sowie dem Blitz und Donner ein Ende machte . Aber statt der Speicher beleuchtete die aufgehende Sonne , als sie das Gewölk zerstreute , nur einen trostlosen Haufen Schutt und Asche in der Mitte des Marmorrundbaues . Schweigend , mit tief gesenktem Haupt , lehnte der König lange Zeit diesen Ruinen gegenüber an einer Säule der Basilika . Ohne Regung , nur manchmal den Mantel auf der mächtig arbeitenden Brust zusammendrückend . Im Anblick dieser Trümmer war ein schwerer Entschluß in ihm gereift . Jetzt ward es grabesstill in seinem Innern . Jedoch um ihn her auf dem Platze wogte das Elend der verzweifelnden Armen von Ravenna betend , fluchend , weinend , scheltend . » O , was wird jetzt aus uns ! « - » O , wie war das Brot so weiß , so gut , so duftend , das ich noch gestern hier erhielt . « - » O , was werden wir jetzt essen ? « » Bah , der König muß aushelfen . « - » Ja , der König muß Rat schaffen . « - » Der König ? « » Ach , der arme Mann , woher soll er ' s nehmen ? « - » Hat er doch selbst nichts mehr . « - » Das ist seine Sache . « - » Er allein hat uns in all die Not gebracht . « - » Er ist an allem schuld . « - » Was hat er die Stadt nicht lang dem Kaiser übergeben . « - » Jawohl , ihrem rechtmäßigen Herrn ! « - » Fluch den Barbaren ! « - » Sie sind an allem schuld . « - » Nicht alle , nein , der König allein . Seht ihr ' s denn nicht ? Es ist die Strafe Gottes ! « - » Strafe ? wofür ? Was hat er verbrochen ? Er gab dem Volke von Ravenna Brot ! « - » So wißt ihr ' s nicht ? Wie kann der Eheschänder die Gnade Gottes haben ? Der sündige Mann hat ja zwei Weiber zugleich ! Der schönen Mataswintha hat ihn gelüstet . Und er ruhte nicht , bis sie sein eigen war . - Sein ehlich Weib hat er verstoßen . « Da schritt Witichis unwillig die Stufen herab . Ihn ekelte des Volkes . Aber sie erkannten seinen Schritt . » Da ist der König ! Wie finster er blickt , « riefen sie durcheinander und wichen zur Seite . » O , ich fürchte ihn nicht . Ich fürchte den Hunger mehr als seinen Zorn . Schaff ' uns Brot , König Witichis . Hörst du ' s , wir hungern ! « sprach ein zerlumpter Alter und faßte ihn am Mantel . » Brot , König ! « - » Guter König , Brot ! « - » Wir verzweifeln ! « - » Hilf uns ! « Und wild drängte sich die Menge um ihn . Ruhig , aber kräftig machte sich Witichis frei . » Geduldet euch , « sprach er ernst . » Bis die Sonne sinkt , ist euch geholfen . « Und er eilte nach seinem Gemach . Dort warteten auf ihn mehrere Diener Mataswinthens und ein römischer Arzt . » Herr , « sprach dieser mit besorgter Miene , » die Königin , deine Gemahlin ist sehr krank . Die Schrecken dieser Nacht haben ihren Geist verwirrt . Sie spricht wirre Fieberreden . Willst du sie nicht sehen ? « » Nicht jetzt , sorgt für sie . « » Sie reichte mir , « fuhr der Arzt fort , » mit größter Angst und Sorge diesen Schlüssel . Er schien sie in ihren Wahnreden am meisten zu beschäftigen . Sie holte ihn unter ihrem Kopfkissen hervor . Und sie ließ mich schwören , ihn nur in deine Hand zu geben , er sei von höchster Wichtigkeit . « Mit einem bittern Lächeln nahm der König den Schlüssel und warf ihn zur Seite . » Er ist es nicht mehr . - Geht , verlaßt mich und sendet meinen Schreiber . « * * * Eine Stunde später ließ Prokop den Präfekten in das Zelt des Feldherrn eintreten . Als er eintrat , rief ihm Belisar , der mit hastigen Schritten auf und nieder ging , entgegen : » Das kommt von deinen Plänen , Präfekt ! Von deinen Künsten ! von deinen Lügen ! Ich hab ' es immer gesagt : vom Lügen kommt Verderben : und ich verstehe mich nicht darauf ! O , warum bin ich dir gefolgt ! Jetzt steck ' ich in Not und Schande ! « » Was bedeuten diese Tugendreden ? « fragte Cethegus seinen Freund . Dieser reichte ihm einen Brief . » Lies . Diese Barbaren sind unergründlich in ihrer großartigen Einfalt . Sie schlagen den Teufel durch Kindessinn ; lies . « Und Cethegus las mit Staunen : » Du hast mir gestern drei Dinge zu wissen getan : Daß die Franken mich verraten haben . Daß Du im Bund mit den Franken das Westreich deinem undankbaren Kaiser entreißen willst . Daß Du uns Goten freien Abzug über die Alpen ohne Waffen anbietest . Darauf habe ich Dir gestern geantwortet , die Goten geben nie ihre Waffen ab und räumen nicht Italien , die Eroberung und Erbschaft ihres großen Königs : eher fall ' ich hier mit meinem ganzen Heer . So habe ich gestern gesprochen . So spreche ich heute noch , obwohl sich Feuer , Wasser , Luft und Erde gegen uns empörten . Aber was ich immer dunkel gefühlt , hab ' ich heut ' nacht unter den Flammen meiner Vorräte klar erkannt : es liegt ein Fluch auf mir . Um meinetwillen erliegen die Goten . Ich bin das Unglück meines Volkes . Das soll nicht länger also sein . Nur meine Krone versperrte einen ehrenvollen Ausweg : sie soll ' s nicht mehr . Du erhebst Dich mit