Ziele entgegendrängte , umgaukelte mit ihrer anmuthigen Lebendigkeit den stilleren Zug der Aelteren , welche , solche Freuden und ihre Täuschungen kennend , den erfahrnen Blick , über die ersten Augenblicke dieser neuen Katastrophe hinweg , ihrer Zukunft entgegenrichteten und manche Anzeichen fanden , welche die ernste Erwartung rechtfertigten , womit sie sich dem neuen Herrscherpaare nahten . Die Säle des alten prachtvollen Whitehall hatten sich bereits mit den Personen gefüllt , welche an die Auszeichnung Anspruch machen durften , hier zu erscheinen . Henriette von Frankreich hatte für jeden berühmten Namen ihres neuen Vaterlandes ein anmuthiges Wort , eine schmeichelhafte Bemerkung . Sie schien die gekrönte Anmuth zu sein , und ihr Auge leuchtete so heiter und kräftig auf Jeden nieder , wie eine Verheißung glücklicher Zeiten . Kaum widerstand einer der alten finstern englischen Barone der jugendlichen Königin . Die Absicht , ihr zu mißtrauen , die jene , sie sich als Klugheit anrechnend , mitgebracht , war den Meisten entfallen , und ein unfreiwilliges Geständniß neu gewonnener Hoffnung malte sich auf ihrer geglätteten Stirn , während die ritterliche Jugend am Griffe ihrer Degen mehr der schönen Frau , als der Königin ihr Leben vereidete . Karl der Erste sah nicht ohne Theilnahme den Eindruck , den seine schöne Gemahlin hervorrief . Er selbst hatte einen erhöhten Ausdruck von Heiterkeit und Ruhe , und seine von der Natur zur Schwermuth gestempelten Züge schienen mit dem Lächeln der Befriedigung der jungen Königin ein heiteres Leben zu verheißen . Doch blieb eine Unruhe sichtbar , die seine und der Königin Blicke öfter dem Eingang entgegenrichtete , durch den sich noch stets Neuangekommene hineindrängten , welche alle bemüht waren , der neuen Landesmutter ihre Huldigung darzubringen . Die Versammlung , die keinen andern Augenpunkt , als das königliche Paar , hatte , erkannte bald , daß sich hier etwas begeben solle , welches der ungeduldigen Erwartung sich noch zu entziehen schien und mit doppelter Spannung horchte man auf jeden neuen , von den Herolden verkündigten Namen . Da entstand schon im Vorzimmer Geräusch und lauter werdendes Gemurmel des Beifalls . An der Hand des Herzogs von Buckingham erschien ein weibliches Wesen , dessen bezaubernde Schönheit mehr , als der Glanz ihrer Kleidung , alle Anwesenden in gleich großer Theilnahme bewegte . So viele laut ausgesprochene und gar nicht überhörbare Zeichen der Bewunderung hatten der edlen und hochgetragenen Gestalt der so Empfangenen jenen leichten Anflug von Schüchternheit gegeben , welcher der Jugend so bezaubernd ansteht und den zarten Wangen ein tieferes Roth verleiht . Sie trug in den dunkeln Locken ein herzogliches Diadem von den kostbarsten Steinen ; ihr purpurnes Sammetkleid war mit dem fürstlichen Hermelin besetzt , welcher , von zwei Pagen in der königlichen Livree getragen , seitwärts des silberstoffenen Unterkleides niederfiel und den reichen Besatz von Juwelen zeigte , womit das Mieder befestigt war . Sie mußte eine Verwandte des königlichen Hauses sein , denn nur ihnen kam diese Auszeichnung zu ; aber wer konnte sie sein ? Wer hatte sie je gesehen , und wie kam sie an die Hand des Herzogs von Buckingham , welcher , stolz auf ihre Nähe , mit hohnlachender Befriedigung das Erstaunen und die Bewunderung der Anwesenden als einen ihm gehörigen Triumph aufzunehmen schien . Ihr folgte unmittelbar der Herzog von Nottingham mit seiner Gemahlin , seinem Bruder und dem Grafen Archimbald von Glanford . Aber Alles ward still , als die wundersame Erscheinung sich dem Eingange des Audienzzimmers nahte ; denn jetzt mußte ihr Name proklamirt werden . Sie selbst schien , diesen Moment kennend , mit leichter Schüchternheit ihn verzögern zu wollen ; denn einen Augenblick hielt sie inne , und eine tiefe Bewegung malte sich in ihren Zügen . Da hob sie die großen dunkeln Augen vom Boden , und sie fielen sogleich auf den König , der im selben Augenblick , die Hand seiner Gemahlin ergreifend , mit lebhaftem Ausdruck der Freude nach der Fremden hindeutete . Da erhellte das seligste Lächeln das schöne Gesicht der Unbekannten , sie zog die Hand von dem Arme des Herzogs von Buckingham , und in voller Selbstvergessenheit ihrer herrlichen Natur zurückgegeben , eilte sie mit freudiger Hast , von aller Schüchternheit entkleidet , groß und leuchtend aufgerichtet , wie eine Königin über die Schwelle des Saales . Maria Stuart , Nichte des Herzogs von Buckingham ! rief der Herold , und zugleich gewahrten die überraschten Zuschauer , wie das Königliche Paar , den Thron verlassend , der jungen Herzogin bis zur Mitte des Saales entgegenging , ihrem Fußfall zuvorkommend , sie umarmte und sie zwischen sich dem Throne zuführte , wo zur Linken der Königin auf der zweiten Stufe des Thrones ein Sessel ihr angewiesen ward , den sie , nachdem die Monarchen sich niedergelassen , mit der unschuldvollsten Sicherheit einnahm . Der Herzog von Buckingham nahm seinen Platz hinter dem Stuhle seiner Nichte , und der Thürsteher proklamirte die Familie des Herzogs von Nottingham , mit dem Zusatze : Richmond , Herzog von Glanford ! Als der junge Herzog sich dem Könige näherte , umarmte ihn derselbe ; die Königin reichte ihm die Hand zum Kusse , und der Ceremonienmeister , Graf Dorset , wies ihm das Tabouret an , das , eine Stufe niedriger , neben dem Lehnstuhle der Herzogin von Buckingham stand . Die Versammlung erfuhr jetzt , daß sie in beiden so hochbeehrten Personen ein Brautpaar sehe , dessen feierliche Vermählung in der Kapelle des Königs gleich nach beendigter Audienz statt haben werde . Aber was für ein weites Feld für die Muthmaßungen blieb nach dieser ungenügenden Nachricht zurück ! Wie wenig hatte ihr Name die aufgeregte Neugierde befriedigt ! Warum gab man ihr den Platz der Prinzessinnen von Geblüt ? Wo war sie bisher gewesen ? Welche Rolle wird ihr ferner zugetheilt sein ? Es steht nicht zu erwarten , daß diese Fragen der Wahrheit gemäß beantwortet wurden . Sie beschäftigten eine Zeitlang die Neugierigen ; doch als das baldige Verschwinden der Betheiligten allmälig dieser ersten Anregung