, » hurtig zünde Licht an , wir haben eine Heimsuchung und bleiben vorerst noch hier ! « Ich unterdessen hatte Gabel und Messer ergriffen , um einer Schnitte kalten Bratens zuzusprechen , war aber neuerdings verlegen . Das silberne Werkzeug war ein offenbar lange gebrauchtes Kinderbesteck ; auf der kleinen Gabel war in gotischer Schrift der Name » Dorothea « sauber eingegraben , und da das neuangekommene Röschen die Herrin soeben Dortchen nannte , hielt ich unzweifelhaft ihr eigenes Eßgeräte in der Hand . Ich legte dasselbe nieder ; Röschen bemerkte gleichzeitig den Umstand und rief : » Was machst du denn , Dortchen ? Du hast ja dem Manne dein eigenes Besteck gegeben ! « Leicht errötend sagte das sogenannte Fräulein Dortchen : » Wahrhaftig , so geht es , wenn man zerstreut ist ! Entschuldigen Sie , daß ich Sie mit meinen Kinderwaffen versehen habe ! Sollten Sie indessen nicht davor ekeln , so dürften Sie nur ruhig fortfahren , und ich selbst gewänne das Ansehen einer heiligen Elisabeth , welche die Armen aus ihrem eigenen Teller speist . « Auf diesen artigen Scherz wußte ich nichts mehr einzuwenden . Doch wollte es mit dem Essen nicht recht gehen ; ich empfand auf einmal keinen Appetit , vielmehr bedrückte mich ein Gefühl , als ob ich am unrechten Orte wäre , und wünschte , draußen auf der Landstraße und in der Freiheit zu sein , wußte aber freilich , daß es nicht gut gehen würde . Es wurde mir etwas behaglicher zu Mute , als ich ein Glas Wein ausgetrunken , das mir Röschen eingeschenkt , mich mit kritischen Äuglein musternd . Dann lehnte ich mich zurück und sah dem Treiben der beiden Personen zu . Das Fräulein hatte sich inmitten des Saales an einen großen runden Tisch gesetzt , und die Gärtnerstochter stand neben ihr . Auf dem Tische befanden sich allerlei Gläser und Krügelchen mit Blumen und bunten Waldsachen , wie sie der Herbst zu bringen pflegt , rote und schwarze Beerenbüschel . Dazwischen lag merkwürdiges , purpurrotes oder goldgelbes Blattwerk , gefiedert und herzförmig , glänzend grüne Efeublätter von besonderer Schönheit , Schilf , alles bereit , zu einem Strauße vereinigt zu werden oder auch so zur Augenweide zu dienen . Die Blumen schienen von dem Kirchhofe zu kommen , wie ich denn sah , daß das Fräulein auch die heute gepflückten eben in ein Glas mit frischem Wasser stellte . Einige Sträußchen waren frisch , andere verwelkt oder halb verwelkt , was anzuzeigen schien , daß die Schöne eine liebevolle Freundin und Pflegerin der Toten sein müsse . Das erinnerte mich an die Sage von der heiligen Elisabeth , die als Kind mit ihren Genossen gern auf Gräbern gespielt und von den Toten gesprochen hatte , und da diese Dorothea selbst in jenen Legenden bewandert war , so verlieh dies alles ihrem Wesen den Goldglanz einer tieferen Gemütsart , während ihr freies und entschiedenes Benehmen die Voraussetzung einer kirchlichen Bigotterie nicht aufkommen ließ . Ich blickte mit einer Art einschläfernden Wohlgefallens nach dem Tische hin , sah und hörte mit halboffenen Augen und Ohren noch eine Weile , was sie taten und sprachen , ohne darauf zu merken , bis ich wirklich einschlief . Auf einem Stuhle neben sich hatte das Fräulein eine umfangreiche Mappe stehen , aus welcher sie größere und kleinere Blätter nahm , die auf Bogen starken Papieres zu heften sie beschäftigt war , daß die Blätter geschützt und mit einem breiten Rande versehen wurden . Das bewerkstelligte sie mit kleinen Papierstreifchen und etwas arabischem Gummi , und Röschen hielt ihr diese Dinge bereit . » Nun müssen wir wieder Papier zuschneiden « , sagte sie , als der Vorrat der Unterlagen soeben zu Ende ging . Sie schoben die hindernde Unordnung des Tisches eifrig zur Seite , um Raum zu gewinnen , legten neue Bogen auf und begannen mit ihren Arbeitsscheren darin zu wirtschaften , wie wenn sie Leinwand vor sich hätten und Handtücher zuschnitten . Da das Papier keine leitenden Fäden besaß , so schrumpfte es stellenweise auf der Klinge zusammen , oder die Scheren fuhren ins Krumme , und die Mädchen erlitten allerhand kleinen Verdruß , den sie sich scherzend vorwarfen . » Ei , Kind « , rief Dorothea , » du machst ja lauter gefranste Ränder , Papa wird unsere Arbeit gewiß kassieren , wenn er sie sieht , und sich endlich selbst dahintermachen ! « » Und du mit deinem Augenmaß ! Sieh , wie schief die Landkarte dort sitzt ! Da machen wir ' s besser , der Vater und ich , wenn wir die Gemüsebeete abteilen ! « » So schweig doch , ich weiß es ja schon ! Es sind aber auch gar zu große Dinger darunter , man kann sie gar nicht ordentlich übersehen ! Da haben wir im Institut vernünftigeres Format gehabt , wenn wir unsere Blumenbildchen malten ; nun , der Papa bringt die Sachen nachher schon mit Lineal und Bleistift in die Richte . Die Hauptsache ist , daß wir kein Blatt zu klein schneiden ; denn er will alle von der gleichen Größe haben . Er hat schon einen Kasten dafür machen lassen , worin sie liegen sollen wie in Abrahams Schoß ; auch ein paar hölzerne Rahmen mit Gläsern hat er für sein Studierzimmer bestellt , um abwechselnd dies oder jenes Blatt darin aufzuhängen , das ihm besonders gefällt . Diese Rahmen werden auf der Rückseite mit bequemen Schiebern versehen sein . « » Was nur an diesen Sachen zu gucken ist ? Zu was braucht man sie denn ? « » Ei , du Närrchen , zum Vergnügen ! Man muß sie kennen oder verstehen , das ist das Vergnügen ! Siehst du denn nicht , wie lustig dies aussieht , alle diese Bäume , wie das kribbelt und krabbelt von Zweigen und Blättern und wie die Sonne darauf spielt ? Und alles das hat einer lernen müssen , um es hervorzubringen ! «