seit dem Tage , da ich meinen einzigen Schatz verlor , als ein Andenken an sie . « » Wir wollen durch den Wald nach Hause gehen , dort finden wir einen schattigen Weg . « Ohne meiner Worte zu achten , verfolgte er seinen eigenen Gedankengang . » Jane ! ich bin überzeugt , daß du mich für einen ungläubigen Heiden hältst , aber in diesem Augenblick schwillt mein Herz voll Dankbarkeit gegen den allbarmherzigen Gott dieser Erde . Er sieht nicht wie Menschen sehen , er sieht klarer . Er urteilt nicht wie Menschen urteilen , sondern viel weiser . Ich that unrecht . Ich wollte meine unschuldige Blume beschmutzen – ich wollte ihre Reinheit mit Schuld besudeln – und der Allmächtige entriß sie mir . Ich , in meiner starren Empörung verfluchte diese Gottesfügung ; anstatt mich dem Ratschluß zu beugen , trotzte ich ihm . Doch die göttliche Gerechtigkeit nahm ihren Lauf ; das Unglück drückte mich fast zu Boden ; ich wurde gezwungen durch das Thal der Schatten des Todes zu wandern . Seine Züchtigungen sind mächtig , und eine traf mich , die mich für immer gedemütigt hat . Du weißt , ich war stolz auf meine Kraft . Und was ist sie jetzt ? Ich muß mich fremder Führung überlassen wie ein schwaches , unmündiges Kind . Erst seit kurzem , Jane – seit kurzem begann ich Gottes Hand in meiner Strafe zu erkennen . Ich begann Gewissensqualen , Reue zu empfinden , den Wunsch , mich mit meinem Schöpfer zu versöhnen . Zuweilen begann ich zu beten ; es waren nur kurze Gebete , aber sie waren aufrichtig . « » Vor einigen Tagen – nein , ich kann sie zählen – es sind ihrer vier her ; es war am Abend des letzten Montags , da bemächtigte sich meiner eine eigentümliche Stimmung ; an Stelle der Wut und des Wahnsinns trat Kummer , an Stelle des Trotzes Schmerz . Lange schon war die Überzeugung in mir wach geworden , daß du tot sein müssest , da ich dich nirgend finden konnte . Spät an jenem Abend – es mochte vielleicht zwischen elf und zwölf Uhr sein , ehe ich mich auf mein trostloses Lager zur Ruhe legte , bat ich Gott , daß er mich bald , wenn es ihm so gefiele , aus diesem Leben nehmen und mich in jenes andere eingehen lassen möge , wo ich die Hoffnung hatte , meine Jane wieder zu finden . » Ich war in meinem eigenen Zimmer und saß am geöffneten Fenster ; die balsamische Nachtluft wirkte beruhigend auf mich . Ich konnte die Sterne nicht sehen , und nur ein vager , heller Nebel verriet mir , daß der Mond aufgegangen . O , Janet , und ich sehnte mich nach dir . Ich sehnte mich nach dir mit Leib und Seele . Ich fragte Gott – in Angst und in Demut , ob ich nun nicht lange genug einsam , heimgesucht und gequält gewesen sei ; ob ich denn niemals wieder Glück und Frieden finden solle . Ich bekannte ihm , daß ich alles verdient , was ich leiden müsse – daß ich aber kaum noch mehr ertragen könne . Und dann brach das Alpha und Omega all meiner Herzenssehnsucht unwillkürlich von meinen Lippen in den Worten : » Jane ! Jane ! Jane ! « » Und sprachen Sie diese Worte laut ? « » Das that ich , Jane . Wenn irgend ein Lauscher mich gehört hätte , so würde er mich für wahnsinnig gehalten haben , denn ich sprach sie mit tobender Energie aus . « » Und es war am letzten Montag Abend ? Ungefähr um die Mitternachtsstunde ? « » Ja ; aber die Zeit hat ja nichts zu bedeuten ; was dann folgte , ist das seltsame an der Sache . Du wirst mich für abergläubisch halten – denn ich habe etwas Aberglauben im Blute , hatte ihn stets – aber es ist dennoch wahr – wahr wenigstens ist , daß ich hörte , was ich jetzt erzähle . » Als ich rief : Jane ! Jane ! Jane ! erwiderte eine Stimme – ich kann nicht sagen , woher sie kam , aber ich weiß , wessen Stimme es war – » Ich komme , warte auf mich « , und gleich darauf trug der Wind mir noch die geflüsterten Worte zu : » Wo bist du ? « » Wenn ich kann , will ich dir den Gedanken , das Bild beschreiben , welches jene Worte vor meinem Gemüte entrollten ; doch ist es schwer auszudrücken , was ich ausdrücken möchte . Wie du siehst , liegt Ferndean in einem dichten Walde begraben , wo jeder Schall dumpf ist und ohne Widerhall erstirbt , » Wo bist du « schien zwischen Bergen gesprochen , denn ich hörte , daß ein Bergecho die Worte wiederholte . Kühler und frischer schien der Wind in diesem Augenblick meine heiße Stirn zu umfächeln ; ich hätte mir beinahe einbilden können , daß Jane und ich uns an einem wilden , einsamen Orte wiederfanden . Unsere Seelen , glaube ich , müssen sich gefunden haben . Du , Janet , lagst zu jener Stunde ohne Zweifel in tiefem , unbewußtem Schlummer , vielleicht entwand sich deine Seele ihrer Hülle und kam , um die meine zu trösten ; denn es war deine Stimme – so wahr ich lebe – es war deine Stimme ! « Mein Leser ! es war am Montag Abend – gegen Mitternacht – als auch ich den geheimnisvollen Ruf vernahm ; es waren jene Worte , mit denen ich ihn beantwortet hatte . Ich horchte auf Mr. Rochesters Erzählung , aber ich machte ihm meinerseits keine Enthüllung . Das Zusammentreffen schien mir zu unerklärlich und schreckensvoll , um darüber zu sprechen . Wenn ich irgend etwas erzählte , so wäre meine Erzählung notwendigerweise derart gewesen , daß sie einen tiefen Eindruck auf das Gemüt