Recht gegen Justinian , den treulosen und undankbaren Mann . Er ist unser Feind wie Deiner . Wohlan : stütze Dich , statt auf ein Heer der falschen Franken : auf das ganze Volk der Goten , deren Kraft und Treue Dir bekannt . Mit jenen sollst Du Italien teilen : mit uns kannst Du es ganz behalten . Laß mich den Ersten sein , der Dich begrüßt wie als Kaiser des Abendlands so als König der Goten . Alle Rechte bleiben meinem Volk , Du trittst einfach an meine Stelle . Ich selber setze Dir meine Krone auf das Haupt und wahrlich : kein Justinian soll sie Dir entreißen . Verwirfst Du diesen Antrag : so mache Dich gefaßt auf einen Kampf , wie du noch keinen gekämpft . Ich breche dann mit fünfzigtausend Goten in Dein Lager . Wir werden fallen . Aber auch Dein ganzes Heer . Eins oder das andre . Ich hab ' s geschworen . Wähle . Witichis . « Einen Augenblick war der Präfekt aufs furchtbarste erschrocken . Rasch hatte er einen forschenden Blick auf Belisar geworfen . Aber dieser Eine Blick beruhigte ihn wieder ganz . » Er ist ja Belisar , « sagte er sich abermals . » Jedoch gefährlich ist es immer , mit dem Teufel zu spielen . Welche Versuchung ! - « Er gab den Brief zurück und sagte lächelnd : » Welch ein Einfall ! Wozu doch die Verzweiflung führt . « » Der Einfall , « meinte Prokop , » wäre gar so übel nicht , wenn ... - « » Wenn Belisar nicht Belisar wäre , « lächelte Cethegus . » Spart euer Lachen , « schalt dieser . » Ich bewundre den Mann . Und es darf mich nicht mehr beleidigen , daß er mich der Empörung fähig hält . Hab ' ich es ihm doch selber vorgelogen . « Und er stampfte mit dem Fuß . » Ratet jetzt und helft ! Denn ihr habt mich in diese leidige Wahl geführt . Ja sagen kann ich nicht . Und sag ' ich nein : - darf ich des Kaisers Heer als vernichtet ansehen . Und muß obenein bekennen , daß ich die Empörung nur erlogen . « Cethegus sann schweigend nach , das Kinn mit der Linken langsam streichend . Plötzlich durchblitzte ihn ein Gedanke . Ein Strahl der Freude flog verschönend über sein Gesicht : » so kann ich sie beide verderben ! « Er war in diesem Augenblick sehr mit sich zufrieden . Aber erst wollte er Belisar ganz sicher machen . » Du kannst vernünftigerweise nur zwei Dinge tun , « sagte er zaudernd . » Rede : ich sehe weder eins noch das andre . « » Entweder wirklich annehmen - « » Präfekt , « rief Belisar grimmig und fuhr ans Schwert . Prokop hemmte erschrocken seinen Arm . » Keinen solchen Scherz mehr , Cethegus , so lieb dir dein Leben . « » Oder , « fuhr dieser ruhig fort , » zum Schein annehmen . Ohne Schwertstreich einziehn in Ravenna . Und - - die Gotenkrone samt dem Gotenkönig nach Byzanz schicken . « » Das ist glänzend ! « rief Prokop . » Das ist Verrat ! « rief Belisar . » Es ist beides , « sagte Cethegus ruhig . » Ich könnte dem Gotenvolk nicht mehr in die Augen sehen . « » Das ist auch nicht nötig . Du führst den gefangenen König nach Byzanz . Das entwaffnete Volk hört auf , ein Volk zu sein . « » Nein , nein , das tu ' ich nicht . « » Gut . So laß dein ganzes Heer Testamente machen . Leb wohl , Belisar . Ich gehe nach Rom . Ich habe durchaus nicht Lust , fünfzigtausend Goten in Verzweiflung kämpfen zu sehen . Und wie wird Kaiser Justinianus den Verderber seines besten Heeres loben ! « » Es ist eine furchtbare Wahl , « zürnte Belisar . Da trat Cethegus langsam auf den Feldherrn zu . » Belisar , « sprach er mit gemütvoller , tief aus der Brust geschöpfter Stimme : » du hast mich oft für deinen Feind gehalten . Und ich bin zum Teil dein Gegner . Aber wer kann neben Belisar im Feld gestanden sein , ohne den Helden zu bewundern ? « Und seine Weise war so feierlich und salbungsvoll , wie man sie nie an dem sarkastischen Präfekten sah . Belisar war ergriffen und selbst Prokop erstaunte . » Ich bin dein Freund , wo ich es sein kann . Und will dir diese Freundschaft in diesem Augenblick durch meinen Rat bewähren . Glaubst du mir , Belisarius ? « Und er legte die linke Hand auf des Helden Schulter , bot ihm treuherzig die Rechte , und sah ihm tief ins Auge . » Ja , « sagte Belisar , » wer könnte solchem Blick mißtrauen . « » Siehe , Belisar , nie hat ein edler Mann einen mißtrauischern Herrn gehabt als du . - Der letzte Brief des Kaisers ist die schwerste Kränkung deiner Treue . « » Das weiß der Himmel . « » Und nie hat ein Mann , « - hier faßte er ihn an beiden Händen - » herrlichere Gelegenheit gehabt , das schnödeste Mißtrauen zu beschämen , sich aufs glorreichste zu rächen , seine Treue sonnenklar zu zeigen . Du bist verleumdet , du trachtetest nach der Herrschaft des Abendlandes . Wohlan , bei Gott : du hast sie jetzt in Händen . Zieh ' in Ravenna ein , laß dir von Goten und Italiern huldigen und zwei Kronen auf dein Haupt setzen . Ravenna dein , dein blindergebnes Heer , die Goten , die Italier - wahrlich , du bist unantastbar . Justinian muß zittern zu Byzanz und sein stolzer Narses ist ein Strohhalm gegen deine Macht . Du aber , der du all ' dies in Händen hast , - du legst all