noch keinen Argwohn in mir erregte ; woran willst Du dieß erkennen ? Es ist kein Zweifel , erwiederte ich . Der gute Mann zeigte mir einige Juwelen und mir gefiel die Fassung dieses Ringes ungemein . Ich würde ihn Ihnen zum Andenken schenken , sagte der treffliche Mann , wenn ihn nicht meine Mutter getragen hätte , zu deren Andenken ich ihn bewahre und deren Haar er enthält . Er drückte auf diesen kleinen Punkt hier , und siehst Du , fuhr ich fort , wie jetzt hob sich der mittlere Stein , und siehst Du , hier ist das wenige graue Haar eingeschlossen . Nimmermehr hätte er diesen Ring freiwillig weggegeben ; er ist gewiß in die Hände schändlicher Räuber gefallen und vielleicht gar von ihnen unbarmherzig erschlagen worden . Warum nicht gar , sagte Lamberti unwillig und setzte gleich darauf ruhig hinzu : Wenn dem aber so ist , wie Du sagst , so muß der Ring zu seinem Eigenthümer zurück , an den ich sogleich deßhalb schreiben werde . Gebe Gott , daß er lebt , sagte ich weinend , indem mein Gatte das Kleinod aus meinen Händen zurücknahm . Du bist eine Thörin , sagte dieser mit Härte zu mir , nicht jeder wird erschlagen , dem die Last des Reichthums etwas erleichtert wird . Er verließ mich hierauf und winkte seinen Sohn Camillo mit sich hinweg , dessen spöttisches Lächeln mir in diesem Augenblicke durch ' s Herz schnitt . Seit der Zeit stürmte ich oft mit Fragen auf Lamberti ein , ob er keine Nachricht von Herrn St. Julien habe , bis er mir endlich mürrisch antwortete : Höre auf mich um des alten Spießbürgers Willen zu quälen ; er lebt gesund und wohl in Frankreich , und ist dort so reich , daß er den kleinen Verlust hier in Italien leicht verschmerzen kann . Also ward er doch wirklich von Räubern angefallen ? rief ich bestürzt . Das hat ja meine kluge Mutter gleich beim Anblick des schönen Ringes errathen , sagte Camillo lachend , und zu meinem Erstaunen stimmte der Vater in das Gelächter ein . Es war überhaupt seit dieser Zeit eine Veränderung in unserem Hause eingetreten . Der Vater gab den Söhnen mit Verschwendung alles , was sie begehrten , um jede thörichte Leidenschaft der Jugend zu befriedigen , und meine beiden älteren Söhne überließen sich allen Ausschweifungen , wozu die Jugend nur zu geneigt ist , und vielleicht wurde von ähnlichen Vergehen Francesko nur durch die Liebe zu meiner sanften Lucretia zurückgehalten . Dabei brachte der Vater seinen Lieblingssohn Camillo in eine solche Stellung gegen seine Brüder , daß er völlig ihr Herr wurde , und er wußte diese Herrschaft durch Klugheit und durch seinen kühnen Geist fortwährend zu behaupten . Auf allen Reisen des Vaters begleitete ihn nur Camillo , und ich bemerkte bald , daß diejenigen Nachbarn , die den Vater zu verehren schienen , dem Sohne beinah die gleiche Achtung bewiesen . Der Strom der französischen Revolution breitete sich auch über andere Länder aus , und meine Söhne sowohl als ihr Vater wurden von dem allgemeinen Schwindel ergriffen . Mit Entzücken sah der nun alternde Vater , wie alle seine Söhne die Waffen ergriffen , und rief : Recht , meine Kinder , sucht Euer Glück , wo es jetzt Viele finden , ich bin noch rüstig genug , hier unserm Geschäft allein vorzustehen . Ehe sich meine Söhne mit den republikanischen Truppen vereinigten , zu denen sie nun gehörten , hatte sich Lamberti mit meinem Sohne Camillo lange eingeschlossen , und sie hatten , wie es schien , ernste und wichtige Unterredungen mit einander . Francesko benutzte diese Zeit mir seine Empfindung mitzutheilen , und er und Lucretia legten in meine Hand das Gelübde ab , für das ganze Leben einander anzugehören . O ! welche Hoffnungen , unterbrach sich die Mutter der Lambertis weinend , täuschten damals meine liebende Seele ! Ich sah meine Söhne , durch ihren Muth emporgehoben , im Geiste in hohen kriegerischen Ehren ; ich sah meinen Francesko , den Liebling meines Herzens , in bedeutendem Range sich mit der schönen Lucretia verbinden , und sah mich als die glückliche Ahnfrau künftiger Geschlechter . Ja sie war eine Schönheit , fuhr die Alte fort , als sie bemerkte , daß Evremonts Blick zu dem still arbeitenden Mädchen hinüberstreifte , der Kummer hat diese Blüte schnell gebrochen , aber sie war damals eine blühende Schönheit . Evremont bemerkte jetzt erst das griechische Profil und die edeln Formen des Kopfes , wodurch so viele Florintinerinnen ausgezeichnet sind , und die Beschämung , die sie bei Erwähnung ihrer vergangenen Schönheit empfand , zauberte diese auf einen Augenblick zurück , denn die funkelnden , halb niedergeschlagenen Augen , die glühenden Wangen zeigten flüchtig dem Beobachter , was sie in der Blüte der Jugend gewesen sein mußte . Meine Söhne hatten uns verlassen , fuhr die Alte fort , und ich und Lucretia lebten sehr einsam , denn Lamberti war oft abwesend und kehrte nicht immer so heiter zurück wie früher , ja es entfuhren ihm zuweilen Klagen über die Nichtswürdigkeit feiger Schurken , die ihre Zunge bei dem Anblicke des Todes nicht fesseln könnten und ihre Freunde , denen sie Treue gelobt , dadurch in Gefahr brächten . Zugleich bemerkte ich , daß viele von unsern Nachbarn ihren Wohnort verließen , indem sie behaupteten , sie könnten anderswo auf eine vortheilhaftere Art sich ansiedeln . Auch Lamberti äußerte oft , es würde ihm in den Gebirgen zu einsam , er wolle nach Florenz oder nach Mailand ziehen , um so mehr , da er vom Kirchenstaate ausgehende Verfolgungen auch hier zu befürchten habe . Um die Zeit hatte er erfahren , daß Herr St. Julien geheirathet und einen Sohn seiner Gemahlin aus erster Ehe adoptirt habe , dem er sein ganzes Vermögen zuwenden wolle . Diese Nachricht versetzte ihn in unglaubliche Wuth und er fluchte dem Verwandten , der seine rechtmäßigen Erben auszuschließen