er nieder und flüsterte in seliger Hoffnungsfreude : » Wenn sie es ist , so ist sie gerettet .... denn sie betet .... und betet in Tränen . Heilige Maria , Königin des Friedens bitte um Frieden für diese arme ruhelose Seele . « Nach einer dreistündigen Abwesenheit kam Judith gefaßt zu Hause ; aber ihre Kammerfrau stürzte ihr entgegen und rief » Gott Dank , da sind Sie ! Hat der Herr Graf Sie gefunden ? er streift in der Stadt umher , um Sie zu suchen . Die Villa Borghese hat er schon durchjagt und kam verzweiflungsvoll vorgefahren , um zu fragen , ob Sie inzwischen vielleicht angelangt wären . « » Der Herr Graf ist allzu gütig ! « unterbrach Judith den Strom der Mitteilung . » Ist sonst nichts vorgefallen ? « Die Kammerfrau gab ihr einen Brief und setzte hinzu , das kleine Mädchen , das denselben gebracht habe , werde im Laufe des Nachmittags die Antwort holen . Judith ging mit dem Brief in ihr Zimmer und erbrach ihn ziemlich gleichgültig . Er war in französischer Sprache , Handschrift und Papier höchst elegant - und ohne Unterschrift . Sie las mit wachsender Spannung : » Signora ! Da Sie dem höchsten Glück entgegen gehen , welches einem Menschen zu Teil werden kann , indem Sie das Sakrament der Taufe empfangen : so glaube ich , daß Sie umsomehr von fremdem Leid gerührt sein werden . Meine Verhältnisse sind der Art , daß ich Sie nicht aufsuchen kann und doch das heißeste Verlangen habe , Sie zu sprechen . Das Ungewöhnliche meiner Bitte sagt Ihnen deutlicher als tausend Worte , wie wichtig mir ein Gespräch mit Ihnen wäre . Ich bitte also , Signora , daß Sie die Güte haben möchten , mir Tag und Stunde zu bestimmen , wo ich Sie im Kloster der Damen vom Sacre Coeur zu Trinità dei Monti auf dem Pincio erwarten dürfte . Ihr Name , an der Pforte genannt , wird Ihnen Einlaß geben . Je näher der Tag und je früher die Stunde , desto lieber wär ' es mir . Ich bitte nur um zwei Worte mit Ihrer Bestimmung , Signora ; aber ich bitte um des Blutes Jesu willen , das Ihrer Seele , zur Freude aller Kinder der heiligen Kirche , die Fülle der Gnaden bringen wird . « Judith las den Brief dreimal von Anfang bis zu Ende durch ; da ihr aber nicht die leiseste Ahnung kommen wollte , wer die Schreiberin sein könne , die von ihrem Vorhaben wisse und sich eben so sehr darüber freue , wie Signora Pasqualina , so setzte sie sich rasch hin , schrieb die Worte : » Morgen früh um sieben Uhr wird I. M. an der Pforte des bezeichneten Klosters sein ; « siegelte das Blatt ein und gab es ihrer Kammerfrau für die kleine Botin . Kaum war sie damit fertig , so hörte sie im Salon Orests hastigen Schritt . Sie eilte ihm entgegen , gab ihm die Hand und sagte freundlich : » Ich danke Ihnen gar nicht für Ihre Sorge , denn Sie werden ja ganz dadurch verstört . « Er sah in der Tat so leichenblaß und verstört aus , daß sie Mühe hatte , ihre heimliche Angst zu unterdrücken . » Woher kommen Sie denn eigentlich ? und was dachten Sie überhaupt ? « fragte sie beklommen , da er gar nichts sagte , sondern nur ihre Hände hielt und küßte und an seine Stirn und auf seine Augen legte , wie um sich zu überzeugen , daß sie wieder da sei ! daß sie es sei . » Werd ' ich nicht erfahren was Sie in diesen Zustand von Aufregung versetzt hat ? « fragte sie abermals . » Judith verschwindet - und ich soll nicht aus der Fassung kommen ! « rief Orest . » Verschwindet ! .... ich hatte armen Leuten Geld zu geben und war in einer Kirche ; nennen Sie das - verschwinden ! « entgegnete Judith . » Der Morgen verging - und Sie kamen nicht wieder ! da suchte ich Sie in der Villa Borghese und als ich Sie nicht fand - in der Villa Pamfili , weil ich ja weiß , daß Sie dort gern unter den Pinien wandeln . Aber Sie waren auch da nicht - und nun kam mir der gräßliche Gedanke in den Sinn .... Sie wären entführt , wären mir entrissen . « .. » Welche Torheit , teurer Orest ! « unterbrach ihn Judith ; » Entführungen sind nicht römische Sitte ! man muß doch immer bei Besinnung bleiben . « » Nicht bei dem Gedanken , daß ich Dich verlieren könnte ! « brach Orest stürmisch aus . » Was wäre die Liebe , wenn das Herz dabei kalt bliebe ! ... wenn es sich nicht sträubte , wie gegen den Tod , gegen einen solchen Verlust . O Judith ! Geliebte ! die ganze Welt hat sich wider unser Glück verschworen ! ich kann hier freilich protestantisch werden ; allein meine Ehescheidung muß ich in meiner Heimat betreiben . Das gibt unabsehbare Verzögerungen . O laß uns fliehen ! laß uns auf irgend einer paradiesischen Stätte des Orients die Welt vergessen . « » Gott will es nicht ! « unterbrach sie ihn . Aber sie , die doch sonst so mutig war , hatte nicht den Mut , ihm zu sagen , welchen Umfang sie diesem Ausruf gab . Sie fürchtete sich vor Orest . Sie , die Stolze , die ihren Triumph darin gefunden hatte , seine Leidenschaft so zu steigern , daß er nicht mehr deren Herr war ; die gewähnt hatte , sie sei jetzt die Königin und Beherrscherin seines Glückes und seines Schicksals , weil sie sein Idol war : ach , sie mußte jetzt erfahren , daß sie gerade dadurch abhängig von ihm und die beängstigte Sklavin seiner entfesselten Leidenschaft geworden sei . » Kaltes Herz !