aussprenkelte . Wie oft war sie an der Seite der Geheimräthin hier vorübergerollt ! Warum war diese Erinnerung ihr jetzt weit schreckhafter ? Warum rückte sie in die Ecke des Wagens , als scheue sie vor der Berührung eines Gespenstes ? Verdankte sie ihr nicht viel , sehr viel , ihr ganzes geistiges Dasein dem Umgang der klugen Frau , ihren Belehrungen ? Ja , vielleicht war es das , was wie ein Frostfieber ihre Adern durchrieselte . Sie war die chemische Säure gewesen , die aus der jungen Brust die Begeisterung , aus dem Blut die Elasticität gesogen , den Glauben , die Hoffnung und die Liebe . Sie wäre untergegangen , das fühlte sie , in dieser kalten , zersetzenden Nähe , und etwas davon war in ihr geblieben , es beschwerte ihr Blut , es trübte ihren Blick , der Egoismus des Verstandes ! Und als diese wechselnden Schicksale wie die Stäubchen im Sonnenstrahl vor ihrem inneren Auge wirbelten , hatte sie sich gefragt : warum das Schicksal so wunderbar mit ihr gespielt ? sie schleudere aus einem Arm in den andern , Menschen und Gewohnheiten tauschend , wie die Bilder aus einer Laterna Magica ? Ob sie eine besondere Bestimmung habe , indem sie die Menschen in ihrer Schlechtigkeit kennen lernen sollte ? Eine entsetzliche Frage hatte in dem jungen Herzen angepocht : hat die Natur den Menschen auf die Welt gesetzt zur Lüge , oder um nach der Wahrheit zu ringen ? Die der Lüge lebten , einen andern Schein um ihr Sein woben , - hatte sie nicht beobachtet , daß gerade diese vom Glück angestrahlt waren , gesucht , geschätzt , anerkannt , selbst von Denen , welche sie durch und durch erkannten ! Die dagegen kein Aushängeschild über ihr Wesen trugen , ihre Gedanken rein aussprachen , gerade auf ihr Ziel losgingen , wo hatten sie es erreicht , wie wurden doch ihre Gedanken mißverstanden , anders ausgelegt , höchstens belohnt durch eine laue Anerkennung ihres redlichen Strebens . Aber hinzugesetzt ward : schade , damit wird er nie durchdringen . Es hilft der Welt nichts , was er thut . - Was hatte Walter errungen ? - Der arme Walter ! Und sie ! - Sie hatte ihn getäuscht , sie täuschte ihn noch immer fort , sie täuschte sich - sie war in ein Labyrinth der Lüge gerathen . Und wo der Ausweg ! Als wolle sie ihn suchen , hatte sie in die Wipfel geblickt , deren Blätter im Abendwinde durcheinander wogten , ohne daß sie nur eins mit den Augen verfolgen können . Da hatte die Baronin jene Worte an sie gerichtet . Und wieder betraf sie sich auf einer Lüge . Sie musste das Auge vor dem Blick der Eitelbach niederschlagen . So hell und klar sah diese sie aus ihren großen blauen Augen an . Das ausdruckslose Gesicht gewann durch das Gepräge der Wahrheit einen Ausdruck , der für sie in dem Moment überwältigend war . » Liebe Alltag , warum zieren Sie sich denn vor mir , « sprach die Eitelbach mit dem gutmüthigsten Tone von der Welt . » Der Bonaparte mag ein noch so böser , und unser König ein noch so guter Mensch sein , jeder Mensch denkt doch an sich zuerst . « » Jeder ! « sagte Adelheid , um nur durch ein Wort ihrer gepressten Brust Luft zu machen . » So ist es schon . Ich lass ' mich auch gar nicht mehr irre machen . Krieg mag schon nöthig sein auf der Welt , meinethalben ; ich kenne sie aber , die Herren Offiziere , alle , und da ist keiner , der nicht an sein Avancement denkt , wenn er sich in den Kragen wirft und grunzt , daß man glaubt , die Seele sollte ihm ausgehen , von des Königs Rock und Friedrichs Ehre , und wenn er dann auf den Hacken Kehrt macht und eine Miene sich geben will - Na , habe Dich nur nicht , denke ich . - Gerade wie mein Mann . Wenn der spuckt und über den Frieden lamentirt und sagt : Daran gehen wir zu Grunde ! dann weiß ich auch , was die Glocke geschlagen hat . Wenn er die Mantellieferung gekriegt , dann wären wir nicht zu Grunde gegangen und es könnte Friede werden in alle Ewigkeit . So sind die Männer . Sie denken nur an sich . « » Nicht alle . « » Nein , Einer nicht . Aber sonst ! Ja , wenn das Andre draußen mit ihren Wünschen zusammenpasst , dann sind sie lichterloh . Das weiß dann zu parliren und encouragirt sich , bis sie ' s am Ende selbst glauben , daß es darum ist . Es amüsirt mich , wenn ich sie so höre sich warm reden ; aber mich täuschen sie nicht mehr , auch die Klügsten nicht . Ich denke : sprecht Ihr nur , ich weiß doch , was dahinter steckt . « » Täuschen die Männer nur ? Belügen wir uns niemals ? « Die Baronin schien nachzusinnen : » Nein , liebe Seele , Engel sind wir auch nicht immer . Wenn mein Mann Feuer schlägt , mancher Schwamm will gar nicht zünden , aber der andre fängt im Augenblick , der ist weicher , sagt er . So sind wir Frauen , habe ich da gedacht . Wenn ein Funken vom Himmel fiele , bei den Männern hat es gute Weile , aber wir - « » Lodern rascher auf . Ist das aber gut ? « » Was vom Himmel kommt , ist doch gut . Die Leute sagen nun , Sie könnten den Louis Bovillard nicht ausstehen , weil er den Napoleon einen großen Mann nennt und Gott weiß was . Die Leute sind nicht gescheit . Er thut es nur , um sie zu necken und Sie auch . Und wissen Sie , warum Sie ihm immer den Rücken