möge , das Herdfeuer brennt und mahnt uns an den Anspruch und das Recht des alltäglichen Lebens . Berndt seinerseits war allein geblieben ; er sann und plante und verwarf wieder . Als die Stutzuhr eben zwei schlug , erschien Jeetze und meldete , daß angerichtet sei . Wie gewöhnlich , seitdem Besuch im Hause war , war in der Halle gedeckt worden . Bamme trat auf Vitzewitz zu , um ihm zu der » guten Zeitung « zu gratulieren ; aber es klang frostig . Jeder konnte den Zweifel heraushören , nicht an der Sache selbst , aber an ihrem Wert . Man setzte sich ; Berndt fragte nach Marie , nach Kniehase , nach Rysselmann ; bald aber hob er die Tafel auf , an der , aller Anstrengungen unerachtet , nur wenig gesprochen worden war . Alles erschien ihm wie Versäumnis , ehe man nicht wenigstens einen Plan verabredet hatte . Er zog sich in sein Arbeitscabinet zurück und ließ eine Viertelstunde später die Herren bitten , ihm dahin folgen zu wollen . In dem Zimmerchen war es inzwischen freundlicher geworden ; ein Feuer brannte , und der alte Mantel , der über der Lehne gehangen hatte , hing jetzt am Riegel . Der General und Hirschfeldt erschienen zuerst , nach ihnen Tubal . Alle drei zu placieren würde bei der Enge des Raumes nicht leicht gewesen sein , wenn nicht Bamme , der es warm liebte , dicht an den Ofen gerückt wäre . Hier saß er mit untergeschlagenen Füßen und rauchte , mehr einem Götzenbilde als einem Menschen ähnlich . Jeetze kam und reichte Kaffee , nach dem jeder mehr oder weniger begierig war . Und wirklich , die Tassen waren kaum geleert , als eine bessere Stimmung Platz zu greifen begann . War denn die Lage wirklich so hoffnungslos ? Nein . Berndt nahm das Wort und erklärte , daß er in der Furcht der Franzosen , in ihrer mutmaßlichen Scheu vor einem zweiten zu statuierenden Exempel den besten Teil seiner Hoffnung sehe . » Girard oder Fournier « , so schloß er , » macht keinen Unterschied ; sie wissen , daß ihre Tage hier herum gezählt sind , und werden sich hüten , den schon straffen Bogen noch weiter zu überspannen . « Bamme wollte von diesem Troste nichts wissen ; Hirschfeldt widersprach nicht geradezu , sah aber alles wirkliche Heil nur in einem selbständigen Vorgehen . Solange der Hals in der Schlinge stecke , wiederholte er , sei von Sicherheit keine Rede ; ein Ungefähr , eine Laune , und die Schlinge ziehe sich zu . » Können wir uns auf Turganys Brief verlassen ( und ich glaube , daß wir es können ) , so treten die Küstriner Herren nicht eher als morgen mittag oder nachmittag zusammen . Selbst wenn die Würfel schwarz fallen , woran leider nicht zu zweifeln , so haben wir vor übermorgen früh nichts zu befürchten . Füsilladen sind Früh- und Morgensache . Das ist so alter Brauch . Was also unsererseits zu geschehen hat , muß diese Nacht geschehen oder in der nächstfolgenden . Diese Nacht - unmöglich , vorausgesetzt , daß wir der Mitwirkung unserer Leute dazu bedürfen . Auch die besten halten solche Schlappe nicht aus . Also morgen ; morgen nacht . « Berndt und Bamme waren einverstanden , auch damit , daß man es mit List versuchen wolle . Hoppenmarieken sollte dabei helfen . Diese , wie Berndt sehr wohl wußte , lebte mit der Küstriner Garnison auf dem allerbesten Fuße ; war sie doch jedem einmal mit Kauf oder Kuppelei zu Diensten gewesen . Westfalen oder Franzosen machte dabei keinen Unterschied , ja , die letzteren hatten eine besondere Vorliebe für sie und gestatteten ihr , um ihrer grotesk-komischen Erscheinung oder vielleicht auch um ihrer gemutmaßten Geistesschwäche willen , überallhin Zutritt . Daß Hoppenmarieken selbst , eitel und abenteuersüchtig , wie sie war , gegen Übernahme der ihr zugeteilten Rolle Bedenken erheben würde , daran war gar nicht zu denken ; eine andere Frage blieb freilich , ob ihr auch in allen Stücken zu trauen sei . Man ließ dies indessen fallen , und Berndt schickte nach dem Forstacker , um sie herbeiholen zu lassen . Aber sie war von ihrem gewöhnlichen Tagesmarsche noch nicht zurück . So wurde beschlossen , die Besprechung mit ihr bis auf den andern Morgen zu vertagen . Bamme wollte dabei zugegen sein . Hiernach trennten sich alle und zogen sich auf ihr Zimmer zurück . Was noch zu tun war , waren Dinge , die sich mit Kniehase besser als mit jedem anderen erledigen ließen ; dieser kam denn auch , beschaffte und ordnete alles Nötige und war bei Dunkelwerden wieder auf dem Schulzenhofe . Sein erster Gang , als er wieder daheim war , war zu Marie , bei der er , seiner eignen Wunde wenig achtend , den größten Teil des Tages zugebracht hatte . Er setzte sich auch jetzt wieder an ihr Bett und horchte und fragte ; ihr aber , als sie diese vom herzlichsten Mitgefühl eingegebenen Fragen hörte , kam der stille Vorwurf zurück , in allen voraufgegangenen Stunden immer nur an Lewin und nicht ein einziges Mal an ihn gedacht zu haben , an ihn , der jetzt so liebreich zu ihr sprach und vom ersten Tage an nur Güte und Nachsicht für sie gehabt hatte . Sie klagte sich ihrer Selbstsucht an und vergoß bittere Tränen . Er aber wollte davon nichts wissen und wiederholte nur ein Mal über das andere : » Laß , Kind ; das ist die Jugend . « Und dann beruhigte sie sich und ließ sich wieder erzählen . Ach , wie schlug ihr das Herz höher , als sie von Turganys Brief hörte : Othegraven war tot , aber Lewin lebte . Und das bedeutete alles ! Dieselbe Selbstsucht , deren sie sich eben noch bezichtigt hatte , war wieder da . Und sie wußte es kaum . Ihre Stirn wurde