» Was mir befohlen war und wozu mich mein Schwur zwang , habe ich gethan , aber gewiß nur auf die schonendste Art für Fräulein Eugenie . - Wenn Sie , Herr Graf , « fuhr sie nach einer kleinen Pause stockend fort , - » geneigt wären , den Worten eines armen Mädchens Glauben zu schenken , so würde ich Ihnen bei Allem , was mir heilig ist , die Versicherung geben , daß der Herzog von meiner Dame nie ein anderes Wort erfuhr , als was die ganze Welt wissen kann . « » Und mir würden Sie auch nicht mehr sagen ? « fragte er lächelnd . » Gewiß nicht , Herr Graf , « entgegnete sie mit einem festen , offenen Blick . » Sie würden das auch nicht verlangen , denn - « Hier schwieg sie plötzlich . » Sprechen Sie weiter ! « sagte er ; » denn - « » Denn , « fuhr sie mit einem kaum bemerkbaren Lächeln fort , » denn meine Herrin würde Ihnen vielleicht selbst mehr sagen , als ich dem Herzog zu berichten im Stande bin . « » Ah ! Sie glauben ? « rief er erfreut . » Nun , da wir Beide hier einmal auf so eigenthümliche Art zum Austausche von Geheimnissen kommen , so kann ich Sie versichern , ein jedes Wort von Fräulein Eugenie zu mir gesprochen , ist mir unaussprechlich kostbar . - Doch wir kommen ganz von unserer Sache ab , « unterbrach er mit einem viel ernsteren Tone sich selbst und seine freundliche Rede von vorhin . - » Wollen Sie mir Ihr Vertrauen schenken ? Wohlan ! ich will Sie anhören , ich will Ihnen rathen , wo ich kann . « » Das ist aber eine ziemlich lange und traurige Geschichte , « entgegnete das Mädchen , » und ich fürchte Sie damit zu ermüden , will mich aber so kurz zu fassen suchen , wie nur möglich . « Darauf nun erzählte sie dem Grafen ganz ehrlich und aufrichtig die Geschichte , welche der geneigte Leser bereits weiß , genau so , wie sie solche im Fuchsbau dem Harfenmädchen anvertraut , wie man sie eines Diebstahls beschuldigt und fortgejagt , wie sie darauf mit der Harfenspielerin in jenes Wirthshaus gekommen und wie sie zu Bette gegangen seien . - » Dann wurden wir in der Nacht geweckt , « sprach sie weiter : » eine alte Frau hieß mich aufstehen , meinen Anzug zurecht machen und brachte mich hinunter in ein Zimmer , wo ich eine Zeit lang warten mußte , - dann führten sie mich vor ihn . « » Vor ihn ? - Wer war denn das ? « » Das weiß ich in der That nicht ; das schien auch Niemand im Hause zu wissen , es hieß nur immer : er ist gekommen , er ist da . Aber Jeder , der dies sagte , selbst die rohesten und verwegensten Leute , wie mir schien , sprachen von ihm mit großer Ehrfurcht , ja mit Angst und Zittern . Die Harfenspielerin sagte zu mir , als man mich aus dem Schlafzimmer abholte : ja , wenn er dich holen läßt , da hilft kein Widerstreben . « » Das ist sehr seltsam , « erwiderte der Graf . - » Also Alle schienen ihm zu gehorchen ? « » Unbedingt . « » Sie wurden also vor ihn gebracht . Thun Sie mir jetzt den Gefallen und nehmen Sie Ihr ganzes Gedächtniß zusammen . Wie sah er aus ? Wie ein wilder , verwegener Kerl ? « » Nein , nein ! « entgegnete sie eifrig , » so sah er nicht aus ; im Gegentheil . Es war ein noch junger Mann von , ich möchte sagen , angenehmem Aeußeren , in Ihrer Größe , Herr Graf , schlank , von leichten Bewegungen ; sein Gesicht hatte eine ziemlich dunkle Farbe , sein Haar war schwarz , seine Augen aber blau , und sein gleichfalls schwarzer Bart hing an beiden Seiten des Mundes herab . - Ich erinnere mich , bei uns Zigeuner gesehen zu haben , « fuhr sie nach einem kleinen Nachdenken fort , » gerade so sah er aus , nur daß seine Kleidung nicht zerlumpt war , sondern einfach , aber sehr anständig . « » Und womit war er ungefähr bekleidet ? « fragte der Graf mit großer Aufmerksamkeit . » Das kann ich nicht sagen , « entgegnete das Mädchen ; » ich war so bestürzt und überrascht , und in so großer Angst , daß ich nur auf das Gesicht blickte . « » Ja , das haben Sie behalten , wie mir scheint , « versetzte lächelnd der Graf . » Sie haben mir es wenigstens zum Malen beschrieben . Dunkle Gesichtsfarbe , schwarzes Haar und Bart und dazu blaue Augen - das Bild eines schönen Zigeuners . « » Eines noch fällt mir ein , « sagte das Mädchen . » Ich war an dem Tage von Kummer , Elend und Müdigkeit so erschöpft , daß ich vor ihm ohnmächtig wurde . Er fing mich in seinen Armen auf , vorher aber glitt ich auf den Boden nieder , und da berührten meine Wangen etwas Kaltes und Glänzendes an ihm . « » Vielleicht ein Säbel ? « » Nein , nein ! Ich bemerkte nachher , daß es hohe Stiefel waren , die ihm bis an die Kniee reichten . « » Hatte er überhaupt keine Waffen ? « fragte der Graf . » Sahen Sie keine an ihm ? « » O doch ; ich erinnere mich , etwas wie eine Art Dolch gesehen zu haben , mit weißem Griff , das er an seinem Gürtel trug ; er hatte es mit der linken Hand erfaßt . « » Das klingt ja ganz romantisch , « meinte Graf Fohrbach , nachdem er einen Augenblick sinnend vor sich niedergeschaut . »