still für sich allein las . Zwölftes Capitel Junges Leben , frisches Hoffen Dankmar ' s Brief an seinen Bruder Siegbert lautete : Gute Seele ! Ach ! Ach ! ... Dies Ach ! bedeutet erstens : Wir werden keinen Champagner trinken , wir werden keine Trüffeln essen ! Laß dir ein Beefsteak geben , Herz , so zubereitet , wie du es liebst und höre dann gestärkt in Ruhe an , weshalb ich mein Wort nicht halten kann ! Es kommt jetzt das zweite : Ach ! Wie du heute in dein Atelier tratest und mir zwischen Thür und Angel das Geständniß deiner Liebe zu Melanie Schlurck machtest , hast du wol nicht geahnt , daß du mich mit zwei , dir genauer von mir zu spezificirenden Donnerschlägen zurückließest . Donnerschlag eins ... du siehst , ich bin noch immer bei gesunder Logik ... betraf mich allein , Donnerschlag zwei muß aber durchaus dich auch noch treffen . Dies Gewitter kann ich dir nicht ersparen . Kein Blitzableiter ! Keine Vertuschung ! Es hängt aber Alles so zusammen : Beim ersten Gange unsres heutigen dinirenden Excesses wollt ' ich dir erzählen , daß ich die Thorheit gehabt habe , in Hohenberg einen Roman anzuspinnen oder richtiger gesagt , mich zu verlieben . Beim zweiten , wollt ' ich dir sagen , in Wen ? oder mit Wem ? Lieber Bruder ! Die Götter haben es gut mit uns im Sinn . Sie wollen , daß wir exemplarische Menschen werden oder wol gar zu jenen Sterblichen gehören , die sie früh sterben lassen , damit sie nicht zu vorzüglich werden . Das liebreizende Wesen , das mich gefesselt hat , ist Melanie . Einen sehr edlen Charakter würde es eigentlich verrathen , wenn ich dir Das nicht sagte . Es müßte die Olympier zu Thränen rühren , sähen sie einen Menschen , einen Bruder , einen Referendarius , der entsagt , eines andern Menschen , eines Bruders , eines Malers wegen . Aber glaube mir , die Rolle , so dankbar sie sein mag für die Rührung , für den Beifall aller Gefühlvollen , so empfehlend sie sein mag für den bekannten Monthyon ' schen Tugendpreis in Paris , sie gefällt mir nicht ! Warum nicht ? Weil sie mir nicht stehen würde ! Natürlich muß der Mensch sein , sagte Eva , als Adam neben ihr , von den peinigendsten Gewissensbissen gefoltert , nicht schlafen konnte . Natürlich bin auch ich ! Ich zerstöre die Ironie des Schicksals und sage dir offen , daß ich auch beim dritten Gange noch von Melanie gesprochen hätte . Ich liebte sie ! Ist Das erhört , daß ich das Mädchen liebe , das mein Bruder liebt ? Es ist erhört ! Beim Dessert , wo wir vielleicht eine neueste frischangekommene Orange aus Messina verzehrt hätten , hätt ' ich dir gesagt : Feindlicher Bruder , die Braut von Messina verlangt ein Opfer ! Du oder ich ? Und ich hätte das Messer gehoben ... hätt ' ich Das ? Ja ! Und ich hätte mit dem Messer dich gemordet ? Nein ! Ich hätte die Orange von Messina in zwei Theile zerschnitten ! Vielleicht aber auch nicht ! Und vielleicht doch ! Wer weiß ! ... Und jetzt kommt der zweite Donnerschlag , der dich mit betrifft ! Ich werde moralisch , Bruder ! Frage : Ist dir deine Liebe mit Melanie Schlurck Ernst ? Bist du ein Thor , in einem Wesen eine Madonna zu finden , die aller Welt anders als dir erscheint und mir .. jetzt .. jetzt .. wie eine grüngesprenkelte Eidechse . Eine Eidechse , Bruder , denke dir das gefährliche Thier ! Man hat Fälle , daß Eidechsen zu den grünen Zweigen hinaufblicken nach den freien Vögeln , die sich sorglos oben auf ihnen wiegen . Denke dir den Aufblick einer Eidechse zu einem Vogel , der nichts Schlimmes ahnt und singt und vielleicht zur Erde hüpft , in den Busch , in den Rosenstrauch , auf die blumige Wiese , wo die schöne Lazerte haust , und .. verloren ist er . Soll ich dir ein Stückchen von dieser unsrer Eidechse erzählen ? Deinem besten Freunde und einzigen Bruder Dankmar lag sehr viel an einem gewissen höchst räthselhaften Bilde ... Dies Bild soll einen geheimen Druck und an der Rückwand Papiere besitzen , die irgend einer Person , ich muß sie einen Prinzen nennen , von Interesse sind ... die Eidechse hält mich für den Prinzen ... und will mir das Bild verschaffen ; mir ... , weil ich ein Prinz bin .. zwar arm , aber doch ein Prinz ! Zwar verschuldet , aber doch ein Prinz ! Verstehst du ... Das Bild liegt irgendwo versteckt , unzugänglich . Wo , frägst du ? Ich sage , in einem großen Möbeltransportwagen , der von Hohenberg nach der Residenz von zwei Gendarmen zwei Bedienten und einer Excellenz , dem Geheimrath von Harder , feierlich geleitet wird ... Melanie verspricht mir , was sag ' ich , dem Prinzen , das Bild zu schaffen .. Was thut sie ? . Sie spinnt eine Intrigue mit der Excellenz an .. die Excellenz geht in ' s Netz und ist verliebt , geschmeidig wie ein Aal . Es hat Wolken herabgeregnet .. Alles ist naß und feucht .. Man trifft in einer Herberge , Namens Heidekrug , zusammen .. Die Excellenz verlangt Beweise von Liebe , von Hingebung ... Er schmachtet , sie schmachtet .. Die Eidechse ist liebenswürdig , aber doch zu schlau und zu grausam für Unsereins .. Sie will das Bild und die Excellenz will einen Beweis ihrer Liebe ... Was erfindet sie ? .. Ein Stelldichein ! .. Sie soll ihm damit natürlich nichts Anderes gewähren , als nur ein Zeichen Dessen , was sie ihm zu gewähren .. im Stande wäre ! .. So denkt die Excellenz . Die Eidechse zögert , schlängelt , schwänzelt . Endlich sagt sie : Ja , ich