Oheim ! stürzte sie dem Könige zu Füßen . Unaussprechlich war die Ueberraschung aller Anwesenden . Alles sprang auf und eilte dieser unerwarteten Scene entgegen . Um Gott , Lady Maria ! Was begeht Ihr ? rief die Herzogin , aufs Tiefste verletzt und erschrocken über den plötzlichen Anblick eines Gegenstandes , den ihr stolzes Herz eben dem Könige zu entziehen getrachtet hatte . Aber schon änderte sich die ganze Scene . Der König , zu ihr niedergebeugt , mühte sich , sie in seine Arme zu ziehen , indem er aufs Lebhafteste ihren Namen unter den zärtlichsten Ausdrücken rief . Lady Maria richtete sich auf und sagte , an seine Brust sich lehnend , ernst und zärtlich : Jetzt habe ich wieder eine Heimat auf Erden gefunden . Du wirst mich von allen den Räthseln erlösen , die mich bisher verfolgten , ich werde jetzt einen Namen haben ! O ! rief der König mit dem Laut des Schmerzes , o Du theures , unglückliches , verfolgtes Kind ! Meine ganze Macht kann nicht ausreichen , was Du gelitten , auszulöschen , Dir wieder zu geben , was Du indessen verloren . Aber einen Namen sollst Du haben , auf den Du mit Stolz blicken kannst , eine Heimat soll Dir werden , des Namens würdig , den Du mit Recht führst ! - Frau Herzogin , fuhr der König fort , erfahrt jetzt , daß Ihr in den Wohlthaten , die Ihr diesem theuern Kinde gewährt , Euern König Euch zu Euerm lebenslänglichen Schuldner gemacht habt . Hier sei der erste Augenblick , wo ich das süßeste Glück meines Lebens ausspreche . Sie ist meine Tochter , und ihre rechtmäßige Mutter ist Elisabeth von Buckingham , die Gott früher von dieser Erde rief , als ich vor dem Angesichte der Menschen ihre heiligen Rechte anerkennen durfte . Du der König ? Elisabeth meine Mutter ? rief Maria . Die Ueberraschung schien ihr alle Kraft zu rauben . Der König führte sie nach einem Lehnstuhle , sie zärtlich stützend , während um ihn her das Erstaunen und die Ueberraschung Aller sich in den verschiedensten Erscheinungen kund gab . Doch wir werden das mütterliche Gefühl verstehen , wenn wir sagen , daß die Herzogin , deren lange schmerzvolle Befürchtungen wir kennen , ihre Augen zu Richmond erhob , und , zärtlich sich an den Herzueilenden lehnend , ihn fest und mit einem seligen Lächeln an ihre Brust drückte . Mit stummem Entzücken blickte die alte Herzogin auf diese Scene , die sie so wohl verstand , denn der Augenblick , der dem Könige die Tochter , hatte auch ihr den verklärten Sohn , sein in reiner Tugend strahlendes Bild zurückgegeben . Dieser rührende und überraschende Moment , der alle Anwesenden aufs Tiefste und Verschiedenartigste bewegte , ward unterbrochen , indem Sir Walther Ramsey mit feierlicher Amtsmiene erschien . Vor dem Könige , der noch immer über Lady Maria , sie umschlingend , gebückt stand , beugte der Ankommende die Knie und redete ihn auf folgende Weise an : Ein königlicher Bote erreicht so eben dies Schloß , beauftragt , Euer Majestät in tiefer Ehrfurcht anzuzeigen , daß dem Lande das ersehnte Heil geschah und der Boden Englands die Königliche Henriette von Frankreich , unsere nunmehrige Königin , empfangen hat . Der unglückliche Carl schreckte zusammen , lebhaft drückte er die zitternde Maria an seine Brust , dann riß er sich empor . Ich danke Euch , Sir Ramsey , für die erfreuliche Botschaft , Ihr werdet mich von Euern Wünschen unterrichten müssen . Dem ersten Ueberbringer solcher Nachricht darf keiner unerfüllt bleiben , den zu befriedigen in unserer Macht steht . - Die Augenblicke sind uns also gezählt , sprach er darauf , zur Herzogin gewendet . Gönnt mir eine kurze Unterredung , Mylady , ich bin sie mir , ich bin sie Euch schuldig und diesem theuren Kinde . Er bat Maria , ihn zu begleiten , und führte Beide in die innern Gemächer . Was er hier der Herzogin und seiner Tochter zu sagen hatte , kann kein Gegenstand fernerer Mittheilung sein ; wir ahnen es aus der Erinnerung aller im Laufe dieser Erzählung vor uns entwickelten Einzelheiten . Auch brauchte der König dazu wenig Zeit . Er bewirkte einen vorläufig verlängerten Aufenthalt für seine Tochter bei der Herzogin , da er selbst sich außer Stande fühlte , vor der beabsichtigten Entdeckung an seine Gemahlin derselben einen Platz anzuweisen , der ihren Ansprüchen gemäß war . Als er in den Saal zurückkehrte , näherte er sich mit besonderer Huld Lord Richmond . Was Ihr , Mylord , für meine Tochter gethan , hat ein Vaterherz gehört und tief empfunden ; ich wüßte keinen Wunsch , den Ihr mir nennen könnt , dessen Erfüllung , so weit es von mir abhängig , nicht eine Befriedigung für meine Dankbarkeit sein müßte . Uebernehmt , bis wir uns wiedersehen , setzte er lächelnd hinzu , das ritterliche Amt , das Ihr so trefflich versteht , bei meiner Tochter ! Euch allen , meine Freunde , empfehle ich meine Tochter , Lady Maria Stuart . Zu den Hof-Feierlichkeiten hoffe ich Euch alle als meine liebsten Gäste in London zu sehen . Der König entfernte sich , sie alle grüßend , und bald sah man , wie seine schwarze Gestalt , umgeben von dem glänzenden Zuge der Herren des Schlosses , auf schnellem Rosse dahin sprengte . Die königlichen Boten hatten die erste Audienz der Königin von England verkündigt . Das Land schien die Wanderung nach London angetreten zu haben . Das Volk stand in dichten Massen an einander gedrängt , der seltenen Lust gewärtig , die das Schauspiel solchen Festes auch den Straßen verhieß . Zwischen durch bewegte sich der Zug des stolzen Adels von England , Schottland und Irland , mit allem Glanze und allen Ansprüchen ausstaffirt , die Vermögen und Rang jedem Einzelnen gestatteten . Die Heiterkeit der Jugend , die sich mit tausend Hoffnungen noch nie erlebter Freuden dem