mir aufrecht erhalten . Er hofft , daß ich glücklich bin und glaubt , daß ich nicht eine von jenen bin , die ihres Gottes im Weltleben vergessen und ihr Herz nur an irdische Dinge hängen . Lieber Leser , hoffentlich hast du die kleine Adele noch nicht ganz vergessen ? Ich wenigstens gedachte ihrer . Bald nach meiner Verheiratung erbat und erhielt ich von Mr. Rochester die Erlaubnis , sie in dem Institut besuchen zu dürfen , in welches er sie gebrachte hatte . Ihre unbändige Freude bei meinem Anblick rührte mich aufs tiefste . Sie war blaß und mager und klagte mir , daß sie nicht glücklich sei . Ich fand , daß die Regeln der Pension zu strenge gehandhabt wurden , daß der Lehrplan für ein Kind in ihren Jahren zu anstrengend sei . Deshalb nahm ich sie mit mir nach Hause . Ich hatte die Absicht , noch einmal wieder ihre Lehrerin zu werden ; bald aber Entdeckte ich , daß dieser Plan unausführbar sei ; ein anderer nahm jetzt meine Zeit und meine Fürsorge in Anspruch--mein Gatte brauchte beides . So suchte und fand ich denn eine Schule , welche nach einem nachsichtigeren System geführt wurde und uns nahe genug gelegen war , um sie öfter besuchen und dann und wann nach Hause nehmen zu können . Ich trug Sorge , daß ihr nichts fehlte , was zu ihrem Wohlbefinden notwendig war ; daher fühlte sie sich an ihrem neuen Aufenthaltsorte bald heimisch , wurde dort sehr glücklich und machte in ihren Studien ausgezeichnete Fortschritte . Als sie heranwuchs , ersetzte eine gesunde englische Erziehung in großem Maße die ihrem französischen Charakter anhaftenden Mängel ; und nachdem sie die Schule verlassen hatte , fand ich in ihr eine stets liebenswürdige und opfermutige Gefährtin ; sie war sanft , gutmütig und hatte strenge Grundsätze . Durch die dankbare Aufmerksamkeit , welche sie mir und den Meinen erweist , hat sie längst jede Güte vergolten , welche ihr zu erweisen einst in meine Macht lag . Meine Geschichte nähert sich ihrem Ende . Nur noch ein Wort über die Erfahrungen , welche ich in meiner Ehe machte , und einen kurzen Blick auf die Schicksale derer , welche am häufigsten in diesen Blättern vorkamen ; dann bin ich zu Ende . Jetzt bin ich seit zehn Jahren verheiratet . Ich weiß , was es heißt , ganz für das und mit dem zu leben , was man auf dieser Welt am liebsten hat . Ich halte mich für außerordentlich glücklich – glücklicher als Worte es beschreiben können , weil ich meinem Gatten ebenso teuer bin , ebenso unentbehrlich , wie er es mir ist . Kein Weib stand ihrem Gatten jemals näher als ich dem meinen : ich bin Blut von seinem Blute , Fleisch von seinem Fleisch . Edwards Gesellschaft ermüdet mich niemals ; er ist niemals eine Stunde ohne mich ; der Pulsschlag seines Herzens ist der meine – mein Pulsschlag ist der seine . Beieinandersein bedeutet für uns so froh sein wie in großer Gesellschaft , -- so frei wie in absoluter Einsamkeit . Ich glaube , wir sprechen den ganzen Tag hindurch ; miteinander reden ist nur eine hörbarere und lebhaftere Art des Denkens . Er besitzt m ein ganzes Vertrauen ; er hat mir das seine vollständig geschenkt ; unsere Charaktere passen in jeder Beziehung zueinander – folglich ist die vollkommenste Übereinstimmung das Resultat . Während der ersten zwei Jahre nach unserer Heirat blieb Mr. Rochester noch blind ; vielleicht war es gerade dieser Umstand , der uns so fest aneinander kettete – der uns so unauflöslich verband ! Denn ich war damals ein Augenlicht , wie ich noch heute seine rechte Hand bin . Buchstäblich war ich , wie er mich so oft nannte , sein Augapfel . Er sah die Natur – er sah alle Bücher durch mich ; und ich wurde niemals müde , ihm zu Liebe um mich zu schauen und den Eindruck in Worte zu kleiden , welchen die Landschaft vor uns , Felder , Bäume , Stadt , Strom , Wolken und Sonnenstrahlen , Wind und Wetter auf mich machten und durch Laute seinem Ohr das verständlich zu machen , was sein Auge nicht mehr in sich aufnehmen konnte . Niemals wurde ich es müde , ihn hinzuführen , wohin er geleitet sein wollte , für ihn zu thun , was er gethan haben wollte . Und diese Dienstleistungen machten mir Freude , eine außerordentliche , wenn auch traurige Freude – weil er sie ohne quälende Scham , ohne bedrückende Demütigung von mir verlangte . Er liebte mich so wahr , daß er niemals zauderte , meine Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen ; er fühlte , daß ich ihn so zärtlich liebte , ihm so blind und innig ergeben war , daß es mein süßestes Glück war , ihm diese Pflege angedeihen zu lassen . Am Ende jener zwei Jahre , als ich eines Morgens saß und einen Brief nach seinem Diktat schrieb , kam er zu mir und beugte sich über mich . Nach einigen Augenblicken sagte er : “ Jane , ” trägst du einen blitzenden Schmuck um den Hals ? ” Ich trug eine goldene Uhrkette , deshalb antwortete ich “ Ja . ” “ Und hast du ein mattblaues Kleid an ? ” Es war der Fall . Nun teilte er mir mit , daß es ihm schon seit einiger Zeit geschienen , als ob die Dunkelheit , welche das eine Auge bedeckte , weniger dicht und undurchdringlich sei . Jetzt wäre er dessen aber gewiß . Wir reisten zusammen nach London . Er fragte einen hervorragenden Augenarzt um Rat , und in der That erlangte er die Sehkraft des einen Auges wieder . Auch jetzt vermag er noch nicht ganz deutlich zu sehen ; er darf weder viel lesen noch schreiben ; aber er findet den Weg ohne an der Hand geführt zu werden ; der Himmel ist keine farblose Fläche