frischer Kranz von Epheu und Cypressen konnte diesem Stillleben der Natur nicht zugerechnet werden ; und Alle blieben schweigend vor dem nicht erklärbaren Ereignisse stehen . » Nun , « sagte Leonce - » wir wissen ja , daß wir nicht die alleinigen Bewohner dieses Schlosses sind . So muß denn Emmy Gray diesen Kranz hierher gelegt haben , und dieser Theil des Schlosses muß mit ihren Gemächern im Zusammenhange stehen . « » Das ist wenigstens so prosaisch , als möglich , erklärt ! « rief Margot - » ich schwöre aber darauf , die Alte war es nicht . Denn mit achtzig Jahren , wie sie bald sein kann , ist man nicht mehr so sentimental ; und da sie schon seit einigen zwanzig Jahren diesen traurigen Ort über sich wußte , so ist es unwahrscheinlich , daß sie erst jetzt ihren Kranz fertig bekommen haben sollte ; - denn es ist der einzige hier und ein völlig frischer ! « » Ach , « sagte Lucile - » denkt doch an die Erscheinung , die wir in den ersten Tagen unseres Hierseins hatten , wie wir unter der alten Terrasse hinritten , die vor Emmy ' s Zimmer liegt , und am Fensterkreuze die reizende Gestalt im weißen Gewande schweben sahen , die sich lange genug zeigte , um von uns Allen gesehen zu werden , und dann plötzlich , wie ein Geist , verschwand ! O , ich bitte Euch , laßt mich von hier fort auf die sonnenhelle Gallerie treten - wenn ich Luft habe , will ich beichten . Ihr werdet hier meine Neugier nicht verspotten , und ich kann nicht länger schweigen - selbst , wenn Ihr mich Alle auslachen solltet . Ach , Armand , « sagte sie , sich an ihn lehnend - » man ist nicht umsonst in diesem Geisterschlosse - ich erwarte überall Fennimor zu finden , ich wünsche es so brennend , daß mein Geist sich dabei verwirrt , und ich es für möglich halte . Deshalb , « fuhr sie fort , während der Marquis die holde , überspannt blickende Frau nach der Gallerie führte , » wüßte Emmy Gray , wie ich ihre Fennimor liebe , wie ich mich nach den Ueberresten ihres heiligen Engellebens sehne - sie nähme mich bei sich auf , sie würde mich anerkennen als Fennimors Verwandte ! « » Wir haben ja dazu noch Hoffnung , meine Liebe , « sagte der Marquis beschwichtigend . » Auch ich denke , unser Entschluß , endlich hierher zu kommen , soll uns noch gute Resultate bringen ; ich könnte hier nicht eher fort , bis etwas Versöhnendes geschehen ist ; obgleich ich gestehen muß , daß ich noch nicht weiß , wie es zu machen sein wird . Fast geht es mir , wie Dir ; auch ich sehe umher , als erwartete ich etwas , wenn auch nicht Fennimor , den sanften Engel , dem ich seine höhere , nähere Vereinigung mit jener Welt , ohne einen egoistischen Wunsch für unsere Herzen , gönne . « » So ist es , meine theure Lucile , « sagte Leonce , freundlich seiner bewegten Schwägerin nahend - » diesen Standpunkt müssen Sie festhalten - denken , wie diese hier schon verklärte Fennimor die höchste Seligkeit genießen muß , dann werden Sie Ihr schönes Gleichgewicht wieder erhalten , und wir werden uns Alle dem Leben um so theilnehmender zuwenden , da es uns so heilige Pflichten auferlegt gegen ihren berechtigten Erben . « » Ja , « sagte Lucile , ihm ihre schöne Hand reichend - » ich wußte wohl , daß Leonce eben so wenig an diesem Erbe Freude haben könnte , als wir selbst ; doch ist es großmüthiger von Ihnen , wie von uns , da wir außerdem so viel reicher sind , wie Sie . « - » Theure Lucile ! Wenn wir die Rollen eben tauschen könnten , würden Ihre Gesinnungen gewiß nicht damit wechseln ! Habe ich doch , wie Armand , was mir von diesem Vermögen zufiel , bisher nicht zu meinen Revenüen zugezählt - und ich hoffe , « setzte er lächelnd hinzu - » Sie haben mich stets elegant und vortrefflich eingerichtet gefunden . « - Sinnend drückte Lucile dem geliebten Verwandten die Hand . » Aber wer war es denn , « fuhr sie plötzlich empor - » wenn es Fennimor nicht sein kann ? « Leonce sah unwillkürlich die Gallerie hinauf - aber Lucile fuhr fort : » Unser Streit an dem Abende , nachdem wir Alle jene Erscheinung in Emmy ' s , nur als von ihr bewohnt bezeichnetem Zimmer gehabt hatten , trieb mich am anderen Morgen früh aus meinem Bette , und ich wandelte hinaus - ich glaube fast , schon in der Absicht , in Emmy ' s Wohnung einzudringen . Durch Gebüsche mich durchdrängend , stehe ich vor dem kleinen Eingangsthurme - und diese mir als verschlossen und verrammelt geschilderte Wohnung liegt plötzlich mit geöffneten Thüren vor meinen Augen . « » Sagt , war es nicht verzeihlich , daß ich eintrat ? Ach , ich habe nur einen allgemeinen Eindruck erfahren ; Einzelheiten kann ich Euch nicht anführen ; mein Herz , meine Sinne waren in der Erwartung gespannt , Emmy jeden Augenblick begegnen zu können . Nur so viel weiß ich , ich durchwandelte fürstlich eingerichtete Räume - alle im frischesten Glanze - das Ganze , wie zum Feste , mit blühenden Blumen geschmückt - ein Paradies - oder vielmehr ein würdiger Raum , sich Fennimor gegenwärtig zu denken . Da sah ich endlich Emmy Gray . « - » Wie , « riefen Alle , » Du sahst sie ? « - » Ja , aber sie mich nicht ! In tiefem Schlafe ruhete sie in einem Lehnstuhle vor einem großen prachtvollen Bette . Diese in Alter und finsterem Gram erstarrten Züge konnten nur Emmy Gray gehören ! Aber wen bewachte sie in diesem Bette ?