Gehen Sie , gehen Sie , Bewegung ist immer gesund ! « Heinrich ging abermals nach seiner Wohnung und ergriff den größten Karton , einen mit Papier bespannten Blendrahmen von acht Fuß Breite und entsprechender Höhe . Dies Ungetüm war leicht von Gewicht , aber ungefüg zu tragen wegen seiner Größe , und als der unmutige Träger damit auf die Straße gelangte , blies sofort ein lustiger Ostwind darein , daß es Heinrich kaum zu halten vermochte . Überdies mußte er , da die große Fahne nur auf der Rückseite an der Kreuzleiste zu halten war , die bemalte Seite nach außen kehren , und so begann er , sich dahinter bestmöglich verbergend , mit seiner Oriflamme durch die belebten Straßen zu ziehen . Alsobald zog eine Schar Knaben und Mädchen vor der wandelnden Landschaft her , und jeder Erwachsene ging ebenfalls ein Dutzend Schritte daneben hin und stolperte , während er die offenbaren und preisgegebenen Erfindungen Heinrichs zu enträtseln suchte , über die Steine . Zwei wohlhabende und angesehene Künstler gingen vorüber und betrachteten vornehm und verwundert den beschämten Träger , der ihnen bekannt vorkam ; er fuhr mit seiner spanischen Wand gegen einen Wagen , den er nicht sehen konnte , so daß die Pferde scheu wurden , der Fuhrmann fluchte , und zugleich brachten starke Windstöße das ganze Wesen ins Schwanken , und dieses stieß Heinrichs Hut herunter , so daß er nun nicht wußte , sollte er den im Kote dahinrollenden oder sein behextes Werk fahrenlassen . Diese Flucht seines Hutes war einer jener kleinen lächerlichen Unfälle , welche einen tiefen Verdruß oder grämliches Leiden auf den Gipfel bringen , und so stand Heinrich ganz elend und ratlos da und unterdrückte einen bitterlichen Zorn im Herzen . Er war in der Verwirrung mitten auf den Gemüsemarkt geraten und konnte sich vollends nicht mehr rühren . Fluchend tat er einen Ruck und schwang seinen Karton über seinen Kopf , um ihn dort in die andere Hand und in eine bequemere Lage zu bringen ; als das unselige Werk aber in der Luft schwebte , fand er nicht mehr Raum , es wieder herunterzunehmen , und hielt es so über den wogenden Köpfen der Menschenmenge . Erst jetzt gab es einen rechten Auflauf auf dem Markte , denn das Luftphänomen zog alle Leute herbei , die Fenster in den umliegenden Häusern taten sich auf , alles lachte , schimpfte und rief » Wer wird denn mit solchem Ofenschirm über den Markt gehen um diese Zeit ? « Da drängte sich Heinrichs Gönnermännchen aus dem Dickicht , im grauen Schlafrock und seine weiße Zipfelkappe auf dem Kopfe , über die Schulter ein Netz mit Gemüse und Fleisch geworfen und Heinrichs übel zugerichteten Hut in der Hand . Freundlich winkte die lächerliche Gestalt ihm zu , und Heinrich streckte sehnlich die Hand nach seinem Hute . Aber der Alte rief mit wahrer Dämonenfreude » Nicht doch ! mitnichten , Freundchen ! Ihr kommt so viel besser fort ! will Euch den Hut schon tragen und den Weg bahnen ! « und der Ärmste , er mochte flehen , wie er wollte , mußte mit bloßem Kopfe , den mächtigen Rahmen über demselben schwingend , den übrigen Weg zurücklegen , den schlurfenden Alten mit seinem Netz vor sich her , der sich zu größerer Bequemlichkeit den Hut über die Zipfelkappe gestülpt hatte und schreiend und lärmend voranschritt . Als sie endlich vor dem Häuschen des Alten angekommen und die Unheilsfahne mit vieler Mühe in den engen Laden hineingezwängt hatten , schien das freundliche boshafte Greischen befriedigt . Er öffnete ausnahmsweise sein kleines Pult zur Hälfte , denn bisher hatte er seine winzigen Auszahlungen immer aus der Hosentasche bestritten , und griff behutsam unter den Deckel , wie einer , der eine Maus aus der Falle herausgreifen will , und indem er die Hand zurückzog , drückte er dem ausruhenden Heinrich zehn nagelneue Guldenstücke in die Hand für die beiden Schildereien , ohne ihn zu fragen , ob er damit einverstanden sei . » Für einmal « , sagte er zutraulich leise , » will ich es mit diesen beiden Tausendsassas von Bildern wagen ! Wenn ich sie auch behalten muß , was tut ' s ? Ihr seid mir darum nicht feit , Freundchen , Schweizerchen ! habt Euch heute gut gehalten , wie ? hä hä hä , hi hi hi , was ist das für ein Kreuz mit so hochfahrendem Blute ! « Heinrich sagte kurz und bündig » Das versteht Ihr nicht , alter Herr ! « - » Was versteh ich nicht ? « flüsterte der Alte , und der Junge wollte fortfahren » Es ist nicht das , was Ihr meint , etwa Hochmut oder dergleichen es ist vielmehr der bescheidene Wunsch , nicht aller Welt in die Augen zu fallen und Narrheiten zu treiben auf offener Straße ; denn ein Renommist und ein Narr ist , wer mit einer Kleinigkeit einem armen Teufel dienen könnte und ihn das tun lassen , wozu er geschickt und gewöhnt ist , und statt dessen selber auf Abenteuer ausgeht - « ; der unbelehrbare Alte ließ ihn aber nicht ausreden , sondern zwang ihn , noch einen Fischschwanz aufzuessen , oder vielmehr die Brühe aufzutunken , welches die Hauptsache sei , und er ließ ihn nicht eher los , bis er den Teller , an welchem ein Stück Rand fehlte , ganz leer gegessen . Erst als das geschehen , sah Heinrich , daß der Tyrann vom Fenster eine große Zeichnung weggenommen hatte , so daß der essende Heinrich in der Spelunke recht sichtbar wurde , und er grüßte dabei mit seiner Zipfelmütze grinsend nach allen Seiten , um die Leute aufmerksam zu machen und herbeizuziehen . Über dieses sonderbare Vergnügen des Männchens mußte endlich Heinrich so herzlich lachen , daß er ganz aufgeweckt wurde und in seiner Freude dem Alten die Zipfelmütze abriß und sich selbst aufsetzte . Zugleich trat aber auf dem kahlen Schädel des Alten eine