Auge des letztern hatte seit langem gegen die altfränkisch-steife Anlage , die damals noch vorhanden war , protestiert , und das in andrem Sinne feine Gefühl des Schwiegervaters hatte mit gleicher Beharrlichkeit die Neuerungen abgelehnt , weil diese Neuerungen gleichbedeutend waren mit Entfernung eines Dutzend der allerschönsten Bäume . Davon wollte der Staatskanzler nichts wissen ; man sieht , er hatte auch seine Pietät . Der Schwiegersohn aber , als er alle Überredungskünste scheitern sah , schritt endlich auf jede Gefahr hin zu Tat und Abhilfe . Ein Kreis nächster Freunde war bei Tisch versammelt , und in dem schon erwähnten Gartensalon aus der Prittwitzzeit herrschte jene Tafelheiterkeit , an der das Herz des Fürsten hing und auf deren Pflege und Hervorrufung er sich so wohl verstand . Nun war das Mahl beendet und Wirt und Gäste traten auf die Veranda hinaus , die den Blick hat auf Wiese und Park und Monument . Der alte Fürst stand wie getroffen , – das war der Park nicht mehr , dessen großen Mittelgang er noch vor Tisch in lebhaftem Geplauder durchschritten hatte . In der Tat , der Park war während der Stunden des Diners ein andrer geworden , ein solcher , wie er jetzt ist , wie er nach des Schwiegersohnes Ansicht werden mußte . Eine Allee war verschwunden und wo ein Elsbruch war , war eine Parkwiese entstanden , an deren Ausgang das Wasser des Kanals blitzte . Der Fürst , im ersten Augenblicke sichtlich unangenehm berüht , war doch artiger Wirt und guter Schwiegervater genug , um gute Miene zum bösen Spiele zu machen , und die jetzigen Besucher mögen sich des Einfalls freuen . Wir aber entnehmen diesem kleinen Hergang abermals das Faktum einer längeren oder kürzeren Anwesenheit des Staatskanzlers auf seinem Neu-Hardenberger Schlosse . Gleichviel indes , wie selten oder wie häufig seine Besuche stattfanden , jedenfalls war von Anfang an seine Sorgfalt diesem neuen Besitze zugewandt und Schloß , Park , Kirche sind in ihrer jetzigen Gestalt seine Schöpfung . Machen wir zuerst einen Rundgang durch die Zimmer des Schlosses . Wir werden hier einer reichen Anzahl von Kunstschätzen begegnen , die der Aufmerksamkeit des Besuchers wert sind . Das Schloß erinnert nach dieser Seite hin am meisten an Schloß Tegel , welches letztere freilich den Vorrang behauptet . Vielleicht wäre dies anders , wenn Neu-Hardenberg alle diese Kunstschätze umschlösse , die es umschließen müßte , wenn nicht eine großmütige Laune des Stanskanzlers es darum gebracht hätte . Es hat das folgenden Zusammenhang . Der Staatskanzler hatte bereits im Jahre 1804 – also lange bevor ihm die Herrschaft Neu-Hardenberg zufiel – das im Lebusischen Kreise gelegene Gut Tempelberg käuflich an sich gebracht und daselbst ein Schloß aufgeführt , das , zu anererbtem Hardenbergschen Familienbesitz , auch noch jene Fülle von Kunstschätzen beherbergte , die der kunstliebende Fürst auf seinen Wanderungen durch Europa an sich gebracht hatte . 20 Es war dies eine außerordentlich wertvolle Sammlung . Das Beste derselben ging nach der Schlacht bei Jena verloren . Davout nämlich , auf seinem Raub- und Siegeszuge durch die Mark , ließ vier Wagen voll die ser Kunstschätze nach Paris schaffen 21 , und als im Jahre 1814 die Rückgabe alles dessen erfolgte , was Napoleon in zehn Siegesjahren mit nach Paris geschleppt hatte , leistete der Fürst-Staatskanzler auf die Rückforderung des ihm persönlich Genommenen Verzicht . Welche Gründe ihn dabei leiteten , ist nicht recht klar . Doch scheint es , daß er in jener vornehmen Feinfühligkeit , die ihm allerdings eigen war , von seinen eigenen Ansprüchen absah , um die Wiedererstattung all dessen , was anderen ( auch dem Staate ) genommen worden war , mit um so mehr Nachdruck , weil mit größerer Unbefangenheit , betreiben zu können . So blieb denn der größte Teil jener Kunstschätze , die einst die Säle von Schloß Tempelberg geschmückt hatten , in Paris zurück , und nur die von Davout übersehenen Reste wurden 1814 von Tempelberg nach Neu-Hardenberg hinübergeschafft . Allerdings erfuhr diese Sammlung bis zum Tode des Staatskanzlers , durch einzelne Ankäufe und Geschenke eine Erweiterung , aber immerhin blieb sie nur ein Bruchstück der alten Herrlichkeit . Wir schreiten nun dazu , diese Bruchstücke , zumal Porträts und Bilder , in Augenschein zu nehmen . Im Billardzimmer : 1. Alte Familienporträts des freiherrlichen Hauses Hardenberg bis zurück ins sechzehnte Jahrhundert . Das älteste und deshalb interessanteste dieser Bilder ist klein , nicht ganz handhoch und zeigt die Jahreszahl 1558 . Es stellt dar : Eler Hardenberg seines Alters zweiundsechzig Jahr . 2. Porträt des Staatskanzlers ; von dem französischen Maler Quinzon . – Naglers Künstlerlexikon bringt diesen Namen nicht , auch keinen ähnlich klingenden , so daß ich , hinsichtlich der Rechtschreibung , nicht sicher bin . 3. Porträt des Sohnes des Staatskanzlers , damals etwa fünfzehn Jahre alt . Ein sehr hübsches Bild . – Christian Heinrich August Graf von Hardenberg-Reventlow , einziger Sohn des Fürsten-Staatskanzlers aus seiner ersten Ehe mit Friederike Juliane Christine Gräfin von Reventlow , wurde am 19. Februar 1775 geboren und starb als dänischer Hofjägermeister und Geheimer Konferenzrat am 16. September 1840 . Er war von Jugend an in dänischen Diensten . Im Jahre 1814 führte dies zu einer eigentümlichen Begegnung , wie sie die Annalen der Diplomatie vielleicht nicht zum zweiten Male aufzuweisen haben . Am 25. August des genannten Jahres wurde zwischen Preußen und Dänemark , das bekanntlich auf französischer Seite gefochten hatte , der Friede zu Berlin geschlossen . Die Beauftragten waren Vater und Sohn : der Staatskanzler Fürst Hardenberg für Preußen , der Geheime Konferenzrat Graf Hardenberg-Reventlow für Dänemark . Der letztere verblieb in seinen alten Beziehungen und ging darin so weit , daß er sogar auf den Fürstentitel verzichtete , als ihm , nach dem im November 1822 erfolgten Tode seines Vaters , die Herrschaft Neu-Hardenberg zugefallen war . Man hat preußischerseits dies ablehnende Verhalten getadelt , ein Verhalten , das im wesentlichen sagte : » Ich zieh ' es vor , ein dänischer