eine Aufmunterung erwarten zu wollen . Endlich sagte der Sammler : » Ich habe wohl vor Jahren davon gehört , daß ein Sohn des Hofschulzen plötzlich zu Tode gekommen sei ; es hieß aber damals , er sei mit der Stirn auf einen Stein geschlagen . « » Ja , so hieß es damals « , versetzte der Patriotenkaspar . » Mit der Stirn schlug er allerdings auf einen Stein , und zwar auf diesen da , neben welchem ich stehe , allein nicht von selbst , sondern von einem anderen mit der Faust gegen den Stein gestoßen , und wer ihn so lange mit der Faust gegen den Stein stieß , bis die Hirnschale zerbarst , das war ich . « » Also hatte doch jenes zweite alte Gerücht , was auch im stillen hie und da umherlief , recht ! « sagte der Sammler . » Aber wie kam es , daß die Geschichte nicht angezeigt und den Gerichten überwiesen wurde ? « » Das hängt mit diesem meinem ausgeschlagenen Auge , mit des Hofschulzen seinem Hochmut und mit dem Freistuhl da droben an jenem Berge zusammen « , sagte der Spielmann . Der Sammler versetzte : » Bringt Eure Geschichte ordentlich und im Zusammenhange vor , Kaspar . Denn aus diesen zerstückelten Reden kann sich niemand vernehmen . « Der Patriotenkaspar erzählte hierauf an dem Mordsteine stehend , dem alten Schmitz , welcher ihm gegenüber an der anderen Seite des Kreuzweges stehenblieb , folgendes : » Herr Schmitz , in den Geschichten , die ich da auf meinem Leierkasten feilhabe , kommen mitunter auch Sachen vor von Leuten , die ihresgleichen ächteten und von sich ausstießen . Als zum Beispiel : einen trieben sie vor diesem aus , weil er gar zu gerecht war , und ein General wurde zu alten Zeiten verbannt , weil sie ihm nachsagten , er mache den armen Leuten das Brot teuer , und dann gab es auch wieder einmal einen Herzog , der geächtet wurde , weil er seinen Freund nicht hatte verlassen wollen . Diese armen elendigen Verbannten führten ein jämmerliches Leben . Meistenteils ist zwar dergleichen nur bei großen Herren und vornehmen Standespersonen vorgekommen , aber auch unter dem Bauerstande kann sich die Sache zutragen , und mit mir hat sie sich begeben . Herr Schmitz , ich war zu meiner Zeit ein flinker , anstelliger Kerl und hatte mehr Witz als aller der Bauerpöbel hier herum zusammengenommen . Sah auch recht gut aus - « » Ei « , fiel der Sammler ein , » Ihr habt ja stets eine hohe Schulter gehabt , Kaspar . « » Das tut nichts « , erwiderte der Patriotenkaspar , » demohnerachtet kann man doch schön aussehen . - Sah also recht gut aus , ehe ich das eine Auge verlor und in die Hungersnot versank , hatte was erlebt draußen als junger Mensch . Denn , wie Sie wissen , war ich dabei , als die alte Orange in Schoonhoven vermolestiert wurde und kam auch nach Gorkum und Nieuwpoort mit den Patrioten dazumal . Ich schor mich den Teufel um den Krimskrams hier unter den Bauerkerls , sagt ' ihnen oft die Wahrheit über ihre Einfalt und es setzte schon gleich zu Anfang viel Streit und Wortwechselung mit ihnen . Es gab nie keinen Vertrag mit ihnen recht , denn sie konnten es mir nicht verzeihen , daß ich klüger war als sie und gewitzter . Also gut ; wie ich meine vollen Jahre erreicht hatte , trat ich das Kolonat an , denn Sie müssen wissen , daß der Windkotten uns gehörte , mir und meiner Familie ; ein recht hübsches Erb mit Feld , Baumgarten und Wiesenwachs , was nachgehends freilich parzelliert worden ist , und das Haus hat der Jude abbrechen lassen , der das Ganze zuletzt kaufte , so daß ich selbst kaum noch weiß , wo die Stätte gelegen hat . Wie ich nun so Kolon und Hofesbesitzer war , da ging der rechte Verdruß erst an , Herr Schmitz . Denn ich konnte es gar nicht vertragen , daß die Großen besser sein wollten , als wir Kleinen , und daß so ein Hofschulze es wie eine Gnade ansah , wenn er mit einem Kötter trank . Denn ich dachte : Ich baue so gut mein Feld , wie ihr , was habt ihr denn also voraus ? Ich setzte mich also dreist zu ihnen , wenn ich im Kruge mit ihnen zusammentraf , ich sprach bei ihnen ungefordert ein . Wenn ich an einem der Großen vorüberging , tat ich so als müsse er mich zuerst grüßen , und meinte , es wohl mit ihnen durchsetzen zu können . Aber , Herr Schmitz , man setzt dergleichen mit den Menschen nicht durch , denn man ist immer nur einer und sie sind viele , und das hält zusammen wie Pech und Schwefel . Grob behandelten sie mich , wenn ich sie besuchte , im Kruge rückten sie von mir weg , und wollte ich von ihnen auf Landstraße und Nachbarweg zuerst gegrüßt sein , so lachten sie mir unter die Nase und keiner lupfte den Hut . Von allen aber war der Hofschulze im Oberhofe der Gröbste und Stolzeste und Schlimmste ; denn er ist immer unmenschlich reich gewesen und hat großes Ansehen von jeher gehabt . Also , Herr Schmitz , den Hofschulzen nahm ich mir apart aufs Korn und dachte : Du sollst mir daran glauben . - Er hatte aber eine Tochter aus erster Ehe , denn drei Frauen hat der alte Kerl begraben lassen und zum letztenmal , woraus nun die ist , die gestern Hochzeit machte , freite er , wie er schon ziemlich in den Jahren war . Die Tochter sah recht gut aus , und ich war ihr auch recht gut , aber die Hauptsache , daß ich mich an sie machte , war doch der Stolz , und weil ich mir einbildete , ich könne