sie lagen beieinander , wie sie einst in meinem Besitze getan . » Welch ein Abenteuer ! « rief ich nun selbst voll Verwunderung ; » wer würde glauben , dergleichen zu erfahren ! « Dann blickte ich wieder auf das Fräulein , das meinen Bewegungen mit ebenso gespannter als erfreuter Neugierde und offenen Auges folgte ; und ich sagte : » Aber auch Sie hab ich schon gesehen , und ich weiß jetzt , wo Sie die Sachen geholt haben ! Haben Sie nicht eines Tages dem alten Joseph Schmalhöfer ins Fenster gesehen und nach alten Tassen gefragt , als einer dort auf der Flöte blies ? « » Freilich , freilich ! « rief sie ; » aber lassen Sie mal sehen ! « Ohne sich zu scheuen , schaute sie mich genau an , indem sie die Hände auf meine Schultern legte . » Wo hab ich heute nur meine Gedanken ? « sagte sie mit neuem Erstaunen ; » es ist so ! Ich habe dies Gesicht gesehen in der Höhle des Hexentrödlers , wie ihn der Vater nennt . Und ob die Wolke sie verhülle , haben Sie geflötet , nicht wahr , Herr Heinrich - Herr Heinrich Lee ? Wie heißt es nur weiter ? « » Die Sonne bleibt am Himmelszelt ! es waltet dort ein heil ' ger Wille , nicht blindem Zufall dient die Welt ! Was soll ich nun davon denken ? « » Nun , wenn wir durchaus Mythologie treiben wollen , so mag die allerliebste Gottheit des Zufalls herrschen , solange sie so artige Streiche macht ! Man sollte ihr nur junge Rosen und Mandelmilch opfern , damit sie immer so leicht , so leis und so wohltätig regiert ! Jetzt aber sollen Sie auch in aller Ordnung aufgenommen sein , wie es der denkwürdigen Begebenheit und den Umständen gemäß ist ! Im Hause hier ist ein einfaches Gastzimmer . Ich will sogleich die nötige Vorkehr treffen , daß Sie sich vorderhand umkleiden können . Bleibe so lang hier , Röschen , daß dem ärmsten Herrn Lee niemand etwas tut ! « Worauf sie forteilte . Ich wußte nicht , ob ich diese neue Wendung für ein Glück erachten sollte , und beschaute seufzend meine Zeichnungen , die ich so unerwartet wiedergefunden , um sie abermals zu verlieren . Das gute Mädchen Rosine , welches sich schnell in die gute Laune der Herrin gefunden und mich für schüchtern halten mochte , sagte freundlich : » Machen Sie sich gar nichts daraus ! Der Herr Graf und das Fräulein tun immer , was ihnen beliebt und was recht ist . Und wie sie es tun , so meinen sie es auch und kümmern sich nicht um das , was andere Herrschaften sagen . « » Also bin ich gar noch bei einem Grafen ? « versetzte ich , mehr erschrocken als angenehm überrascht . » Das wissen Sie nicht ? Beim Grafen Dietrich zu W ... berg ! « Da kam nun nach allem noch die Unkunde hinzu , mit Leuten mir gänzlich fremder Rangklassen umzugehen ; ich hatte in meinem Leben nie mit einem sogenannten Grafen verkehrt und hegte abenteuerliche Vorstellungen von den persönlichen Lebensarten und Ansprüchen solcher Herren , die meinen angeborenen bürgerlichen Gleichheitssinn beeinträchtigten . Bedachte ich aber , daß ich , selbst wenn der Hausherr ein Bauer wäre , in meinen Schuhen schon nicht mehr auf gleichen Füßen mit ihm stände , so geriet ich in neue Verwirrung über die Wendung , die meine Wanderschaft genommen . Das Mädchen fahr jedoch gutmütg fort , mir Mut einzuflößen . » Der Herr wird sich ganz gewiß verwundern und freuen , Sie so unvermutet zu finden ; denn als er seinerzeit die ersten Bilder aus der Residenz gebracht und später immer noch welche anlangten , hat die Herrschaft sie alle Tage betrachtet , und die Mappe mußte immer bereitstehen . « Nach einiger Zeit kam Dortchen zurück . » Tun Sie mir nun den Gefallen und gehen Sie eine Treppe höher ! « sagte sie ; » Röschen wird Ihnen hinaufleuchten und ihr Vater die weitere Handreichung tun . Machen Sie sich so bequem , als es in der Schnelligkeit möglich ist , damit Sie in guter Verfassung noch den Papa begrüßen können und ich keinen Verweis wegen versäumter Menschenpflichten erhalte ! « Ich ergriff meine Reisetasche , welche mir Röschen jedoch abnahm und nebst einem Leuchter vorantrug , und so wanderte ich in Gottes Namen in den obern Stock des Gartenhauses und in die Wohnstube des Gärtners . Dieser saß mit dem Küster beim Abendtrunk und empfing mich schon als einen Ankömmling , bei dem alles in Ordnung ist ; auch der Küster betrachtete mich jetzt als einen Gast , der wohl empfohlen und erwartet wurde , sich aber offenbar mit der Art seines Auftretens einen eigentümlichen Scherz gemacht hat . Der Gärtner führte mich noch einige Stufen höher , wo auf der dem Schlosse zugewendeten Rückseite des Gartenhauses ein auf hölzernen Säulen ruhendes Sälchen hinausgebaut war . Dies angehängte Lustgebäudchen war außen von den Säulenfüßen bis zum Dache mit purpurrotem Geißblatt bekleidet ; inwendig enthielt das Gemach ein Bett und anderes Geräte in so genügender Wahl , daß man nicht nur Nächte , sondern auch Tage darin wohnen konnte . Auf Stühlen lagen schon bequemliche Kleidungsstücke bereit , deren mich zu bedienen der Gärtner die Einladung ergehen ließ . Um sie nicht anziehen zu müssen , zog ich jedoch vor , mich gleich zu Bette zu legen , zumal ich die Augen zu schließen wünschte , und ich bat den Gärtner , meine nassen Kleider zu holen , sobald jenes geschehen sei , damit sie getrocknet und gereinigt würden . Als ich nach allem diesem endlich im Dunkeln lag , hörte ich Geräusch von Pferden und Wagen , auch Gebell von Hunden . Das war ohne Zweifel der heimkehrende vornehme Herr , vor welchen heute nicht mehr hintreten zu müssen ich als schätzbaren Aufschub betrachtete