habe dir viel zu sagen , viel Gift in deine kleinen , schönen Ohren zu träufeln ! Ich bin unglücklich ! Die Excellenz wird jung unter ihrem verjüngenden Athem . Sie wagt Alles für einen zarten elastischen Druck der Eidechse . Da sagt diese : Ich komme , aber ich bin bewacht , du bist bewacht , wir Alle sind bewacht .. wo sehen wir uns ? Drinnen ist ' s zu laut , draußen ist ' s zu naß ! Wo seh ' ich dich ? Wo sag ' ich dir , was ich fühle , was ich empfinde , wenn ich freie Vögel auf den Zweigen sehe und sie nicht mit einem Satz erschnappen kann ? Wo ? Wo ? Die Excellenz ist zu Allem bereit , und da schlägt die Listige vor : Kein Ort ist sichrer als dein großer Wagen ! Das ist ein Tanzsaal ! Das ist ein Gesellschaftszimmer ! Dort flüst ' re ich dir die drei Worte zu , die ich noch Keinem sagte , die drei Worte , inhaltsschwer , sie gehen von Munde zu Munde .. Die Excellenz macht Schwierigkeiten . Die Eidechse weiß Alles zu beseitigen , die Gendarmen , die Bedienten , den eisernen Schlagbaum .. Du öffnest um elf Uhr den Wagen , komm ' ich auch erst um zwölf ! Ich gebe dir den Beweis , den du Einziger , verlangst ! .. Der Excellenz wird es schwindlig . Der Mann denkt an die drei Worte inhaltsschwer , sie gehen von Munde zu Munde .. Was ahnt er nicht ? Was hofft er nicht ? Es schlägt elf . Er hat die Wächter entfernt . Die zechen ! Die trinken auf Königs Wohl ! Der Wagen wird offen .. Er hatte » nur etwas in ihm zu suchen « , legt die Stange an , als schlösse er wieder zu und geht auf sein Zimmer , um sich sogleich heimlich wieder zurück zu begeben und die drei Worte zu vernehmen , inhaltsschwer . Die Eidechse .. husch .. rasch zur Hand .. kaum verschwand die Excellenz , war sie im Wagen und hatte , was der » Prinz « wollte ... das Bild ! Nun entschlüpft sie .. aber hui ! Da erschrickt sie vor Etwas , das sie nicht ahnte .. Es war vielleicht nur eine Katze , ein großer Kater , den sie fürchtete und vor dem sie Entsetzen überlief . Die Katzen lieben ja auch die freien Vögel auf grünen Zweigen und haben Brotneid gegen die Eidechsen . Katze oder Iltis ... genug , die Eidechse erschrickt so heftig , daß ihr das Bild entfällt und sie vor der Thür des Prinzen fast die Felsenspalte nicht wiederfindet , wo sie unterkriecht ... Es gab Lärm , .. wenigstens trat ein Reisender , ein Amerikaner , wenn nicht von Geburt doch von Gesinnung , auf den Corridor . Er erhebt das Bild , nimmt an den im Mondlicht erkennbaren Zügen ein Interesse , das dem » Prinzen « noch jetzt nicht erklärlich ist , und folgt der Weisung der in der Ferne harrenden Eidechse , die ihm rasch noch zunickt : Da ! Dort ! Dem schlummernden Prinzen gehört ' s ! Bitte ! Wollen Sie ? ... Der bringt ' s dem » Prinzen « und legt ' s ihm feierlich unter ' s Kissen , während er schläft oder nicht schläft , gleichviel ... Das Bild ist da .. der » Prinz « hat es daheim in der offnen Kommode seiner » Aula « ... Die Eidechse sagte dem Amerikaner : Brav , mein Herr , ich danke Ihnen ... und verschwand . Und von wem weiß ich das Alles ? Eben jenes Gespenst hat ' s mir erzählt , vor dem die Eidechse so erschrak .. ein somnambüler Kater , der sich auf ' s Mausen versteht und den deshalb auch die schöne , buntgeringelte Eidechse nicht leiden kann . Du kennst den somnambülen Kater .. Er heißt Hackert . Brüderlein ! Die Geschichte ist eigentlich aus ! Denn das lustige Nachspiel , daß die Excellenz zu spät kommt , sich in dem Möbelwagen häuslich niederläßt , auf die Eidechse und die drei Worte , von Munde zu Munde Stunde zu Stunde vergebens wartet , endlich einschläft , eingeschlafen und eingeschlossen fortgefahren wird in die Residenz , Das ist nur ein humoristischer Schnörkel des Wortes : Punktum ! und das satirische Nachspiel des Dramas bei Mondscheinbeleuchtung . Das Bild ist da , der falsche Prinz ist da , auch die Excellenz soll wieder aufgefunden sein .. aber die Eidechse ! Die Eidechse ! Darf ich nun moralisch werden ? Darf ich sagen , daß eine solche schöne liebenswürdige , aber tollkühne , listige Natter uns Gebrüder Wildungen nicht im Ernst bei den Fittichen fassen darf ? Die drei Worte , inhaltschwer , sie gehen von Munde zu Munde - heißen doch wol nur : Ich liebe dich ! Ich liebe dich ! Himmlischer Weihegruß reiner Seelen ! Glockenaccord der Andacht und Harfenton der reinsten Anbetung ! Laß ihn aus deinem Herzen klingen , wo er würdig widerklingt ; nur da nicht , Bruder , wo man über Melusinen lachen , mit ihnen kosen , mit ihnen im Krystallbache plätschern , aber immer auf den sichern seichten Stellen bleiben muß , wo sie uns nicht hinunter ziehen können in ' s ewige Vergessen und man ihnen nimmermehr außer dem Munde auch das Herz und das Leben geben darf ! Ich bin über diese schöne Eidechse hinaus ! .. Ich will mich fassen und trösten .. Aber du ? Du , Siegbert ? Du , den schon die Bilder wegen ihrer verspotten ? Du , der du Madonnen siehst , wo Andre schönflossige , geringelte Fischweiber ... und nun gar dein eigner Bruder eine Eidechse ? Denn Melanie ist die Eidechse ! Ach Melanie ! Melanie ! Ihr Weiber ! Wie schmilzt uns bei euerm Namen so sanft und so weich das Herz gleich