Thüre . Zuerst hustete es draußen leise , dann wurde sachte an die Thüre geklopft , und da auf alle diese Zeichen keine Antwort erfolgte , so vernahm man deutlich , daß eine Hand die Klinke ergriff und die Thüre zu öffnen versuchte , was ihr aber natürlicherweise nicht gelang . Dasselbe Manöver wurde von draußen mehrere Male probirt , und als es immer gleich erfolglos blieb , vernahm man einige leicht gemurmelte Worte , worauf sich die Person wieder langsam entfernte . Einmal schien dieselbe umkehren zu wollen ; man vernahm ein Anhalten , dann eine halbe Wendung auf dem Steinboden des Ganges , doch besann sie sich eines Bessern : gleich darauf klangen die Schritte wieder regelmäßig und fest und verloren sich in der tiefen Stille , die über dem ganzen Schlosse lag . » Der gute Herzog sucht , obgleich spät , doch noch zu seinem Rendezvous zu kommen , « dachte der Graf . - Und dann wandte er sich wieder an das Mädchen , das , ein Bild der Angst , bleich und zitternd an dem Fenstervorhange stand . » Beruhigen Sie sich , « sagte er , » diese Gefahr ist gänzlich vorüber , denn wie ich den Herzog kenne , wird er heute Nacht nicht mehr zurückkehren . - Sie können ihm dann vielleicht morgen Ihren Bericht machen . « Diese letzten Worte sprach er in einem schneidenden Tone . Das Mädchen seufzte tief auf und entgegnete : » Wie Gott will ! « » O nein , « erwiderte er heftig , » nicht wie Gott will , vielleicht wie der Teufel will ! Denn nur der hat eine Macht über Menschen , wie die sind , von welchen Sie soeben gesprochen . « » O , Sie glauben mir nicht , Herr Graf ! « sagte sie tief bekümmert . - » Und es wäre doch für Alles gut , wenn Sie mir glauben wollten . « » So bringen Sie was Glaubwürdiges vor und ich will mir Mühe geben , Ihren Worten zu vertrauen . « Sie blickte sich scheu um , als fürchte sie , belauscht zu werden , namentlich nach dem Fenstervorhang hin , als sei es möglich , daß plötzlich Jemand vortrete . - » Ich mußte einen fürchterlichen Schwur nachsprechen , « sagte sie zitternd . » Einen Schwur , nichts von dem Orte zu verrathen , von dem Sie vorhin sprachen , und von dem , was man Ihnen dort gesagt ? « » Warten Sie einen Augenblick , « entgegnete sie nach einer Pause nachdenkend , indem sie die Hand an ihre Stirne legte . - » Nein , nein , das ließ er mich gerade nicht schwören , denn , daß das je geschehen könnte , mochte er sich wohl nicht denken , da er mir Gutes erzeigt . - Aber ich mußte schwören , meine neue Herrin zu beobachten , um , so oft es von mir verlangt würde , einen Bericht zu machen , wenn sie ausgeht , wohin sie geht , wer zu ihr kommt , was sie zu Hause macht , an wen sie schreibt , - ja , das mußte ich schwören bei dem allmächtigen Gott , der mich strafen sollte , wenn ich je meinen Schwur bräche . « - Nachdem sie das gesagt , schauerte sie leicht zusammen . In allem dem , was das Mädchen sprach , war trotz des Räthselhaften so viel Glaubwürdiges , auch trugen ihre Worte so den Stempel des Wahren und Aufrichtigen , daß sie der junge Mann mehr und mehr mit Interesse betrachtete und sein Zorn vor ihrem sanften und klaren Blick zu verschwinden begann . » Das ist äußerst seltsam , « sagte er , » und ich will Ihren Worten trauen . Wenn Sie aber wollen , daß ich Ihnen vollkommen glauben , mich Ihrer vielleicht annehmen soll , so lösen Sie mir die Räthsel , die in dieser Geschichte liegen , und erzählen mir die Wahrheit , meinetwegen , so weit es Ihnen der geleistete Schwur erlaubt . « » Ja , das will ich ! « versetzte sie eifrig . » Ihnen will ich alles das sagen , Herr Graf , - denn ich weiß ja , « fuhr sie mit niedergeschlagenen Augen fort , » wie sehr Sie meiner Herrin zugethan sind , und wie Sie gewiß Alles , was ich Ihnen anvertraue , nur zu deren Besten anwenden werden . Ah ! und ich wünsche ja meiner Herrin alles Gute , alles Glück und alles Heil . « » Und das wären Sie vom Herrn Herzog nicht gerade überzeugt ? « fragte er forschend . » Nein , nein ! « entgegnete sie eifrig ; » er meint es schlimm und unredlich . O glauben Sie mir , Herr Graf , ich habe ihm gewiß nur Sachen berichtet , die meiner Herrin nicht schaden können ; ich habe seinen sonderbaren Zumuthungen nie Gehör gegeben , ich war gewiß keine so schlimme Verrätherin , wie ich wohl scheine . « » Ei , ei ! er machte Ihnen Zumuthungen ? « sagte aufmerksam Graf Fohrbach . - » In Betreff Ihrer Herrin ? « » Sehr häufig . « » Und worin bestanden diese Zumuthungen ? « » Bald sollte ich ihm dies oder das von ihr verschaffen - ein Band , eine Haarlocke oder ein Blatt ihres Albums , in welches sie zuweilen kleine Gedichte schreibt . Auch verlangte er , ich sollte ihn Abends einmal , wenn Fräulein Eugenie ausgegangen , in deren Zimmer führen . « » Was der Teufel ! - Und Sie ? « » Bei Gott ! ich wies alles das zurück . - Auch wünschte er , ich solle zuweilen beim Ankleiden auf eine unverfängliche Art die Rede auf ihn bringen , um zu hören , was das gnädige Fräulein sagen würde . - Aber gewiß , ich that es nie . « » Sehr gut ! «