meines Zuhörers machte ; und dieses Gemüt , welches nach all seinen Leiden dem düsteren Nachdenken nur zu sehr unterworfen war , bedurfte nicht noch des tiefen Schattens , den das Übernatürliche stets um sich wirft . Ich behielt diese Dinge also für mich und grübelte allein darüber nach . » Du kannst dich jetzt also nicht wundern , « fuhr mein Gebieter fort , » daß es mir schwer wurde , dich für etwas anderes als eine Vision , eine Stimme zu halten , als du so plötzlich gestern Abend vor mir standest ; ich meinte , du würdest wieder in Schweigen und in das Nichts zurücksinken , wie jenes mitternächtliche Flüstern und Bergesecho vor dir dahingeschwunden war . Jetzt danke ich Gott ! ich weiß es besser ! Ja , ich danke Gott von ganzem Herzen ! « Er schob mich von seinem Schooße , erhob sich , nahm ehrerbietig den Hut vom Kopfe und indem er seine blinden Augen zur Erde senkte , stand er lange in stummer Andacht da . Nur die letzten Worte seines Gebets waren hörbar . » Ich danke meinem Schöpfer , daß er inmitten in der Strafe doch Gnade walten läßt . Ich bitte meinen Erlöser in aller Demut , daß er mir Kraft geben möge , von jetzt an ein besseres , reineres Leben zu führen als bisher ! « Dann streckte er die Hand aus , daß ich ihn führe . Ich ergriff die teure Hand , preßte sie einen Augenblick an meine Lippen , und ließ ihn sie dann auf meine Schulter legen . Da ich soviel kleiner war als er , diente ich ihm sowohl als Stütze wie als Führer . Wir gingen in den Wald hinein und wendeten uns heimwärts . 18. Kapitel Schluß Mein teurer Leser , ich heirathete ihn . Wir hatten eine sehr stille Hochzeit . Nur er und ich , der Geistliche und der Küster waren anwesend . Als wir aus der Kirche zurückkamen , ging ich in die Küche des Herrenhauses hinunter , wo Mary das Mittagsessen bereitete und John die Messer putzte , und sagte : “ Mary , ich bin heute morgen mit Mr. Rochester getraut . ” Die Haushälterin und ihr Mann gehörten zu jener Sorte von anständigen und phlegmatischen Leuten , welchen man zu jeder Zeit mit Sicherheit eine merkwürdige , außergewöhnliche Nachricht mitteilen kann . Ohne Gefahr zu laufen , daß zuerst ein schriller Aufschrei Einem das Trommelfell zersprengt , und man gleich darauf in einem Strom wortreiches Erstaunens ertränkt wird . Mary blickte auf und starrte mich an , das ist wahr , der Kochlöffel , mittelst welchem sie ein paar junge Hühner , welche auf dem Feuer brieten , mit Fett begoß , blieb ungefähr drei Minuten schwebend in der Luft , und während ebenso langer Zeit ungefähr ruhten Johns Messer sich von dem Prozeß des Poliertwerdens aus . Aber dann sagte Mary nur , indem sie sich über den Braten beugte . “ Wirklich , Miß ? Das ist gut ! ” Und kurze Zeit darauf fügte sie hinzu : “ Ich sah Sie mit dem Herrn ausgehen , aber ich wußte nicht , daß Sie in die Kirche gingen , um sich trauen zu lassen , ” und dann begoß sie ihren Braten von neuem . Als ich mich zu John begab , grinste er mich freundlich an . “ Ich habe Mary wohl gesagt , wie es kommen würde , ” sagte er ; “ ich wußte , was Mr. Edward ” ( John war ein alter Diener und hatte seinen Herrn bereits gekannt , als er noch der jüngere Sohn des Hauses war , deshalb nannte er ihn oft bei seinem Taufnamen , und es wurde ihm verziehen ) – “ ich wußte , was Mr. Edward thun würde , und war sicher , daß er nicht lange warten würde . Nun , soviel ich einsehen kann , hat er recht gethan . Ich wünsche Ihnen viel Glück , Miß ! ” Und dabei zupfte er ehrerbietig an seiner Stirnlocke . “ Danke Ihnen , John . Mr. Rochester gab mir dies für Sie und Ihre Frau . ” Dabei gab ich ihm eine Fünfpfundnote . Ohne auf weitere Erörterungen und seinen Dank zu warten , verließ ich die Küche . Als ich kurze Zeit darauf an dem Sanktum vorüberging , überhörte ich die Worte : “ Sie wird vielleicht besser für ihn passen als irgend eine von den vornehmen Damen . ” Und dann weiter : “ Wenn sie auch nicht gerade eine von den allerschönsten ist , so ist sie doch nicht häßlich , und obendrein noch zu herzensgut ; und in seinen Augen ist sie wunderschön . Das kann doch jeder sehen . ” Ich schrieb sofort nach Cambridge und Moor-Hause , um meinen Verwandten mitzuteilen , was ich gethan hatte . Ich erklärte ihnen auch deutlich , weshalb ich so gehandelt habe . Diana und Mary billigten meinen Schritt rückhaltslos . Und Diana kündigte uns an , daß sie uns nur die Zeit lassen würde , glücklich über den Honigmonat fortzukommen , und uns dann mit ihrem Besuche erfreuen würde . “ Es wäre besser , wenn sie nicht so lange wartete , Jane , ” sagte Mr. Rochester , als ich ihm den Brief vorlas , “ wenn sie das thut , wird sie zu spat kommen , denn unser Honigmonat wird dauern so lange wir leben . Nur an diesem und meinem Grabe wird er sein Ende finden . ” Wie St. John die Nachricht aufnahm , weiß ich nicht ; er beantwortete den Brief , in welchem ich sie ihm mitteilte , niemals . Sechs Monate spatter schrieb er mir jedoch ; Mr. Rochesters Namen erwähnte er indessen nicht und ebensowenig sprach er von meiner Heirat . Sein Brief war sehr ruhig , und wenn auch Ernst , so doch gütig . Seitdem hat er einen regelmäßigen , wenn auch nicht häufigen Briefwechsel mit