Vaters mit der Giustiniani im Werke war , und hätte sie diese Heirath vorhersehen können , so würde der Caplan vielleicht weniger Erfolg bei ihr gehabt haben . Jetzt indessen , glaube ich , ist sie ja selbst mit Bekehrungen beschäftigt . Sie hat es wahrscheinlich auf die Tochter des alten Flies abgesehen , denn das allein kann mir die Freundschaft der Gräfin für die Flies erklären . Renatus , dem jede Aeußerung des Grafen empfindlich und zuwider war , erinnerte daran , daß Seba auch eine Freundin seiner Mutter gewesen sei , daß er selbst von seinem Vater an den alten Geschäftsfreund ihres Hauses empfohlen worden , und fragte , ob der Graf die Familie , und namentlich , ob er Seba kenne . Er bejahte es . Ich war vor dem Feldzuge nach der Champagne bei ihnen im Quartier , sagte er gleichgültig . Seba war damals eine Schönheit , aber sie war schon damals eine sentimentale Schwärmerin ! Nimm Dich mit ihr in Acht ! Die Gräfin Rhoden und Seba und all die schönen Geister und die Professoren und Gelehrten , mit denen sie zusammenhangen , sind thörichte Ideologen , Phantasten , die gegen den Lauf der Welt ankämpfen , vergangene Zeiten lebendig machen möchten ! Man hat ein Auge auf dieses Treiben , obschon man es gewähren läßt . Vernünftige Aussichten werden sich Dir dort nicht öffnen , darauf verlaß Dich , und sich unnöthig verdächtig zu machen , sich einer unnöthigen Beaufsichtigung auszusetzen , ist nicht anständig für Unsereinen ! Er reichte ihm dabei freundlich die Hand zum Abschiede und sagte , als sein Neffe sich ihm empfahl : Ehe ich es vergesse , mein Lieber ! Seit ich mir hier selbst eine Wohnung eingerichtet und die Kriegsräthin zu mir genommen habe , speise ich in der Regel zu Hause . Sie ist eine Köchin , um die man mich beneidet . Für eine oder zwei Personen ist immer das Couvert bereit . Willst Du es auf gut Glück mit mir versuchen , so weißt Du , daß Du willkommen bist , und wir tauschen dann unsere Meinungen und Neuigkeiten mit einander aus . Beiläufig , laß Dich von den Rhodens nicht einfangen ! Das sind keine Partieen , die sich für Dich schicken ! Er gab ihm nochmals die Hand , rieth ihm , sich die Kasseler Angelegenheit ruhig und reiflich zu überlegen , und entließ ihn danach , um sich ankleiden zu gehen . Fünftes Capitel Später , als er es sonst pflegte , langte Renatus an dem Abende bei der Gräfin Rhoden an , und fast bereute er es , daß er gekommen war , denn die friedliche Stille , in welcher er die Frauen antraf , ließ ihn seine Aufregung erst recht deutlich empfinden . Es war ihm zu Muthe , als habe er in der letzten Stunde eine Gegend und die Menschen in ihr durch ein verzerrendes Glas betrachtet . Alle Bilder , die er in der Seele trug , dünkten ihm verändert und entstellt , und doch kam ihm unwillkürlich immer wieder die Frage : Wie aber , wenn Du Dich wirklich bisher getäuscht hättest ? Wie aber , wenn der Oheim Recht hätte mit den Urtheilen , die er über die Personen und Zustände , deren er erwähnte , gegen Dich ausgesprochen hat ? Er erinnerte sich genau , wie kurze Zeit nach dem Tode seiner Mutter die Rhoden ' s zu ihren Verwandten nach Lichtenforst gezogen und wie sie das erste Mal nach Richten zum Besuche gekommen waren . Die Gräfin war , wie sein Vater , in Trauerkleidern gewesen , obgleich sie ihren Gatten schon zwei Jahre vorher verloren , und der Freiherr hatte sie und ihre Töchter sehr willkommen geheißen . Als er dann nach Italien gegangen war , hatte er die Gräfin gebeten , sich seines Knaben anzunehmen , und sie hatte Renatus darauf an sich gedrückt , hatte gesagt , der Himmel habe ihr leider einen Sohn versagt , sie wolle also Renatus lieben als wäre er ihr eigen Kind , und ihre Töchter Hildegard und Cäcilie sollten ihm , dem Schwesterlosen , Schwestern sein . Renatus hatte sich auch in ihrer und ihrer Töchter Nähe stets wie in einer Heimath , wie in seiner Familie gefühlt , obschon die Verwandtschaft zwischen den Berka ' s und den Rhoden ' s sehr entfernt war ; er konnte es sich als sehr wahrscheinlich denken , daß seine Großeltern ihm die Gräfin einst zur Stiefmutter zu geben gewünscht hatten , ehe der Caplan die Bekehrung der Gräfin unternommen . Es war aber ein schöner Tag und ein erhebender Anblick gewesen , als die Gräfin mit den beiden kleinen Töchtern in der Kirche von Rothenfeld zum Katholicismus übergetreten war . Der heimliche Anschluß der Familie von Wedderau an die katholische Kirche war bald danach gefolgt , und die kleine Gemeinde hatte unter des Caplans Leitung sehr zusammengehalten . Alljährlich hatte man danach den Todestag der Baronin Angelika , in welcher man die eigentliche Urheberin des Kirchenbaues verehrte , mit einer besonderen Feier begangen , und wenn die Gräfin wirklich beabsichtigt hatte , einmal die Stelle der Verstorbenen einzunehmen , so war es schön von ihr gewesen , daß sie ihre getäuschte Erwartung weder Vittoria noch Renatus hatte entgelten lassen . Sie zuerst hatte sich der fremden jungen Frau mütterlich freundlich genähert , als man des Verwunderns über die unerwartete und auffallende Heirath des Freiherrn kein Ende finden konnte . Sie war der Fremden stets mit Rath und Ermunterung zur Hand gewesen ; Tage und Nächte hatte sie an dem Bette Vittoria ' s zugebracht , als diese vor drei Jahren im Nervenfieber mit dem Tode so schwer gerungen , daß man hatte fürchten müssen , mit ihr auch das Leben ihres zu erwartenden Kindes zu verlieren . Renatus konnte ihr das nie vergessen . Er liebte die Gräfin dafür wie eine Mutter und er hing auch mit so naturwüchsiger Neigung an ihren beiden Töchtern , als