Wein und die Melone rankt ! die Orange duftet und der Südwind , der aus der Bai von Enos an der grünen Maritza herauf über die thracischen Ebenen streicht , trägt ihm die wonnigen Düfte der weiten Rosenfelder von Edrene entgegen . Ueber die endlosen Ebenen mit dem hohen Gras und den goldenen Getreidefeldern - nur unterbrochen von den Hunka ' s3 der pelasgischen Vorzeit , dem spitz emporspringenden Minaret oder der byzantinischen Wölbung einer verfallenden christlichen Kapelle - streift tagelang der Reiter , einsam und allein mit Alogon4 , dem stummen Freunde . Zahlreiche Städte bevölkern das herrliche Land , aber außerhalb ihrer schmuzigen Ringmauern ist Alles eine poetische Wüste . Wo der Griechen-Slawe allein wohnt , ist er noch schutzloser der Willkür seiner Herren preisgegeben . Die Thätigkeit und Betriebsamkeit , welche dem Bulgaren innewohnt , hat ihn , die Maritza entlang bis zu den Küsten des ägeischen Meeres , bis an die Thore Constantinopels getrieben . Ueberall ist er Ackerbauer , Viehzüchter , Fabrikant , Handwerker und Kaufmann , und es liegt eine unermeßliche Quelle von Civilisation und Wohlstand in diesem demüthigen , sinnenden und empfänglichen Volke . Still beugt es seinen Nacken unter dem drückenden Joch des Spahi ' s , der von seinem Fleiße prunkt , seine Töchter entführt und seinen Glauben verhöhnt , und die traurige Klage , die seines Herzens tiefsten Kummer dem selten das Land durchpilgernden Fremdling öffnet , ist der kindlich naive Ruf : » Du bist glücklich , Bruder ; in Deinem Vaterlande giebt es Nichts als Bulgaren5 ! « Dennoch ist auch dies demüthige gutmüthige Volk schon häufig durch die furchtbare Last der türkischen Mißhandlungen emporgerüttelt und ihm die Waffe zum kräftigen zähen Widerstand in die Hand gezwungen worden . Nur die eigene Gutmüthigkeit und die verrätherische Schlauheit der Gegner hat ihm das Schwert wieder aus der Hand gewunden und das Joch auf ' s Neue auf seinen kräftigen Nacken gelegt . Die Nation zählt , - wenn man die wirklich von ihr bevölkerten Landstriche nimmt und nicht blos das kleine Gebiet des alten bulgarischen Königreichs , dem die Türken diesen Namen gelassen , - gegenwärtig vier und eine halbe Millionen Seelen , und man darf annehmen , daß jetzt - wo sich die europäischen Mächte wenigstens dem Massemorden entgegensetzen werden - die Zahl bald derart wieder sich vermehren wird , daß sie die türkische Bevölkerung eben durch ihr Gewicht still und ohne Kampf zurückdrängt . Daß sie trotz der Gräuel , welche noch dies Jahrhundert bis auf die neuesten Zeiten entweihten , trotz der Ströme bulgarischen Blutes , die vergossen wurden , diese Ziffer erreichen konnte , verdankt sie dem Umstand , daß der Osmane die Nation bisher als Christen verächtlich von seinen Heerzügen ausschloß und daß das Wüthen der Pest hauptsächlich nur die fatalistischen Moslems danieder mähete , während sie die reinlichen vorsichtigen bulgarischen Landbewohner verschonte . Es ist erwiesen , daß jede große Pest der Türkei fast eine Million Menschen raubt . Die vom Jahre 1838 tödtete in Bulgarien allein 86,000 , fast lauter Türken . Charakteristisch erzählen die Bulgaren , daß der furchtbare » Schwarze Tod « damals durch die schänderische Gier ihrer Herren entstanden sei . Junge Türken in Bajardzik hätten sich über den kaum erkalteten Leichnam einer schönen Armenierin geworfen und , an ihm ihre viehische Gier befriedigend , den Krankheitsstoff in sich aufgenommen und weiter verbreitet . Wir haben gesagt , daß die Bedrückung des Volkes es von Zeit zu Zeit zu einem kräftigen Widerstand getrieben . Jede Gemeinde hat ihren Spahi oder türkischen Grundherrn , der sein Spahilik durch den Kiaja oder Stellvertreter verwalten und durch diesen den Zehenten von allem Besitztum , Getreide , Wein , Früchten und Vieh erpressen läßt . Nur im Herbst besucht der Türke zuweilen sein Landgut und haust dann in seiner weißen Kula6 , und der Bulgar empfindet nur an den vermehrten Lasten , an der größeren Gefährdung seiner Frauen und Töchter die Nähe des Grundherrn7 . Außer dem Zehenten hat der Rajah dem Spahi einen dreitägigen Erntefrohn zu leisten . Doch sind das nur die geringeren Lasten , - noch drückendere legt ihm die Regierung auf . Neben den extraordinairen Erpressungen der Pascha ' s muß er den Haratsch - die Kopfsteuer - mit 15 bis 20 Piastern jährlich für den Kopf , die Poresa oder Grundsteuer , die sich nach alten festen Sätzen unverändert richtet , und fast für jeden Gegenstand seines Besitzes Steuer zahlen . Besitzt der Bulgare Nichts als sein Weib , so muß er für den Nießbrauch dieses Gutes allein schon mindestens 100 Piaster geben ! Außerdem ist der Pascha berechtigt , ungemessene Frohnen von jedem Bauer zu den öffentlichen Arbeiten zu fordern , und diese Dienste nehmen in der Regel mehr als 30 Tage vom Jahre in Anspruch . Hierzu kommt noch der Gazdalik oder die Verpflichtung , jeden Gast , der auf einen Ferman oder in kaiserlichen Angelegenheiten reist , zu beherbergen und zu bewirthen . Mit der grausamsten Strenge werden diese Abgaben eingetrieben , und die Rechte , die der Bulgar dafür gewinnt , sind Null . Seine Dorfkirchen sind gewöhnlich elende Schuppen oder finstere , halb in die Erde versenkte Grüfte . Es ist durchaus untersagt , ein Kloster oder eine den Einsturz drohende Kirche auszubessern , ohne zuvor für schweres Geld die Erlaubniß des Divans erwirkt zu haben . Neue zu bauen , ist ganz verboten . Auf den Hochebenen des Balkans , zwischen Seres und Sophia , Philibeh und Ternowo , wohnt eine größere Freiheit , denn die unzugänglichen Schlupfwinkel der Berge nehmen die Flüchtigen auf , und von den Höhen her beherrschen mit dem Schrecken ihres Namens die freien Söhne der Bulgarei , - die Räuber des Gebirges , - die Haiducken , das Niederland . Es giebt wenige zahlreichere Familien , von denen nicht einige Glieder unter diese Freischaaren gegangen wären ; » der Pascha plünderte mich aus und ich schickte meinen Sohn unter die Haiducken , « sagt gelassen der Familienvater