- die Beichte spricht ... Lasset euch beide das , was ihr heute erlebtet , eine Uebung sein , die Gefahren - des Geistes kennen zu lernen ! Helfen Sie sich einander redlich beim Straucheln ! Bestärken Sie sich in der Geringschätzung des Gedankenaustausches ! Da liegt der Thomas a Kempis ; das goldene Buch der bewußten , ja mit Stolz bekannten Geisteseinfalt ! Oder lesen wir eine Stelle des heiligen Gregor ... Der Kirchenfürst nahm ein Gebetbuch und las mit lauter Stimme : » Wenn ich mir die Büßerin Magdalena vergegenwärtige , so möcht ' ich eher weinen , als reden und bekennen ! ... Denn sind nicht die Thränen dieser Sünderin mächtig genug , auch ein steinern Herz zur Buße zu erweichen ? Sie bedachte ihren vergangenen Lebenswandel und konnte sich in ihrem reuevollen Thränenbekenntniß kein Maß vorschreiben . In das Gastzimmer trat sie zur Zeit des Mahls , sie kam ungerufen , und während des Mahls brachte sie ein Thränenopfer . Lernet , von welchem Schmerz sie gefoltert ward , daß sie auch während der Zeit des fröhlichen Mahls der Thränen sich nicht schämte ! Siehe ! Weil dies Weib ihre Befleckungen und Laster erkannte , eilte sie in glühender Sehnsucht nach Reinigung zum Urquell der Barmherzigkeit und scheute nicht die Gegenwart der Gäste . Da sie vor ihrer eigenen Häßlichkeit erröthete , konnte die Scham von außen , sie nicht entmuthigen . Was , meine Brüder , sollen wir nun mehr bewundern , die im Gastzimmer erscheinende Magdalena oder den Herrn , der sie gnädig aufnahm ? Soll ich sagen : aufnahm ? - nicht vielmehr : durch seine Gnade an sich zog ? Ich will am liebsten beides sagen . Es ist derselbe , der sie innerlich anzog durch seine Barmherzigkeit und derselbe , der sie äußerlich mit aller Sanftmuth aufnahm . « Jetzt legte der Kirchenfürst das Buch zur Seite , neben sein inzwischen erkaltetes Tabacksrohr , neben den noch unerbrochenen Brief seines Königs , dann entließ er beide mit einer Handbewegung , die ausdrückte , daß er ihnen den Segen ertheilte und den Gewinn zweier Seelen für sein Gottesreich höher hielt , als alles Reden und Handeln und Drohen der Mächtigsten der Erde . Im Vorzimmer war es still geworden ... Der Kaplan begleitete den Mönch und den Pfarrer bis an die Ausgangsthür . In seinem demüthigen Gruße lagen die Worte : Was auch zwischen euch dreien soeben drinnen geschehen ist - Alles - zur größern Ehre Gottes ! ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wohl hätte Heinrich Klingsohr draußen in freier Luft aufschreien mögen wie mit wiedererwachtem Titanentrotz . Seine Brust hob sich , seine Augen standen starr aus den Höhlen , er hatte auf der Zunge Worte nicht der Verwünschung seines Geschickes , nicht der Anklage seines Berufes , nicht der Anklage des Kirchenfürsten , - nur dem Jammer seines Innern hätte er Worte leihen mögen , sich vergleichen mit dem gefangenen , an seinen Flügeln niedergehaltenen , auf dem Rücken liegenden Vogel vom gestrigen Morgen , sich rechtfertigen gegen den falschen Schein , der sich um ihn breitete in Gegenwart eines Mannes , den er zu schätzen anfing , er , der niemanden anerkannte außer dem , der ihm durch etwas imponirte , etwa - die Kunst , eine Nachtigall nachzuahmen ! Aber nicht einmal zu der Auseinandersetzung war ihm Gelegenheit gegeben , zu sagen : Warum bleiben Sie nicht sogleich in dieser Stadt ? Warum haben Sie nicht schon jetzt die Erlaubniß des Beichtstuhls ! Alles , alles möcht ' ich Ihnen bekennen ! ... Fiebernd lief es durch seine Seele : Ich möchte sagen , wie mich gestern die unwiderstehlichste Sehnsucht ergriff , nach dem Leben und den Schicksalen eines Mädchens zu fragen , das einst mir das Leben und dann den Tod gegeben ! Ich wechselte mein Kleid , ich wurde ermuntert dazu von einer Jüdin , die mir unser ganzes Dasein als einen einzigen großen Mummenschanz darstellte , wurde ermuntert dazu durch einen Schwur » bei dem Gotte Spinoza ' s « und durch die Versicherung , ich dürfte auf die Verschwiegenheit dieses Mädchens bauen ... Wer war der Verräther ! ... Wer war es , der des Nachts , so ruhelos wie ich , dahin irren konnte ? ... Ja , ich war auf der obersten Galerie des Theaters ! Dort , in eine Ecke gedrückt sah ich jene Frau spielen , die einen edeln Menschen auf ihrer Seele hat - sah die Kinder springen , die ich oft auf dem Schoose gehalten und für welche Lucinde arbeitete , sich mühte und entbehrte , wie eine zum Magddienst sich verurtheilende Königin ... Das Haus war menschenleer ... aber nicht so öde war es , als das Gefühl meines Daseins ... ich irrte in den Straßen , sah nicht die Spione , die mich verfolgten , vergaß die Ordnung des Hauses , das ich mit vielen andern bewohne , bestieg die Stufen des Gasthauses zum Lamm , kehre schaudernd um , aber um mich her sah ich nichts als Lucinden , sah sie mit phantastischen Blumen bekränzt , sah sie im langen Kleide hoch zu Roß - mir winken - Himmel und Erde ! Ich wage Ehre und Freiheit und mein ganzes Leben , um nur fragen zu können : Wo ist Sie ? Was wurde aus Ihr ? ... Zitternd steig ' ich zu der Frau empor , an deren Herz zu glauben ich nicht die mindeste Berechtigung hatte , aber ich zwinge mich dazu ... Aber auch sie verrieth mich nicht ! Sie schwur ' s mir bei dem Andenken Serlo ' s , obgleich der , wie sie sonst und jetzt sagte , schuld gewesen wäre an ihrem ganzen verfehlten Dasein ... Ich finde diese Menschen , klein