Tafel . » Wenn Du Dich genau nach diesen Nummern richtest , kannst Du nie fehlen , welche Kreuz- und Querwege Du auch wider Willen einschlagen magst . « Ein abermaliges Kopfnicken gab dem Leiter des Schlittens die Zustimmung seines Dieners zu erkennen , und in raschem Galopp jagte das feurige polnische Gespann , dessen brillantes Geschirr mit purpurnen Troddeln und Fransen reich aufgeschmückt und mit silbernen melodisch gestimmten Schellen behangen war , in die windige Haide hinein . Der geneigte Leser hat in diesen einsamen Reisenden bereits den Grafen Adrian mit seinem stummen Kammerdiener erkannt . Aber was sucht der kaum genesene reiche Mann in dieser frostigen Wildniß , die kaum im Sommer von wandernden Köhlerbuben betreten wird ? Was sollen die Winke bedeuten , die er seinem stummen Vertrauten kalt und ernst gibt ? Um auf diese Fragen Antwort geben zu können , verlassen wir den im rauschenden Tannicht verschwindenden Schlitten und wenden uns einer schon früher betretenen Gegend jetzt wieder zu . In hohen Schneewehen mehr als zur Hälfte begraben , ragen vier schwarze rissige starke Mauern mit zerborstenen Fenstern hinter breitem Erdwall in die Luft . Die schräg liegenden Balken eines niedrigen Wetterdaches geben dem wüsten Gemäuer einigermaßen ein gastliches Ansehen und eine Breterhütte auf der Südseite , von ziemlich hoher Planke umgeben und mit über einander geschichteten Aesten und jungen Stämmen , wie die Windbrüche des Herbstes sie niederwerfen in dichten Wäldern , geschützt , zeigen an , daß dieser entlegene Ort trotz seiner schauerlichen Einsamkeit doch bewohnt ist . Ein breiter und tiefer Fluß , jetzt mit dickem Eis und Schnee bedeckt , krümmt sich in weitem Halbkreis um Hütte und Mauertrümmer . Auf dem hohen Uferrande desselben am Anfang der Waldwiese , die sich gegen Norden ausbreitete , sieht man abermals eine der erwähnten Stangen mit beschriebener Tafel . Wir befinden uns in der Nähe des » Raubhauses , « jener verfallenen alten Burg , welche ehedem dem » Fürsten der Haide , « Herta ' s Vater , zum Schlupfwinkel diente . Die größere Cultur der Forste und die vermehrten Kohlenbrennereien und Theerhütten , die neuerdings unter Adrians Herrschaft entstanden waren , hatten auch diesen versteckten und geflohenen Winkel der Haide bekannter und besuchter gemacht , und im Schutz der Mauertrümmer ein Schenkhaus für Köhler , Kien- , Span- und Rußhändler entstehen lassen , dessen genügsamer Wirth sich leidlich nährte . Seit Jahresfrist gehörte Raubhaus und damit verbundene Köhlerkneipe zu den Besitzungen Adrians . Der Wirth dieser traurigen Waldschenke hatte in den früheren Jahren als Reitknecht in Adrians Diensten gestanden , durch einen unglücklichen Sturz mit dem Pferde aber beide Hände gebrochen und war dadurch unbrauchbar zu jedem Geschäft geworden . Der Graf ließ ihn heilen , gab ihm ein geringes Jahrgeld und setzte ihn als Schenkhalter endlich in diese Haidekneipe . Für diese gräfliche Huld war der nunmehr Versorgte seinem großmüthigen Gebieter sehr dankbar . Adrian konnte ihm blindlings vertrauen und Jussuff - so hatte ihn der Graf seines gewaltigen Bartes wegen , den er nach türkischem Schnitt zu tragen pflegte , getauft - Jussuff freute sich , dem gnädigen Herrn gefällig sein zu können . Vor drei Tagen hatte Jussuff in einem mehrere Stunden entfernt gelegenen Kretscham , wie Adrian ihm brieflich gemeldet , einen fremden Mann gefunden , dessen Signalement ihn nicht täuschen konnte . Nur sein widerlicher Begleiter machte ihn anfangs stutzig ; da ihn jedoch der Fremde für seinen alten treuen Knecht ausgab , ließ er ihn unbedenklich den mitgebrachten Bauerschlitten besteigen und brachte beide nichts weniger als freundlich aussehende Männer in seine abgelegene betretene Behausung . Als dies geschehen war , that er Adrian vorschriftsmäßig Meldung und ließ es den Fremden an nichts fehlen . » Nun , was hab ' ich gesagt , alte Hyäne ! « rief Klütken-Hannes seinem scheußlichen Gefährten zu , als Jussuff auf sein Geheiß vier Kannen glühenden mit Zucker und Gewürz stark vermischten Branntwein den Unersättlichen ohne Widerrede in ihre wohl verwahrte Bretterkammer trug . » Heißt das nicht leben , wie im Feenmährchen ? Immer Tischlein deck Dich , Krüglein füll ' Dich und nichts zu thun ! Das ist prächtig ! Aber weißt Du was , Blutrüssel , ich glaube doch , es ist der Teufel , der uns so kannibalisch füttert ! Wie ? « » Er wird Dich mästen wollen zum sechstausendsten Geburtstage seiner Großmutter , um Dich ihr als sündengespicktes Spanferkel zum Frühstück vorzusetzen , « grinste der ehemalige Räuber . » Aber was thut das ! Friß nur immer zu und sauf ' , so lange der Magen vor Brandlöchern nicht in Stücke zerfällt . Der Teufel soll leben ! « » Und wer ' s mit ihm hält hier und dort ! « Beide thaten einen tüchtigen Zug aus den dampfenden Krügen und schnalzten vor Wohlbehagen mit den Zungen . » Bin doch neugierig , wie lange das Satansfest dauern wird , « sagte Klütken-Hannes . » Verflucht wär ' s , wo wir hier in dieser Bude , in Schnee und Eis vergraben , sitzen bleiben müßten und Niemand als unser lahmer Wirth sich um uns kümmerte . « » Du hast ja noch Geld . « » Noch dreihundert Mark . « » Dann scher ' ich mich um Niemand . Ich bin hier bekannt , Hannes , denn ich sitze hier auf meiner hohen Schule , und läßt man uns im Stiche , so krieche ich in die alten Gewölbe hier unter uns , suche eine alte Laterne und ein paar Dolche zusammen und schlage mich mit Dir durch Dick und Dünn bis an einen Ort , wo ' s uns gefällt . « » Morgen früh hat mir Jussuff vornehmen Besuch angekündigt , « sagte Klütken-Hannes etwas nachdenklich . » Was würdest Du thun , wenn ' s nun wirklich so ein Stück vom Teufel wäre ? « » Fluchen und lästern . « » Warum ? « » Das machte ihn guter Laune , denn ' s ist