Mutter führte den Knaben selbst zu mir , und sie brachte auch einen Diener mit , welcher einen Bund Schlüssel trug , und den Auftrag hatte , mir die Räume des Hauses zu zeigen . Der Diener war ein alter Mann und schien die Aufsicht über die andern Dienstleute zu haben . Die Mutter entfernte sich sogleich wieder . Ich sprach einige freundliche Worte mit dem Knaben , welcher über sieben Jahre alt schien , er erwiderte diese Worte unbefangen und , wie ich glaubte , zutraulich . Dann gingen wir , die Räume des Hauses zu betrachten . Das Haus war nicht alt , es war kein Schloß , und mochte in dem siebenzehnten Jahrhunderte gebaut worden sein . Es bestand aus zwei Flügeln , die einen rechten Winkel bildeten und einen Sandplatz einschlossen . Die Zufahrt war aber von entgegengesetzter Seite , daher der Sandplatz , welcher Blumenbeete hatte , mehr einem Garten und einem Spielplatze für die Kinder als einer Anfahrt glich . Es waren auf demselben , und zwar an den Mauern des Hauses , auch Linnendächer zum Aufspannen gegen die Sonne angebracht . Das Haus hatte ein Erdgeschoß und ein Stockwerk . Durch beide lief der Länge nach ein breiter Gang , von dem aus man in die Zimmer gelangen konnte . Die Mauern des Ganges waren schneeweiß , hatten Stuckarbeit , schön vergitterte Fenster , und zeigten braune , wohlgebohnte Gemächertüren . An vielen Stellen der Gänge hingen Gemälde . Sie waren durchaus nicht vorzüglich , aber auch bei weitem nicht so schlecht , als solche Gang- und Treppengemälde gewöhnlich zu sein pflegen . Die Gegenstände , welche auf ihnen abgebildet waren , drehten sich in einem kleinen Kreise : Landschaften mit Ansichten der Umgegend oder merkwürdiger Gebäude , Tiere - vorzüglich Hunde mit Jagdgerätschaften - , Küchengeschirr , oder Inneres von Zimmern und anderen Gelassen . Der alte Diener schloß manche Gemächer auf , die im Gebrauche waren ; denn das Haus hatte mehr , als die jetzigen Bewohner benützten . Es war ein großer , mit sehr schönen Geräten versehener Saal da , in welchem , wenn es notwendig war , Gesellschaften aufgenommen wurden , dann waren andere Zimmer zu verschiedenem Gebrauche , darunter ein sehr großes Bücherzimmer und die Zimmer für Gäste . Alles war sehr schön eingerichtet und rein und ordentlich gehalten . Als wir das Haus gesehen hatten , sagte Alfred , Raimund , der alte Diener , sei nun nicht mehr vonnöten , den Garten werde er mir schon allein zeigen . Ich war damit einverstanden , verabschiedete den alten Diener , und ging mit Alfred ins Freie . Das Erdgeschoß , worin sich die Küche , die Gesindezimmer und dergleichen befanden , hatten wir nicht besucht . Die Ställe und Wagenbehälter waren abseits des Hauses in eigenen Gebäuden . Als wir in das Freie gekommen waren , zeigte sich ein sehr schöner Rasenplatz , der von mannigfaltigen künstlich angelegten Wegen durchkreuzt war . Auf diesem Rasenplatze standen in ziemlichen Entfernungen sehr große Bäume . Zu jedem führte ein Weg , und fast unter jedem stand ein Bänkchen oder