« Ein schmerzliches Lächeln flog bei diesen Worten über ihre Züge , dann seufzte sie tief auf und flüsterte : » Es ist etwas Schönes um die Dankbarkeit ; o , wenn auch ich dankbar sein dürfte ! « » Also Sie erwarteten den Herrn Herzog ? « » Ja , « sprach das Mädchen nach einer Pause mit festerer Stimme . » Schön . - Nun bin ich aber da . - Sprechen Sie ohne Rückhalt . Was haben Sie mir zu sagen ? « » Ich brauche nicht zu sprechen , « erwiderte das Mädchen mit sanfter Stimme , » ich brauche nur auf Fragen , die an mich gestellt werden , zu antworten . Also fragen Sie in Gottes Namen . « Auf diese Worte hustete der Graf gelinde und sah sein Gegenüber erstaunt an . » Das ist ein schönes Labyrinth , « dachte er . » Finde mir da Jemand einen Ausweg ! Ich komme da her , um einen Bericht zu hören , und jetzt soll ich diesen Bericht mit Fragen heraus locken . - Was soll ich fragen , ohne mir eine Blöße zu geben ? Denn ich weiß nicht einmal , wer das Mädchen ist , und also auch nicht , worüber sie mir Auskunft zu geben vermag . - Helfen wir uns , so gut wir können . Sie muß doch bei irgend einer Herrschaft sein , nach der wollen wir uns ein wenig erkundigen ; vielleicht gibt sich das Andere von selbst . « - » Also , « begann der Graf nach einem längeren Stillschweigen und nachdem er sich mit der Hand über das Gesicht gefahren , auch seinen Schnurrbart gedreht und den Mantel etwas von der Schulter herab genommen , » also Sie erwarten meine Fragen ? « » Ja , « erwiderte das Mädchen . » Nun denn ! - Teufel ! « dachte er , » wer ihre Herrschaft ist , darf ich nicht fragen , - aber wo sie sich im Augenblicke aufhält . Das geht ! « - » Nun denn , ist Ihre Herrschaft zu Hause ? « » Das gnädige Fräulein kamen vor einer halben Stunde . « » Ah ! ein Fräulein ! - Das ist schon etwas ! « sprach er für sich . - » Und - hm ! - sie - sie blieb zu Hause ? « » Sie begab sich zu Bette . « » Natürlich ! - es ist schon spät . - Und wo war denn das gnädige Fräulein , wenn ich fragen darf ? « » Sie fragen nur für den Abend ? - Oder meinen Sie den ganzen Tag ? « » Vorderhand ist es mir nur um den Abend zu thun , « erwiderte Graf Fohrbach , der wohl fühlte , daß er bald mit seinen Fragen am Ende sei . » Dann aber wünsche ich auch Einiges über den Tag zu erfahren . « » Das gnädige Fräulein waren von Sechs bis halb Acht bei der Tafel und fuhren darauf in Gesellschaft . « » Wohin ? « » Zu dem Herrn Major von S. « » Was ? « rief der Graf im höchsten Erstaunen , indem er heftig zusammenfuhr und dicht vor das Mädchen hintrat , » zu Major von S. ? - Träume ich denn ? - Zu Major von S. ? « » Um Gotteswillen ! - ja . Ich sage gewiß die Wahrheit , « versetzte sie erschrocken . » So ist Ihr Fräulein - Eugenie von S. ? « » Allerdings ! « rief das Mädchen , nun ihres Theils überrascht . » Das wußten Sie nicht ? « » Nein , beim Teufel ! ich wußte es nicht . - Ah ! das ist ein bischen zu stark ! « » So hat Sie auch der Herzog nicht geschickt ? « fuhr ängstlich das Mädchen fort . » Nein , nein , er hat mich gewiß nicht geschickt ; aber ich danke Gott , daß ich gekommen bin . - Sie also betrifft dieser Bericht ? - Eugenie ? - O das ist über alle Beschreibung ! Sprich , Mädchen , « fuhr er ernster fort , indem er ihr Handgelenk faßte ; » jetzt werde ich wirklich Fragen stellen , bitte aber um richtige und pünktliche Antworten . - Sie haben also den Herrn Herzog hier erwartet ? « » Ja , ich sagte es schon . « » Und er kam schon öfter hierher in dieses Zimmer ? « » Zuweilen hier , zuweilen anderswo , wie es mir befohlen war . « » Wie es Ihnen befohlen war ? - doch davon nachher ! - Also Sie trafen hier oder anderswo mit dem Herrn Herzog zusammen , um ihm - Bericht über Ihre Herrin zu geben , über ihr Leben und Treiben , was sie thut und spricht , zu wem sie geht , wer zu ihr kommt ? - Ah ! Verrath ohne Gleichen ! - Schändlichkeiten , wie noch keine da gewesen ! Und das fühlen Sie nicht ? Ein solches Verbrechen liegt nicht schwer auf Ihrer Seele ? - Pfui der Schande ! « Anfänglich hatte das Mädchen den jungen Mann mit weit aufgerissenen Augen angestarrt , dann schlug sie die Hände vor das Gesicht und ein tiefer , schmerzlicher Seufzer wand sich aus ihrer Brust ; zuletzt aber , als sein Auge flammte und er mit Entrüstung des schändlichen Verraths gegen ihre Herrin erwähnte , ließ sie langsam die Hände von ihrem Gesicht herab sinken , athmete tief auf und blickte in die Höhe , aber nicht mehr ängstlich oder niedergedrückt , sondern als wollte sie sagen : Gott sei gedankt ! Eine Thräne , die in ihrem Auge zitterte , bekräftigte diesen Gedanken . » So sind Sie der Herr Graf Fohrbach ? « brachte sie darauf mühsam hervor . » Der bin ich . - Woher kennen Sie meinen Namen ? « » O ,