da am zahlreichsten in der eleganten Abtheilung aufgestellt waren . Sie hatten es nöthig in der Sonnenhitze .. Der Diener vernachlässigte sie .. Sie würden verwelkt gewesen sein , wenn ein barmherziger Samariter da des Weges nicht gezogen wäre und sich der Sterbenden angenommen hätte . Das aufregende , bittere Gedicht , die Blumen und Melanie verschmolzen sich in Siegbert ' s bewegter Brust . Wie oft hatte nicht die liebliche Gestalt auf diesen bunten Teppichen gesessen und nur mit halbem Ohre den Lehren gelauscht , die ihr der würdige Professor gab ! Die Vorhänge waren herabgelassen gewesen ... Sie hatte im Grunde kaum eine andere Beziehung zu den andern Malern gehabt , als daß sie an ihren vorüberschwebte und mit holdseligem Lächeln die ihr dargebrachten Grüße erwiderte ! Aber auch welches Schweben ! Welches holdselige Lächeln ! Blieb dann einmal gar durch einen künstlich vorbereiteten oder natürlichen Zufall der große schwere Vorhang beim Lehrer eine kurze Zeit offen ... welche Verwirrung entstand unter den Malern und wie zitterte Siegbert , der nur die Schönheit in Melanie sahe und , daß sie sich deren bewußt war , wie das Erlaubteste entschuldigte .. Und war es denn nur bloße Einbildung , wenn Siegbert annahm , daß er diesem liebenswürdigen Mädchen nicht völlig gleichgültig geblieben war ? Für Leidenfrost ' s kurze , gedrungene , ja häßliche Figur , seine dunkeln , tiefliegenden , strengen Augen , sein sarkastisches Lächeln und vor allen Dingen für seinen grauleinenen Kittel und plumpen grauen Schlapp-Hut konnte sie keine Sympathie haben . Reichmeyer war ihr ein zweiter Lasally . Heinrichson ihr sicher zu elegant , zu sehr Gentleman und alle Welt wußte , daß er von alten Damen sehr verwöhnt war und den Petitmaitre der Salons abgab und noch öfter abgeben mußte ... was den schönsten Mann allmälig doch untergräbt und lächerlich macht ... In Siegbert Wildungen aber war , was Melanie oft gefunden hatte , Haltung und Poesie zugleich ; er galt für interessant , seine feuchten verklärten Augen zogen an , er trug sich als Künstler , ohne ins Barocke zu verfallen ... Konnte Siegbert nicht erhöhteren Muth fassen , wenn Melanie fast absichtlich mit ihm Gespräche anknüpfte , ihn in die Gesellschaften ihrer Familie einführte , ja einige male sogar plötzlich im Atelier erschienen war , wenn sie wissen mußte , daß Alle fort waren und vielleicht nur noch Siegbert arbeitete ? Sie hatte dann gewöhnlich etwas vergessen oder verloren , rannte an ihre Staffelei , beachtete den Überraschten gar nicht , bis sie ihn wie zufällig entdeckte und sich vielleicht nur an seiner Verlegenheit weidete und den Triumph genoß , einen Mann bewegt zu sehen , einen Mann in der Rede stocken zu hören ! Die Abscheuliche ! Und doch hatte sie ihn vielleicht gern und zürnte nicht , als Siegbert einmal in einem solchen Augenblicke der Überraschung ihre Hand ergriff und sie mit Küssen so lange bedeckte , bis sie ihn mit dem - zufällig ! - ausgezogenen Handschuh schlug und vor seiner stürmischer werdenden Bewerbung lachend davonflog ! An diesen seligen Augenblick kurz vor Melanie ' s Reise dachte Siegbert und fast dieselbe Glut , wie damals , durchströmte seine Adern . So wirkte nur die Vorstellung jener Scene schon ! Wie ? Wenn sie sich noch einmal wiederholte ? Wäre Dies , dachte er sich , so läg ' ich zu ihren Füßen ! Ich ließe sie nicht , bis ich sie entweder zu mir nieder- oder sie mich zu sich emporgezogen hätte ! Wie Siegbert noch in diesen Erinnerungen schwelgte , sich ankleidete , mit dem Bleistift an der Übersetzung arbeitete , dann wieder einmal die Blumen emporrichtete oder sich auf eins der Canapés in Professor Berg ' s Arbeitsraum warf , geschah ihm das Wunderbare , daß er einen Wagen vorfahren hörte , die Thür aufreißen und Melanie hereintreten sah . Sie war es .. Melanie Schlurck ! Erst glaubte er sie in der weiten Entfernung vom Canapé aus nicht zu erkennen . Sie schien eine Andere , als sie eben in seinen Träumen gaukelte . Sie schien höher , stolzer , strenger , und doch .. es war Melanie ! Sie selbst im rauschenden Gewande , sie selbst in dem zierlich leichten Strohhut , eine rothe Echarpe über den hellen Kleidern .. Melanie wieder mit ihm allein ! Und er in einer Stimmung , die für ihn eine entscheidende werden konnte ! Aber wie erstaunte er , als Melanie entschlossen auf ihn zuschritt und ihn kurz mit den Worten begrüßte : Guten Tag , Wildungen ! Da bin ich von der Reise zurück ! Wie geht ' s Ihnen ? Sind Sie allein , Wildungen ? Fräulein .. sagte Siegbert , übergossen von dem edelsten Purpurroth , dem der männlichen Verlegenheit . Fräulein .. welche Überraschung ! Sie haben einen Bruder , fuhr Melanie kurz und entschieden und ohne allen Umschweif fort . Er heißt Dankmar . Nicht so ? Dankmar , Fräulein - Dankmar Wildungen ist mein Bruder . Er war in Hohenberg ? Er war in Hohenberg ! Mit dem Fürsten Egon ? Er ist ein Freund des Fürsten Egon ? Darauf kann ich keine bestimmte Antwort geben ; doch hör ' ich , daß er dessen Bekanntschaft in Hohenberg machte . In Hohenberg ? Er sagte mir , seine Reise wäre abenteuerlich gewesen . Doch wie und wodurch , hoff ' ich heute erst näher von ihm zu erfahren . Melanie hielt sich an eine der Staffeleien , die jedoch zu schwankend war um Stand zu halten ... Sie mußte ihre ganze Kraft aufbieten , nicht zusammenzusinken . Siegbert begriff ihre Aufregung nicht . Mit einer Entschiedenheit , die in dieser Form nur dem Weibe eigen ist , es aber auch dann nicht mehr schön erscheinen läßt , sagte jetzt Melanie : Nun denn , so lassen Sie sich über diese Reise von Ihrem Bruder erzählen , was Sie wollen , bedeuten Sie ihm aber im Namen eines Mädchens , das nicht ohne