ungefähr siebzehn Jahr alt geworden , als ein Herr Lamberti in Florenz erschien und nicht weit von unserer Behausung seine Wohnung nahm . Die Nachbaren , die mit ihm in Berührung kamen , konnten seine Freigebigkeit nicht genug rühmen ; seine Heiterkeit und gute Laune bezauberte Jedermann , und die Mädchen waren entzückt von seiner schönen Stimme und seiner Kunstfertigkeit auf der Guitarre . Das Gerücht verbreitete von ihm , er sei aus dem Römischen und habe sich von dort zurückgezogen , weil , einiger freien Aeußerungen über Religion wegen , er Verfolgungen von der geistlichen Regierung zu erdulden gehabt habe , die ihn so ernstlich bedroht hätten , daß er es vorgezogen , sein Vaterland zu verlassen . Es währte nicht lange , so suchte er mit meinem Vater in Verbindung zu kommen , der sich in der Gesellschaft des heitern , vielerfahrnen Mannes wohlgefiel , und bald war Herr Lamberti der Freund unseres Hauses , den Jeder schmerzlich vermißte , wenn er einmal eine Stunde über die gewohnte Zeit seines Erscheinens ausblieb . Mir konnte nicht entgehen , daß ich der Magnet war , der ihn herbei zog . Meine Eltern bemerkten es eben so wohl , und da der erfahrne Mann die Neigung wohl erkannte , die er mir einzuflößen gewußt hatte , und von meinen Eltern keine Hindernisse zu besorgen waren , so hielt er um meine Hand an , die ihm mit Freuden bewilligt wurde . In unserer Nachbarschaft wurde mein glänzendes Glück , wie man diese Heirath nannte , mit Neid gepriesen . Ich fühlte mich in der That selbst glücklich und hatte nichts dagegen , als mir mein Gatte ankündigte , er habe einen Grundbesitz in einem kleinen Orte in den Appeninen erworben . Ich würde ihm mit Freuden dahin gefolgt sein , wenn nicht der Kummer darüber , daß ich mich von meinen Eltern trennen mußte , diese Freude getrübt hätte . In der That sah ich sie auch nach dieser Trennung nicht mehr wieder , denn ein bösartiges Nervenfieber raffte im folgenden Jahre Beide hinweg . In unserem neuen Wohnorte hatte mein Gatte unser Haus für die dasige Gegend kostbar eingerichtet , so daß es den Neid mancher Einwohner erregte , während andere sich uns mit einer Art von Ehrerbietung näherten , und es schmeichelte mir , daß diese sämmtlich meinem Gatten bei allen Gelegenheiten unbedingt zu gehorchen schienen . Zuweilen besuchten uns hier auch Fremde , von denen mir Lamberti sagte , daß es seine Bekannten aus früheren Zeiten wären , und die er mir bald als reisende Kaufleute , bald als Officiere nannte . Ich bemerkte wohl , daß sie viele geheime Gespräche mit einander führten , aber ich glaubte , es sei die Pflicht einer Frau , da nicht eindringen zu wollen , wo ihr Gatte ihre Theilnahme nicht wünschte . Oft auch entfernte sich Lamberti nach einem solchen Besuche eine Zeitlang aus der Gegend , und immer kehrte mit ihm neuer Ueberfluß in unsere Wohnung zurück . Bald sagte er mir , er habe einen glücklichen Handel gemacht , bald , er habe einen Proceß oder im Lotto gewonnen , und ich bewunderte sein außerordentliches Glück und dankte Gott mit kindlicher Einfalt für den reichen Segen . Ich hatte meinem Gatten nach und nach drei Söhne geboren . Die Knaben wuchsen heran und vor allen war Camillo der Liebling des Vaters , denn er behauptete in dessen wilder und rauher Gemüthsart , die mir Thränen des bittersten Kummers auspreßte , die künftige Stütze des Hauses zu erblicken . Ich wurde , nachdem ich drei Söhne geboren hatte , nicht wieder Mutter , und da sich mein Herz nach einer Tochter sehnte , nahm ich mit Lambertis Bewilligung meine gute Lucretia als elternlose Waise zu mir und erzog sie mit mütterlicher Liebe . Bald ließ es sich bemerken , daß sie und Francesko die zärtlichste Neigung verband . Um die Zeit kurz vor der französischen Revolution suchte uns in unserer entlegenen Ortschaft ein Herr St. Julien auf , der in Handelsgeschäften eine Reise nach Italien gemacht hatte , und da ihm in Frankreich keine Verwandten lebten , suchte er diese weitläuftigen Vettern auf , die mit ihm durch seine Mutter , eine Italienerin und geborne Lamberti , im entfernten Grade verwandt waren . Er freute sich der kräftigen Jugend meiner Söhne und wollte ihren Vater bestimmen , ihm einen zu überlassen , der die Handlung bei ihm lernen und nach seinem Tode seine Geschäfte fortsetzen könne . Mit seltsamem Lächeln antwortete Lamberti auf diesen gütigen Vorschlag , daß er ihm selbst einen Sohn nach Paris bringen werde , und daß er hoffe , er werde sich noch vorher von dessen Brauchbarkeit überzeugen . Der gute Herr St. Julien machte uns allen vor seiner Abreise bedeutende Geschenke , denn er hatte große Summen und viele Juwelen bei sich . Es war nichts Auffallendes darin , als Lamberti eine Stunde nach der Abreise des Herrn St. Julien ebenfalls aufbrach und dieß Mal seinen Lieblingssohn Camillo mit sich nahm , denn er hatte verschiedene Male gegen mich geäußert , daß ein Geschäft , welches ihm großen Gewinn verspräche , dringend seine Abwesenheit fordere , und daß er seine Abreise nur verschiebe , um einen geehrten Verwandten nicht früher zu verlassen , als bis dieser gesonnen sei seine Reise fortzusetzen . Nach einer Abwesenheit von drei Tagen kam Lamberti ungemein heiter und mein Sohn Camillo in ausgelassener Fröhlichkeit zurück . Mein Gatte sagte mir , da seine Geschäfte sich weit über seine Erwartung zu seinem Vortheile gewendet , so habe er mir ein bedeutendes Geschenk mitbringen wollen , und überreichte mir bei diesen Worten einen kostbaren Ring , den ich im ersten Augenblicke mit Freuden , im zweiten mit Entsetzen betrachtete . Gott ! rief ich aus , wie kommst Du zu diesem Ringe ? Er gehörte ja dem guten Herrn St. Julien . Wie kann dieß sein ? fragte Lamberti verwirrt , indem er die Farbe veränderte , was indeß damals