und sich seinem Gefühle überlassen . » In dieser greifbaren Finsterniß , « dachte er , » geht mir auf einmal über etwas ein Licht auf ; ich erkläre es mir jetzt vollkommen , zu welchem Zwecke sich neulich der Herzog drüben in dem Laden die kleine elegante Blendlaterne kaufte . So ein Ding könnte ich auch jetzt hier ganz gut gebrauchen . - Das war die zweite Thüre . - Nun kommt die dritte . - Da ist sie ! - Aber nun halt ! - Wahrscheinlich werde ich an der vierten und richtigen ein Zeichen brauchen , um eingelassen zu werden . Das wäre unangenehm , da ich bis hieher so ohne allen Anstand gekommen und weiter nichts weiß . - Vielleicht auch , daß ich meine Anwesenheit durch einen lauten Schritt anzeigen muß . Hier wohnt eigentlich Niemand , wie ich glaube , und wir können schon ein wenig hörbarer auftreten . « So that er auch , und dies Mannöver brachte augenblicklich eine Wirkung hervor . Es erschien nämlich rechts neben ihm , wo die vierte Thüre sein mußte , ein kleiner leuchtender Punkt , wie wenn sich Jemand mit einem Lichte dieser Thüre näherte und der Schein desselben durch das Schlüsselloch fiele . - Mit zwei weiteren Schritten hatte er die Thüre erreicht und nun vernahm er zu seinem großen Vergnügen , daß dieselbe langsam geöffnet werde . Er ergriff mit der Hand die Klinke , drückte sie ganz auf , trat eilig über die Schwelle und befand sich in einem ziemlich kleinen Zimmer , einem jungen Mädchen gegenüber , das bei seinem Anblick so heftig zusammenfuhr , daß ihr die Wachskerze , welche sie in der Hand trug , fast entfallen wäre . Einen lauten Aufschrei , der wahrscheinlicherweise erfolgt wäre , verhinderte der Graf , indem er den Finger erhob und dem Mädchen leise aber eindringlich : » stille ! « zurief . - Darauf verschloß er die Thüre , schob einen Riegel , vor und ließ einen schweren Vorhang darüber fallen , bei dessen Anblick er begriff , weßhalb er früher keine Spur des Lichtstrahles gesehen . Nachdem dies geschehen , machte er ein paar Schritte weiter in das Zimmer hinein gegen das Mädchen hin , die mit einem wahren Ausdruck des Entsetzens gegen das ebenfalls dicht verhängte Fenster zurückwich . » Das ist ein sonderbares Abenteuer , « dachte er . » Sollte es sich hier um ein einfaches Rendezvous handeln ? - - Ich glaube nicht ; und wenn dem so wäre , müßte ich mich eilig zurückziehen , denn das ginge alsdann über Indiskretion . - Doch nein , nein ! die Kleine da hat mir ein ganz anderes Aussehen . - Suchen wir auf eine gescheidte Art zu unserem Berichte zu kommen . « Das Mädchen hatte den Leuchter auf den Tisch gestellt , ohne ihn aus der Hand zu lassen , die noch immer heftig zitterte . Sie hatte eine schlanke , schmächtige Figur , ein schmales , bleiches Gesicht und blondes Haar , welches in zwei dicken , sehr zierlichen Flechten um ihren Kopf gewickelt lag . Ihr einfacher und sauberer Anzug war , wie ihn die Kammerjungfer einer anständigen Dame zu tragen pflegt . - Sie vermochte es nicht , ein Wort hervor zu bringen und starrte den Eingetretenen mit ihren großen blauen Augen an , wobei sich ihre feinen Lippen krampfhaft bewegten . » Beruhigen Sie sich doch , mein Kind ! « sagte der Graf so sanft als möglich , » ich werde Ihnen gewiß nichts zu Leide thun . Gewiß nicht ! - auf mein Wort ! Lassen Sie Ihren Leuchter ruhig auf dem Tische stehen und setzen Sie sich meinetwegen in jene Ecke , während ich hier sehr entfernt von Ihnen , auf dem Tabouret Platz nehmen will . - So thun Sie es doch ! - Ich komme , bei Gott ! in keiner schlechten Absicht . « Nach längerem Zögern that das Mädchen endlich , wie er ihr geheißen . Sie ließ die Hand von dem Tische herabgleiten , ging rückwärts zu dem bezeichneten Stuhl , blieb aber dort aufrecht stehen und schien sich an der Lehne festzuhalten . » Sie haben mich nicht hier erwartet ? « sagte der Graf , nachdem er sie eine Zeit lang betrachtet . » Nein , nein , nein ! gewiß nicht ! « brachte das Mädchen mühsam hervor . » Aber Jemand anders sollte kommen ? Schütteln Sie nicht den Kopf : ich weiß Alles . - Jemand anders wurde von Ihnen hier um elf Uhr erwartet . Da hilft ja kein Leugnen . - Sie hatten ihm etwas mitzutheilen . Sehen Sie , Sie schlagen die Augen nieder . - Nun also , ich komme an seiner Stelle ; lassen Sie mich hören , was Sie zu sagen haben . « Das Mädchen schüttelte mit dem Kopfe , schlug die Hände zusammen und drückte sie alsdann heftig an ihre Augen . » Sie trauen mir nicht , « fuhr der junge Mann nach einer Pause fort . » Nun , ich finde das begreiflich . - Sie erwarten Jemand , den Sie schon länger kennen , nun erscheint plötzlich ein Unbekannter , - das muß Sie natürlicherweise überraschen . Wenn ich Ihnen aber sage , « - diese letzten Worte sprach er in bestimmtem Tone und sehr langsam - » daß Seine Durchlaucht der Herzog Alfred hieher kommen sollte , daß er aber augenblicklich nicht im Schlosse ist und daß ich statt seiner hier bin , ist das alles nicht wahr ? « Das Mädchen ließ ihre Hände herab sinken , schaute ihn mit einem festen Blicke an und entgegnete alsdann : » Was hilft mein Leugnen , Sie haben mich ja in Ihrer Gewalt . « » Ach was Gewalt ! « entgegnete er unmuthig . » Davon kann gar keine Rede sein . Schenken Sie mir Ihr Vertrauen ; Sie haben es mit keinem Undankbaren zu thun .