still und feierlich wie in einem Tempel . Die Frauen waren flüsternd um das Kind beschäftigt , nur Johannes stand noch stumm vor Glück bei Ernestinen und ihr Haupt ruhte an seiner Brust . Jetzt rief man ihn , sein Töchterchen , in ein schneeiges Bettchen gehüllt , aus der Hand der Großmutter zu empfangen . Sein Herz pochte hoch auf in reinster Vaterliebe , als er den ersten Kuß auf die zarten Lippen drückte . Er brachte es der Gattin und legte es ihr in die Arme . „ Mutter ! “ — war Alles , was er sagen konnte und er sank am Bette nieder wie vor einem Altar . „ Vater ! “ antwortete sie und sah ihn an mit einem Blick , daß ihm die heißen Freudetränen über die bärtigen Wangen rannen . Eine Zeit lang hielten sie sich schweigend umschlungen . — Endlich hob Johannes den Kopf und sagte anmutig scherzend : „ Aber Ernestine , es ist nur ein Mädchen ! “ „ Sei ’ s ! Ich frage nicht , was mir Gott beschert . Ich bin Mutter ! O , Johannes , was käme dieser stolzen Freude gleich ? Ich beneide keinen Mann mehr und unser Mädchen soll es dereinst auch nicht tun . Es soll aufwachsen im Schoß der Liebe , es soll das jugendliche Haupt stolz erheben zu der geistigen Höhe , welche das Weib erreichen muß , um dem Manne eine würdige Gefährtin zu sein ; — aber mit jeder Faser seines Herzens soll es in dem Boden wurzeln , aus dem wir doch die besten Kräfte ziehen : in dem alten geheiligten Boden der Familie ! Dann spricht es vielleicht zu einem teuren Manne , wie ich jetzt zu Dir : Wohl mir , daß ich ein Weib “ — sie legte den Kopf an Johannes ’ Brust , „ daß ich Dein Weib bin , Du Einziger ! “ „ Ernestine ! “ rief Johannes , „ das ist das Höchste , das Beste , was Du mir sagen konntest . Ja , Du wirst ein Wesen erziehen , wie es sein soll , mit Deinem hohen Geist und Deinem reichen Herzen ! — Großmutter , Vater Heim , habt Ihr gehört , was mir Ernestine soeben gesteht ? Sie ist mit dem Los ihres Geschlechtes versöhnt ! “ Ernestine legte das Kind vor sich auf die Decke und blickte wie auf ein Wunder darauf nieder . Es sei für ein neugeborenes ein ungewöhnlich schönes Kind , versicherte die Großmama mit Kennermiene und Ernestine fand es auch . Sie legte behutsam die Hand auf sein Herz und prüfte dessen Schlag : Ticktack — das kleine Uhrwerk ging vortrefflich ! — Sie lachte unter Tränen , sie hätte das Kind so gerne recht ans Herz gedrückt , aber sie fürchtete , sie könne ihm etwas zerbrechen . Die Großmama meinte , das hätten alle junge Frauen so , — mit einem kleinen Kinde umzugehen wolle gelernt sein ! Und Ernestine freute sich auf dies Studium wie auf keines , so lange sie lebte . „ Onkel Heim , “ sagte sie plötzlich : „ Ich glaubte einmal , es wäre besser gewesen , Du hättest mich sterben lassen , als mich der Vater fast totgeschlagen . Ich habe Dir seither zwar schon oft gedankt , daß Du mich am Leben erhieltest , aber so aus tiefstem Herzen , wie heute , tat ich es noch nie ! “ „ Ah pah , “ meinte der alte Mann , „ mir mußt Du nicht danken — ich war ja nur Dein Leibarzt , Dem da “ — er schlug Johannes auf die Schulter — „ dem danke , denn er war Dein Seelenarzt und brachte Dich so weit , daß Du Dein Leben im rechten Sinne genießen kannst ! “ Ernestine schmiegte sich fast demütig an den Gatten : „ Ja , Du treuer Arzt der Seele , Deine Arzneien waren bitter , aber sie haben mich gerettet ! “