das ist das Bild Fennimors ! Zwar nicht dasselbe , was mein Oheim bei sich hatte ; aber dennoch ihr treues , unverkennbares Abbild ! « » Und das meiner Schlafenden ! « rief Lucile . - » Ja , ja , ich täusche mich nicht - es gleicht ihr Zug für Zug ; und gewiß sind die Augen mit den langen , schwarzen Wimpern , die ich geschlossen sah , so tief blau , wie diese ! Ja , « wendete sie sich zu Leonce , der , athemlos ihr zuhörend , dennoch Zeit gehabt hatte , sich zu fassen - » ich begreife Ihr Erstaunen ! Auch ich glaubte , die lebende Fennimor käme mir entgegen , als ich hier eintrat . « » Nicht wahr , « sagte Leonce zerstreut - » es kann selbst starke Nerven erschüttern ? Sehen Sie hier - damit wir außer Zweifel sind - diese Unterschrift : Fennimor Lester , vermählte Gräfin Crecy-Chabanne - gemalt im Jahre der Gnade 1670 von Eustace Lesüeur . « » Das ist also das zweite Bild , was er malte , welches wahrscheinlich Emmy Gray für sich zurück behielt . Ihr werdet Euch dessen erinnern , « fuhr Armand fort - » Graf Leonin sagte mir immer , es habe die größte Mühe gekostet , nur Eins von den Bildern zu erhalten , die Lesüeur damals machte ; und erst , als er seinen Wunsch aussprach , einen Grabstein darnach anfertigen zu lassen , willigte Emmy Gray ein , oder ließ sich vielmehr das eine , ihr minder liebe Bild wegnehmen . « Während dieser Worte betrachteten Alle das wundervolle Bild des unsterblichen Lesüeur . Jeder entdeckte neue Vorzüge ; Jeder fühlte , es sei mit Liebe und Begeisterung bis in die kleinsten Einzelnheiten ausgeführt worden . Fennimor war in einem weißen , gewässerten Moorkleide gemalt , welches über Schultern und Brust mit Agraffen von bunten Steinen befestigt war . Sie saß auf der von Eichenholz künstlich geschnittenen Bank , die zu dem dazu passenden Lesepulte gehörte , welches , zur linken Seite geschoben , mit Fennimor in Verbindung stand ; denn ihre eine schlanke , weiße Hand ruhte darauf und auf dem kleinen Andachtsbuche , worauf man Worte las , die es als das neue Testament bezeichneten . Sie selbst schien sich nur eben davon weggewendet zu haben und sah , en face genommen , ganz aus dem Bilde heraus , mit einer so wunderbar anziehenden Stellung des Kopfes , daß Jeder fühlte , das habe der Maler nicht erfunden - die Natur habe es ihm vorgemacht . Ihre tiefen , blauen Augen blickten mit einem ernsten , begeisterten Feuer ; der volle , kindliche Mund , der die schönste Bogenlinie bildete , war so gut und überredend halb geöffnet , daß er erst den Ausdruck der Augen vollständig erklärte ; darüber die feine Nase , die wie von Marmor gemeißelt , und ohne dem lieblich runden Gesichte seinen kindlichen Zuschnitt zu benehmen , dennoch ein reines , griechisches Vorbild war . Aber die braunen Locken ! Man konnte erkennen , daß sie Lesüeur zur Verzweiflung gebracht hatten . Man hätte glauben können , er habe sie endlich mit Gold übermalt und dann bloß die Schatten hinein gesetzt ; sie glänzten wirklich , und die Wellenlinien , die ihre zarte Stirn umgaben , hatten erkennbare , feine goldene Linien . Und dieser Engelskopf ruhte ahnungslos über dem schönsten Körper ! Dieser vorgebogene , schlanke Hals , wie fein war er auf den Schultern angesetzt - wie sorglos hielt die Spange die Falten , die über dem Latze die feinen Formen umhüllten ! Keine üppige Fülle - eine Psyche , die auf den eben entfalteten Flügeln noch den zarten Blüthenstaub trägt , den selbst Zephir sich zu berühren scheut ! Auf einem kleinen Fußschemel stand ihr linker Fuß ziemlich hoch , so daß die Bewegung des Oberleibes wie darüber hinausgebogen erschien , was ihr einen bezaubernden Ausdruck von kindlicher Naivität gab . - In ihrem Schooße lagen Rosen , als habe sie dieselben im Kleide gesammelt , und die rechte Hand mit dem reizenden Arme , der unter dem Robenärmel vorsah , hielt oder stützte sich auf ein fremdartiges Instrument , das man auf alten Bildern in den Händen der Engel wohl als kleine Harfen sieht . Dieses ruhete in den Falten des lang niederfallenden , reichen , seidenen Gewandes ; - und der Hintergrund schien der Purpursammet einer Tapete . » Ach , « rief Margot - » nie sah ich etwas Aehnliches ! Ich wollte , wenn sie lebte , zu ihren Füßen liegen ! Sie muß , wenn sie gesprochen hat , die Geheimnisse des Himmels verrathen haben ! « » Aber , « rief Lucile - » sie lebt ! Ich sah sie ! Ich bitte Dich , Armand - denke Dir , daß die , welche ich in Emmy ' s Bereiche sah , lebt ; daß sie vielleicht eine Verwandte - Gott , daß sie vielleicht Fennimors Verwandte ist ! Ich bitte Dich , laß uns daran denken , der Alten näher zu kommen ; sie muß uns den Eintritt gestatten - sie darf sich uns nicht länger entziehen ! « » Nein , theure Lucile , laß uns in unserem Eifer nicht zu weit gehen ! Ihr könnt mir den Widerstand , den ich , so lange wir hier sind , Eurem Andringen entgegen setzte , nicht als Eigensinn auslegen . Es ist die Heiligkeit des gegebenen Wortes , die mich fest sein läßt ! Die unanrührbare Stellung , die mein Oheim dieser armen , gekränkten Seele auch nach seinem Tode zu sichern suchte , war von dem vielen Unglücke , das er verschuldet hatte , das einzige , was in seiner Macht lag , versöhnend zu gestalten . Es war ihm gleich , was aus allen seinen Besitzthümern ward ; aber Emmy ' s Lage zu sichern , mit allen Launen , mit allen Anforderungen und Thorheiten ,