leicht . Seine Phantasie war nicht lebhaft , indeß innerhalb des nicht weiten Kreises , den er überschaute , sah er klar genug , und seine Schüchternheit im Verkehr mit Anderen machte ihn vorsichtig , wie sein Mißtrauen gegen seine eigene Einsicht ihn gewissenhaft gegen sich selber sein ließ . Es war nicht das erste Mal , daß der junge Baron die Ansichten , welche der Graf an den Tag legte , von einem Preußen aussprechen hörte . Man konnte sie von allen denjenigen vernehmen , die , auf den Pfaden des Grafen gehend , ihrer zur Selbstentschuldigung bedurften . Sie verfehlten an sich also , einen Eindruck auf den Jüngling zu machen , aber es ergriff ihn , daß sein Onkel sie theilte , und mit jener Schwermuth , die einen Hauptzug seines Charakters ausmachte , rief er : Lieber untergehen , als untreu werden ! Was sollte mir eine Zukunft auf den Trümmern meines Vaterlandes ? Wie könnte ich an ein Glück denken in der Fremde unter Fremden , während .... Er brach ab , schien seine warme Aufwallung zu bereuen und sagte : Gewiß , mein Onkel , Sie sprachen nicht im Ernste zu mir , Sie wollten mich prüfen ; seien Sie unbesorgt ! Kein Vortheil der Welt soll mich verlocken , von meinem Könige abzufallen oder meinen Eid zu brechen ! Ich bin ein Preuße , ich bin ein Edelmann , unserem Könige unterthan und sein Soldat ; so will ich leben und , muß es sein , auch sterben ! Der Graf nickte beifällig , als habe er den Vorwurf in seines Neffen Worten nicht gemerkt , und wiederholte seine frühere Aeußerung , daß dies Alles sehr gut , sehr schön sei , nur praktisch sei es nicht . Bedenke , sprach er , was Du Deinem Vater schuldig bist ! Er machte danach eine kleine Pause und setzte in ruhig erklärender Weise hinzu : Du siehst die ungeheuren Rüstungen , welche der Kaiser durch ganz Europa anstellen läßt . Niemand kann zweifelhaft darüber sein , gegen wen sie gerichtet sind . Wir stehen einem großen , einem gewaltigen Feldzuge näher , als Du glaubst , und Du bist der einzige Erbe Deines Vaters , der Letzte Deines Hauses ! Und mein Bruder ? wendete Renatus ein . Der Graf lächelte . Vittoria ' s Sohn wird , wenn er einst erwächst , voraussichtlich auf Dich und Deine Großmuth angewiesen sein , denn Dein Vater ist bejahrt und sein Besitz hat sich , wie Du weißt , um ein Bedeutendes verringert . Wir haben allerdings unter dem Kriege schwer gelitten , entschuldigte Renatus , den jede Miene und jedes Wort des Grafen kränkte . Nicht mehr , als Andere , meinte dieser ; aber Dein Vater und meine gute romantische Schwester hatten kostspielige Liebhabereien , bauten Kirchen , hielten Sängerchöre , ließen die Amtleute und Pächter gewähren . Das war ideologisch , war falscher Idealismus ! Das ist unpraktisch ! Er sah nach der Uhr , erhob sich , ging an den Spiegel , zu dessen beiden Seiten Armleuchter an den Wänden brannten , besah sich in dem Glase , kämmte die große Locke auf der Stirn über die untergehaltene Hand zurecht und sagte , ohne den beleidigten Renatus , der hinter ihm sitzen geblieben war , anzusehen : Glaube mir , mein Lieber , früher oder später wirst Du genöthigt sein , Dein eigenes Schicksal zu spielen und das Loos und das Vermögen Deines Hauses neu zu begründen . Nur deshalb und nur dazu wollte ich Dir die Mittel und die Wege zeigen und eröffnen , die ich Dir heute vorschlug . Er klingelte , sein Kammerdiener trat ein . - Warum erinnern Sie mich nicht , daß es Zeit ist , mich anzukleiden ? fragte er . Der Diener entgegnete , daß Alles bereit liege , und ward mit dem Bemerken fortgeschickt , daß der Graf gleich kommen werde , und daß der Diener das Eisen heiß machen könne , ihm Haar und Bart auf ' s Neue zu kräuseln . Wir haben heute eine Soirée bei dem französischen Gesandten . Das ist ein Haus , in das Du Dich einführen lassen solltest , und ich bin bereit , Dich vorzustellen , sagte er . Es ist die Rede davon , einige junge Deutsche von Familie als Cavaliere , als Kammerherren an den Hof des Königs von Westfalen zu ziehen , junge Männer , die des Französischen mächtig sind . Ich hatte dabei an Dich gedacht . König Jerome ist jung , ist geistreich , ist äußerst liebenswürdig und freigebig geneigt , für die Personen , die ihm wohlgefallen , viel zu thun . Indeß Du willst es nicht ! Nun , Du wirst wissen , was Dir frommt , ich hatte es gut mit Dir im Sinne ! Er sprach das Alles , während er aus einer reichverzierten Büchse seine goldene Dose mit frischem Taback füllte . Renatus hatte sich erhoben . Er sagte , daß er seinen Oheim nicht stören , nicht länger aufhalten wolle . Der Graf erkundigte sich , wo er seinen Abend zubringen werde , und als er hörte , daß Renatus die Gräfin Rhoden zu besuchen denke , meinte er , es sei schade , daß sie fromm geworden sei , und daß sie ihre Töchter in gleicher Ueberspannung auferzogen habe ; sie sei früher eine angenehme Frau gewesen , die gewußt habe , was sie sich schuldig sei . Man hatte sie bei uns , fuhr er fort , da sie eine Verwandte von uns ist , Deinem Vater eigentlich zur zweiten Frau bestimmt , und sie hat sich , eben weil sie kein Vermögen besaß , wohl selber doppelt mit dem Gedanken getragen . Ich bin sicher , sie zog nur deshalb in Eure Gegend , und ihre Freundschaft für Dich wird wohl aus derselben Quelle entsprungen sein . Aber der Bekehrungseifer Eures Caplans hatte sie uns entfremdet , noch ehe die Heirath Deines