aber sein Grimm erstarb in Ohnmacht , und Thränen der Wuth perlten in seinen grauen Bart , da er seine Hände gebunden , und sich aller Waffen beraubt fühlte . Die Söldner der Stadt , die mittlerweile über den Strom gesetzt hatten , machten vollends reine Arbeit und knebelten die beiden Knechte des Stegreifritters . - » Ritterliche Haft ! ritterliche Haft ! « bat der überwundne und gedemüthigte Bechtram , die gebundnen Hände zu Gerhard und Dagobert aufhebend . » Den Teufel auf Deinen Schurkenschädel ! « antwortete ihm der Hülshofen : » Ich will Dich lehren , wackern Kämpen die Freundschaft zu versagen , hochmüthiger Dieb ! Sieh her , wie Du den armen Mann zugerichtet hast ; setzte er hinzu , auf den Kaufmann zeigend , der sich mühsam herbeischleppte : armer Heinz Duke ! wohl erkenne ich Dich in dieser Jammergestalt . Ich habe schon manches Wollenwamms bei Dir gekauft und auch manches geborgt . Stehe ich allenfalls noch auf Deinem Kerbholze , so kannst Du mich dieses Dienstes wegen auslöschen , und Dir die Freude machen , aus Deinem schönen Hanf einen Strick für diesen Buben zu drehen , der ihm fein und glatt zum dicken Halse stehen soll . « » Niederträchtiger Klopffechter ! « schnaubte Bechtram wild , und dieses Wort wäre mit einer entsetzlichen Mißhandlung bestraft worden hätte sich nicht Dagobert des Gefangenen angenommen , den Überwindern Mäßigung gepredigt , und darauf gedrungen , schnell nach der Stand zurückzukehren mit der guten Beute . - Seine Worte wurden befolgt , - Ritter und Knechte auf die Gäule geschnürt , und Reiter , Fußknechte und Wagen zogen bald wie stolze Sieger in der wichtigsten Fehde in Frankfurt ein . Der Jubel des Volks donnerte auf allen Gassen , da es den gefürchteten Feind in seiner Gewalt sah , und Dagobert ' s , wie Gerhard ' s Namen schwebten gepriesen und erhoben zum Himmel auf allen Zungen . Sogleich versammelten sich Bürgermeister , Schöffen und Rath , und der Schultheiß , an der Spitze der gesammten Väter der Stadt , mußte , so schwer es ihm auch wurde , dem verhaßten Sohne Diether ' s den Dank der Bürgerschaft verheißen . Diether umarmte seinen Dagobert mit der Liebe , die den Knaben in ' s Leben geleitet hatte , und rief : » Ja , Du bist ein treuer Mensch . Die Feindin zu retten , wagst Du Dein Leben ! « - » Die Feindin ? « fragte Dagobert wehmüthig entgegen : » Verhüt ' es Gott , Wallrade ist meine Schwester , aber unwürdig leider unsers Namens . Ich hasse sie jedoch nicht , und würde , sie zu befreien , wohl noch mehr thun , als einen Räuber niederwerfen . « - Dieser Räuber war ein Felsen von Verstocktheit . Sein Läugnen , sein Hohn gegen die Vorwürfe , mit welchen ihn des Raths Vorsteher überhäuften , seines Treu- und Friedensbruchs wegen , überstieg an Frechheit Alles , was man bisher aus Räubersmund vernommen hatte . Seine Knechte , in der Schule des Verbrechens groß gezogen , folgten dem Bespiele ihres Gebieter , bis der Oberstrichter ihnen mit der Folter drohte , und zum Beweise , daß er es ernstlich meine , die schrecklichsten Folterwerkzeuge herbeibringen ließ . Dieser grausenvolle Anblick erschütterte die Standhaftigkeit der Reisigen ; sie wankten , ließen nach von ihrem Starrsinn , und bekannten endlich unter der Bedingung , ihr elendes Leben zu behalten , eine Unzahl von blutigen Thaten und Raubfreveln , die ihr Brodherr binnen der letzten Frist verübt hatte . Keine Schandthat war zu denken , die nicht von Bechtram und feiner wilden Jagd begangen worden wäre , und der graue Sünder erblaßte selbst , da man ihm die Litanei seiner Bubenstücke vorhielt . Sein Trotz und Übermuth verwandelte sich , da er seine Helfershelfer von ihm gewendet sah , in plötzliche Muthlosigkeit , und in eine finstre Ahnung des Schicksals , das ihn betreffen möchte . Unter solchen Umständen wurde es dem Oberstrichter leicht , noch in der Nacht desselben Tages das Bekenntniß von ihm zu erringen , daß Wallrade und der Kaufdiener Schwarz und noch einige andere arme Leute in seinem Raubneste gefangen gehalten würden ; ... und die Furcht vor einem schmählichen Tode , - die Hoffnung , Leben und Freiheit zu erhalten , bewog den an der Vorsehung und seinen Freunden Verzweifelnden , an seine Hausfrau folgende Zeilen zu schreiben : » Der ehrbaren Else von Vilwyl , meiner lieben Hausfrauen , meinen freundlichen Gruß zuvor . Liebe Hausfrau ! ich lasse Dich wissen , daß mich die von Frankfurt gefangen haben ; darum befehle ich Dir , die Gefangenen von Stund an laufen zu lassen , weil ich gefunden habe , daß ich nichts mit ihnen , noch sie etwas mit mir zu schaffen haben . So Du das thust , ist mir ' s lieb . Gegeben unter meinem Insiegel . Zum Wahrzeichen schicke ich Dir Deinen eignen Siegelring . Bechtram von Vilwyl , Ritter . « Dieser Brief , die Befreiungsurkunde der in Haft gehaltnen , war geschrieben , aber der Bote fehlte , welcher ihn überbracht hätte , indem die Härte und grausame Rohheit der Frau von Vilbel , wie der Genossen des Ritters im ganzen Gau bekannt war , und selbst der Entschlossenste den Tod fürchtete , als sichern Lohn der Botschaft . Vergebens befahl der Rath : seine Diener meinten , ihr Leben käme nicht wieder , wenn man auch den Bechtram alsdann der Rache opfern wollte , und Geld und Versprechungen bewogen keinen , nach dem übelberüchtigten Schlosse Neufalkenstein zu reiten . » Schande genug für so viele im Kriegshandwerk ergraute Leute ! « schalt Dagobert , da er diese unaufhörlichen Weigerungen erfuhr : » Gebt mir Brief und Ring , und ich hole die Gefangenen unversehrt aus der Höhle des Wolfs . Trifft mich dabei ein Unglück ; nun , so laßt eine Messe für meine Seele lesen , und damit