. » Sie bringen mich um ! Der Welt - das ist doch zu kolossal ! « Doch der unerschütterliche Lutsch replicirte gewandt : » Ich bin für das Kolossale ! Auch insofern - wer ist dort die kolossale Dame ? « » Das ist Frau Cohn , von Cohn und Compagnie . « » Frau von Cohn und Compagnie , « notirte Jener eifrig und schmückte den trockenen Namen alsbald mit folgender Hyperbel , indem er halblaut heulend schrieb : » Und wer , der die üppigschöne Frau C. in ihrer hellfarbig gemusterten Brokat-Robe bewundern durfte , konnte ahnen , daß vierzig herrliche Lenze über ihrem Scheitel dahingegangen ? « » Sie sind bescheiden , « lachte Eugen Wolffert , der unvermuthet hinter ihm stand . » Sind wir immer . Na , sagen wir : neununddreißig Lenze . « Lutsch schien durch nichts aus der Fassung zu bringen . Seine unerschöpfliche Phantasie setzte schwungvoll fort : » Als Ebenbild dieser hoheitsvollen Juno schmiegten sich an sie ihre rehäugigen Töchter - « » Pardon « unterbrach er sich , » hat sie Töchter ? « » Ja doch , Sie schnurriger Interviewer Sie ! « lachte Eugen . Aber schon nahm ein neuer Gegenstand die Sinne des leicht erregbaren Ludolf gefangen : » Gott , was seh ich ! Auch Fräulein Rasolinska , unsre göttliche Ballerina ? - Eine Inspiration ! « Und er schrieb : » Als ein unter dem Giftbaum der Börse lagernder lieber Freund sie in ihren Diamanten erblickte , rief er begeistet : Ich gebe für Fräulein Rasolinska 200000 Mark . « Seine Inspiration hatte ihn so überwältigt , daß er Wolffert senior unter den Arm nahm und mit ihm herumtänzelte , indem er heiser dazu trällerte : » Du hast Diamanten und Perlen ... « » Sst , will er wohl still sein ! « Eugen hielt ihm lachend den Mund zu . » Sie compromittiren uns noch ! « Da sprach Lutsch die geflügelten Worte : » Der Skandal - das ist der Ruhm ! Lehren Sie mich unsre lieben göttlichen Weiber kennen ! Wir verstehen das Frauenherz ! « Dabei klopfte er sich auf den Bauch , mit der Befriedigung des guten Gewissens . » Aber ich beschwöre Sie , liebstes Commerzienräthchen , « heulte er plötzlich » sehen Sie doch nur Ihre Schwiegertochter , sehen Sie doch ! « » Ich sehe ja schon ! « fistelte dieser halb geschmeichelt , halb ärgerlich . Im Hintergrunde sah man Kathi , von einigen Herren umringt , die Honneurs machen . » Halten Sie mich ! « Lutsch kniff Eugen in den Arm . Ich gerathe in Extase ! Eine Prinzessin , eine ladylike Grazie ! Für mich eine Mädchenblüthe von intimstem Reiz ! » Intimstem ? Oho ! « » Nein , mein guter Commerzienrath , das verstehen Sie wieder nicht . Wir Kunstbeflissenen reden eine besondere Geheimsprache . Intim - das heißt bei uns : unsagbar , duftig keusch ! « » Keusch - so ! « lächelte Eugen . » Das wundert Sie ? Wenn Sie meine Kritiken genauer lesen , so werden Sie keusch und vornehm als meine Leib- und Magenwörter fast in jeder Zeile entdecken . Wenn ich so einen Mann sehe wie Sie , dann sage ich einfach : Ein vornehmer Charakter ! Nehmt alles nur in allem , er ist - « » Ein reicher Mann « brummte Eugen beiseit . » Und was edle Frauen betrifft .. sehn Sie z.B. dort dies entzückende Wesen ! « Er notirte wieder mal : » Rosaseide mit türkisblauen Schleifen nebst saphirblauem Fächer mit Straußenfedern , eine Perlenschnur um den Schwanenhals ... « » Sehen Sie , da sage ich schlechtweg : Ein keusches Weib ! - Ach , Herr Wolffert , und Ihre Gattin ! « Sein Notizbuch zitterte ordentlich unter der Hast des Bleistifts : » Eine Schlepprobe von weißem Sammt mit weißen Seerosen über einem Kleide von weißer Seide und Brüsseler Spitzen ... « Kathi trat eben einen Augenblick aus dem Saal herein und Eugen verfehlte nicht , ihr Lutsch zu präsentiren : » Dir haben wohl die Ohren geklungen ! Du hättest Deinen geistreichen Anbeter hören sollen ! « » Geistreich , aber ach , alt .. alt ! « heulte Lutsch mit schwermüthigem Augenverdrehen , indem er Kathis Hand unter vielen Verbeugungen zärtlich küßte . » Wir armen Alten ! Dahin ist die Zeit , wo die Sonne holder Frauengunst .. « » Sie wollen wohl Complimente hören ? « Kathi schlug ihn leicht mit dem Fächer . Aber ihr Auge sah leer und gelangweilt über ihn weg und in ihrem Ausdruck lag eine müde Abgespanntheit , mit einer gewissen nervösen Unruhe verbunden . Ihre Augen irrten umher . Es war , als ob sie etwas suche - aber etwas Fernes , Unsichtbares . Schon eine Zeitlang wunderte sich Dondershausen über eine auffällige Unruhe Krastiniks , der bald vor , bald zurück trat mit einem spähenden Ausdruck , als ob er etwas erwarte . Jetzt aber , als der Oberst ihn am Rockzipfel ergriff , um ihn durch die Gäste zu den Wirthen heranzubugsiren , wehrte ihn der Graf mit raschem Winke ab . Hastig bat er im Flüsterton , ihn entschuldigen zu wollen ; ihm sei nicht wohl und er müsse heimkehren . Als Jener erstaunt zum Abschied die Hand drückte , nahm ihm Krastinik noch sein Ehrenwort ab , nicht zu verrathen , daß er mitgekommen sei . Dondershausen werde ja begreifen , daß es peinlich sein müsse , wenn Wolfferts erführen , wie man hier bloß hineingerochen und dann mit französischem Abschied Reißaus genommen habe . - - In heftigster Erregung , von widerstreitenden Empfindungen geplagt , durchwachte der Graf schlaflos die Nacht . Also hatte ihn sein Argwohn nicht getäuscht - sie , sie selber , seine einstmalige Liebste ! So gleichgültig ihm die Erinnerung verblaßt schien , konnte er sich doch eines seltsamen wehmüthigen Schauers bei ihrem Anblick nicht