Schrift und in schief stehenden Lettern , wie sie als etwas Neues damals gerade erst aufgekommen waren , das Wort » Aufruf « las . Dies veranlaßte ihn doch zu genauerer Betrachtung und mit einiger Verwunderung las er : » Diejenige Person , welche den Namen Maja Pisom als Geburtsnamen führt , in dem Haidedorfe E. am 13. Februar 1791 zur Welt gekommen ist und mithin zur Zeit ein Alter von beinahe zwei und vierzig Jahren erreicht hat , sich auch vor Andern durch ein purpurrothes Muttermal an ihrer linken Schläfe in Gestalt eines kleinen Sternes auszeichnet , wird hierdurch dringend aufgefordet , ihren gegenwärtigen Wohnort anzuzeigen oder sich persönlich im Hause des Maulwurffängers Heinrich zu B. so bald als möglich einzufinden , da man ihr eine höchst wichtige Mittheilung zu machen hat . « » Was soll das nun wieder heißen ? « murmelte Adrian vor sich hin , indem er das Wochenblatt zusammenfaltete und zu sich steckte . » Zu welchem Zweck verläßt dieser intriguante alte Mann einen so dringenden Aufruf , und wer mag jene Maja sein ? Maja ? Maja Pisom ? Dieses Namens kann ich mich nicht erinnern . Unter meinen Arbeitern wäre sie demnach wohl kaum zu suchen . - Aber einen Grund muß der Aufruf doch haben ! Und der verschlagene alte Schlaukopf ist sicherlich dabei betheiligt ! - Dahinter muß ich kommen und das bald ! - Wahrhaftig es thäte Noth , daß man sämmtliche Arbeiter wie die Neger oder wie das liebe Vieh mit eigenen Augen besichtigte , um sich die besondern Kennzeichen jedes Einzelnen gewissenhaft zu notiren ! Ich werde mich sogleich erkundigen und , merke ich Unrath , die so Gezeichnete ohne Weiteres entfernen . Der malitiöse Bursche soll nicht allein und nicht immer truimphiren ! « Mit dieser Aufforderung hatte es folgende Bewandniß . Als unsere Freunde das Sterbebett der alten Maja verließen , drangen sie tief in die Haide ein , um den Geburtsort von Haideröschens Tochter aufzusuchen . Es war dieser kein eigentliches Dorf , blos ein paar zerstreut stehende Häuser , wie man sie häufig in jenen endlosen Wäldern findet und mit dem prunkenden Namen eines Dorfes bezeichnet , bildeten es . Auf seinen Wanderungen hatte der Maulwurffänger auch diesen versteckten Ort mehrmals betreten und wollte sich jetzt erinnern , daß ihm vor vielen Jahren ein sehr hübsches Mädchen um ein Almosen gebeten habe , an deren linken Schläfe er das erwähnte Muttermal bemerkt zu haben vorgab . Auch behauptete er zuversichtlich , die hübsche Bettlerin habe sich Maja Pisom genannt . Wie es nun häufig zu gehen pflegt , daß der Suchende wirklich zu finden glaubt , so meinte auch Pink-Heinrich , das Mädchen sei ihm gleich damals durch eine Aehnlichkeit aufgefallen , wozu er das Original lange in seinem Gedächtniß vergeblich gesucht habe , nun aber stehe dasselbe lebhaft vor seiner Seele und er wolle darauf einen körperlichen Eid ablegen , daß jene Maja dem verstorbenen Haideröschen in Haltung und Gesichtsbildung sehr ähnlich gewesen sei . Alle Nachfragen blieben jedoch ohne Erfolg . Die gegenwärtigen Bewohner des Ortes waren zum Theil nicht einheimisch daselbst , sondern vor wenigen Jahren erst aus andern Haideorten hergezogen . Von jener Maja wußte Niemand etwas . Unter diesen Umständen blieb den Suchenden nichts weiter übrig , als ein öffentlicher Aufruf in den gelesensten Blättern . Dies sind für den Bauer und Landmann die Wochenblätter und amtlichen Anzeiger kleiner Städtchen , weshalb der Maulwurffänger nur diese als geeignet für den zu erreichenden Zweck vorschlug . Er selbst sorgte für zahlreiche Verbreitung derselben in allen Haidedörfern , indem er die Colporteure und Herumträger dieser Blättchen anwies , sie in den meisten Häusern unentgeltlich abzugeben . Man hatte den Drucker freigebig bezahlt und eine größere Auflage als gewöhnlich davon abziehen lassen . Wo Pink-Heinrich am ehesten die Gesuchte zu finden oder doch eine Spur von ihr entdecken zu können glaubte , da eilte er in seinem Rennschlitten von Sloboda begleitet überall selbst hin , vertheilte die Blätter und suchte die Aufmerksamkeit und Theilnahme des armen Volks zu erwecken . Von einem dieser Streifzüge zurückkehrend , begegnete er dem Grafen , dessen seltsame Liebhaberei , auf ungebahnten Pfaden so früh am Tage die Haide zu durchstreifen , ihm auch verdächtig vorkam . Kaum war daher Adrians rascher Schlitten hinter den beschneiten Stämmen verschwunden , so ließ der Maulwurffänger halten . » Was runzelst Du die Stirn ? « fragte ihn der Pferdelenkende Sloboda . » Freund Jan , laß uns umkehren ! « versetzte Pink-Heinrich . » Die Spazierfahrt des Herrn am Stein hat was zu bedeuten , ich wette ! Er ist viel zu verweichlicht , als daß er um nichts und wieder nichts seine gesteppten Seidenmatratzen von sich würfe und bei solchem Frost mutterseelen allein in die tiefste Haide führe ! Es hat das einen Grund und zwar einen gewichtigen ! Komm also , Alter , laß uns seiner Fährte folgen und nachspüren , woher er kommt , wo er gewesen ist . « Dies war eine leichte Aufgabe . Der gefrorene Schnee zeigte sehr deutlich die Geleise des Schlittens , so daß unsere beiden wackern Alten ohne Mühe bis vor die Thür der Köhlerschenke im Schutze des Raubhauses gelangten . » Also hier hat der Herr Graf gefrühstückt ? « sagte der Maulwurffänger lächelnd . » Das sieht ja beinahe aus wie ein Wink des Schicksals ! Wie wäre es , Jan , wenn wir die Ueberreste des hochgräflichen Frühstücks kosteten ? Ich verspüre meiner Six Hunger , und der Schornstein der verräucherten Bude dampft gar so einladend . « Sloboda hielt die Pferde an und alsbald saßen die Freunde in Jussuff ' s Schenkstube , tranken gemeinschaftlich ein Glas Branntwein und ließen sich frisches Schwarzbrod mit geräuchertem Speck vortrefflich schmecken . Während dieses Morgenimbisses vernahmen sie manchmal wie aus dem Walde hereinschallend ein heiseres Lachen , dem das Klirren zusammengestoßener Gläser folgte . Pink-Heinrich winkte dem Wenden heimlich und wandte sich an Jussuff . » Bei Euch