er wird oft bei uns genannt , « entgegnete schüchtern das Mädchen . Zu jeder andern Zeit hätte ihn dies Wort glücklich und vergnügt gemacht , aber in diesem Augenblicke , wo er einer so ausgedachten Verrätherei auf die Spur gekommen war , einer Verrätherei gegen sie , gegen das Mädchen , das er so innig liebte , brachte es keine große Wirkung auf ihn hervor . - Und es war ja nicht nur eine Verrätherei gegen Eugenie ; wer weiß , welchen Zweck man hatte , ihre Handlungen und Worte zu belauschen , ihre Schritte mit Schlingen und Fallen zu umgeben ! - Wohl durchzuckte es ihn seltsam , als das Mädchen sagte , sein Name werde oft genannt , doch machte er eine ablehnende Handbewegung gegen sie . » So oft genannt , « fuhr sie eifriger fort , » daß er mir leicht im Gedächtnisse blieb und daß ich immer auf die Stunde hoffte , wo es mir vielleicht vergönnt sein würde , Sie zu sprechen , zu Ihren Füßen zu fallen , Ihren Schutz anzuflehen . « Bei diesen Worten that das Mädchen , wie es sagte : es sank neben dem Stuhle nieder , und als der Graf erstaunt einen Schritt zurücktreten wollte , faßte es nach seinem Mantel . » Das ist eine sonderbare Kommödie , « sagte er . » Was Teufel brauche ich Sie zu schützen ? - Sie scheinen mir selbstständig genug zu sein , stehen ja auch unter weit mächtigerem Schutze , als der meinige ist . Uebrigens bitte ich recht sehr , stehen Sie auf ; ich mag Sie nicht da liegen sehen , selbst wenn dies am Ende eine Stellung ist , die Sie wohl verdienen nach dem , was Sie einer gewiß so guten und sanften Herrin gethan . « » O mein Gott ! ja , sie ist so gut und sanft , « versetzte jammernd das Mädchen . Dabei ließ sie den Mantel los , stützte sich mit der einen Hand auf den Boden und schien mit der anderen ihre herabstürzenden Thränen zurückhalten zu wollen . » Die Ihnen gewiß nie Veranlassung zu diesem Schritte gab , « fuhr er entrüstet fort . » Nie , « sagte das Mädchen . - » Nie ! nie ! Man fühlt bei Fräulein Eugenie nicht , daß man Dienerin ist ; man arbeitet zu seinem Vergnügen , indem man ihre freundlichen Bitten erfüllt ; man wird belohnt durch Gutmüthigkeit und Vertrauen . - Nie kommt ein hartes Wort über ihre Lippen , nie hat man bei ihr eine Laune zu ertragen . « » Und doch , « rief der junge Mann , mehr und mehr überrascht , während er einen Blick des Abscheu ' s auf die Knieende warf , » und doch die Verrätherei ? - So also belohnen Sie die Liebe und Güte Ihrer Herrin ? « » Ich muß ja wohl ! « klagte das Mädchen und rang wie verzweifelnd die Hände . » Bei Gott dem Allmächtigen ! ich muß , man zwingt mich dazu ! « » Wer kann Sie zwingen ? - Sind Sie nicht die Herrin Ihrer Handlungen , sind Sie nicht in dem Punkte vollkommen frei ? « » O nein ! o nein ! ich bin nicht frei ; ich mußte diesen Befehlen Folge leisten . « » Den Befehlen Ihrer Herrin ? « Sie schüttelte mit dem Kopfe . » Hat denn sonst irgend Jemand eine Macht über Sie ? « » Ja . « » Eine Macht , die Sie zwingen kann , gegen Ihre Herrin zu handeln wie Sie gethan ? « » Ja . « » Also ein Wesen , « sprach er , mehr und mehr erstaunt , » das Sie zwingt , Ihre Herrin zu verrathen ? « » Ja , ja ! « » Das Ihnen befiehlt , Eugeniens Thun und Lassen genau zu beobachten und darüber Bericht zu machen ? « » O mein Gott , ja ! « » Berichte an den Herzog ? « » Ja , Herr Graf - Berichte an den Herzog , oder an wen man mir befiehlt . « Nach diesen Worten faltete sie , immer noch auf den Knieen liegend , die Hände und ließ den Kopf tief auf die Brust herab sinken . » Und wer ist dieses Wesen , das eine solche Macht über Sie ausübt ? « » Ich weiß es nicht , « sagte sie nach einer Pause , indem sie ihren Kopf erhob und dem jungen Manne mit einem Blick voll Offenheit , ja mit einem Ausdruck vollkommener Ehrlichkeit in die Augen schaute . - » Ich weiß nicht , wer es ist , ich kenne seinen Namen nicht , ich erinnere mich nur noch jenes schrecklichen Orts , wo ich ihn sah , ihn , der mir den Befehl ertheilte , also zu thun wie ich gethan . « » Und wo ist dieser Ort ? « » Er ist , « sprach das Mädchen - doch hielt sie plötzlich inne , öffnete starr die Augen und lauschte nach dem Gange hin , wobei sie wie beschwörend ihre Hände aufhob . Auch der Graf wandte leicht den Kopf herum und vernahm , obgleich sehr gedämpft , feste männliche Schritte , die sich von der blauen Gallerie her zu nähern schienen . » Der Herzog ! « flüsterte das Mädchen mit fast lautloser Stimme . » Ja , er wird es sein , « sagte der Graf ruhig , aber gleichfalls sehr leise . » Verhalten Sie sich ganz stille ; nur stellen Sie das Licht zur doppelten Vorsicht noch in die Fensternische ; durch die Vorhänge wird sein Schein nicht durchdringen . « Sie erhob sich vorsichtig von ihren Knieen und that wie ihr geheißen ; dann blickte sie angstvoll auf den Grafen , dem ein leichtes Lächeln um den Mund spielte . Die Schritte kamen näher - ganz nahe ; jetzt hielt Jemand vor der