und Heinrich sich plaudernd und lachend ein Stündchen bei ihm aufhielt , dann aber weggehen wollte , forderte er ihn auf , nicht ins Wirtshaus zu laufen und sein Geldchen zu vertun , sondern mit ihm etwas Geschmortes oder Gebratenes zu essen . Der allein lebende katholische alte Gesell hatte nämlich bei aller Knauserei stets ein gutes Gericht in dem Ofen seines dunklen Gewölbes stehen und war ein vortrefflicher Koch . Bald war es eine Gans , bald ein Hase , welche er sich auf den Feiertag zubereitete , bald kochte er meisterhaft ein gutes Gemüse , welches er durch die Verbindung mit kräftigem Rind- oder Schweinsfleisch , je nach seinem Charakter , zum trefflichsten Gerichte zu machen wußte . Besonders verstand er sich auf die Fastenspeisen , welche er mehr aus Schleckerei als aus Frömmigkeit nie umging , und jeden Freitag gab es bei ihm entweder köstliche Fische , das heißt ziemlich bescheidene und wohlfeile Wassertiere , die er aber durch seine vielseitige Kunst zum höchsten Rang erhob , oder es duftete eine Makkaronipastete in seinem Laden , zwischen welche er kleine Bratwürstchen und Schinken hackte , welche unerlaubte Fragmente er spaßhaft Sünder nannte und , indem er seinem Gast vorlegte , eifrig aussuchte und zuschob . Hiebei blieb er aber nicht stehen , sondern eines Tages , als er den armen jungen Heiden besonders kirre gemacht , wickelte er eine fette Ganskeule nebst einem Stück Brot in ein Papier und suchte es ihm schmunzelnd in die Tasche zu stecken . Heinrich wehrte sich , ganz rot werdend , heftig dagegen ; wie aber der Alte den Finger aufhob und leise sagte » Na , was ist denn das ? Es braucht ' s ja kein Mensch zu wissen ! « da ergab er sich demütig in den Willen des seltsamen Mannes , der ein unerklärliches Vergnügen zu empfinden schien , den ihm fremden Menschen auf diese Weise gemütlich zu tyrannisieren . Das seltsamste war , daß er sich nicht um dessen Herkunft und Schicksal bekümmerte , nicht einmal fragte , wo er wohne , und am wenigsten den Gründen seiner jetzigen Armut nachforschte . Das schien sich alles von selbst zu verstehen . Heinrich trug dazumal die Ganskeule wirklich nach Hause . Auf der Schwelle sah er ein Bettelweib sitzen , welches ihn in so erbärmlichen Tönen um Barmherzigkeit anflehte , als ob es am Spieße stäke , und Heinrich fuhr mit der Hand in die Tasche , um hier auf die beste Weise das Nahrungsmittel anzubringen und zugleich dem Alten einen Streich zu spielen . Wie er aber die elende und hinfällige alte Frau näher ansah , da verging ihm endlich der letzte Stolz , und statt des Fleisches gab er ihr eines der Geldstücke , die er eben von seinem Gönner erhalten , ging auf seine Stube und aß die Ganskeule aus der einen Hand , aus der anderen das Brot , nicht um sich gütlich zu tun , sondern zu Ehren und zu Liebe der Menschlichkeit und der Armut , welche die Mutter der Menschlichkeit ist , und diese einsame Mahlzeit war gewissermaßen seine nachgeholte und verbesserte Abendmahlsfeier . So erhielt er sich ein gutes halbes Jahr , und so wenig der Alte ihm für seine mannigfaltigen Studienblätter , Skizzen und Zeichnungen gab , so waren dieselben doch so zahlreich , daß sie kein Ende zu nehmen schienen . Nie sagte ihm der Wunderliche , wer eigentlich die Sachen kaufe und was er daran gewinne , und Heinrich fragte nicht mehr darnach . Er war im Gegenteil froh , wie er nun gestimmt war , alles hinzugeben und das kärgliche Brot , welches die Welt ihm gewährte , verschwenderisch zu bezahlen , was nun freilich wieder nicht sehr demütig war ; aber der Mensch lebt vom Widerspruch ! Indessen war das wenige , was er erhielt , das erste , was er seinen eigenen Händen verdankte , und desnahen lernte er davon , sich einzurichten und sich mit wenigem zu begnügen . Unter seinen vielen Zechgesellen und Studiengenossen war es längst bemerkt worden , daß er gänzlich verarmt sei ; niemand fragte ihn aber darum , und da er das tonangebende Wesen wieder verloren hatte oder , wenn es unerwartet sich geltend machte , in Heftigkeit und Leidenschaft ausbrach , so lösten sich alle diese munteren Verhältnisse , und Heinrich zog sich zurück und fand sich bald ganz allein , oder wenn ihm dies unerträglich wurde , trieb er sich mit allerlei zufälligen Gesellen , wie sie die Ähnlichkeit des Schicksales vorübergehend herbeiführte , herum . Gleichzeitig nahm aber sein ernährender Jugendvorrat ein Ende , nachdem er schon sorgfältig die letzten Fetzen und Fragmente zusammengesucht und für den Alten zugestutzt hatte . Endlich bot er ihm seine großen Bilder und Kartons an , und der Alte sagte , er solle sie nur einmal herbringen . Heinrich erwiderte , das ginge nicht wohl an , und bat ihn um so viel Geld , daß er sie könne hertragen lassen . » Warum nicht gar , hertragen lassen ! Sie Sapperloter ! Gleich gehen Sie hin und holen ein Stück her ! Fürchten Sie denn , man werde Ihnen den Kopf abbeißen ? « Und er schmeichelte und schalt so lange , bis Heinrich sich entschloß und nach Hause ging und das Bild holte , welches er einst so unglücklich ausgestellt hatte . Es war sehr schwer , und der weite Weg ermüdete seine Arme auf ungewohnte Weise . Der Alte aber lächelte und schmunzelte und rief » Ei , ei ! sieh , sieh ! das ist ja ein ganzes Gemälde ! Verstehe nicht den Teufel davon ! Aber hochtragisch sieht ' s aus ( er wollte sagen hochtragend oder hochstelzig ) , habe in meinem Leben nichts so im Laden gehabt ! Wissen Sie was , Freundchen , jetzt holen Sie hübsch noch die anderen Sachen , damit wir alles beisammen haben . Nachher wollen wir schauen , ob sich ein Handel machen läßt .