und mit Ungestüm gefolgt wären , so dicht , daß er inmitten aller Aufregung und Verwirrung dennoch jeden einzelnen zu erkennen glaubte . Er sah , daß Kniehases Stirn blutete und daß Grell , der in dem wirren Durcheinander seine Kappe verloren hatte , von einem französischen Offizier niedergehauen wurde . Dann aber umschleierte sich alles vor seinen Augen , Schüsse fielen , französische und deutsche Fluchwörter , und als er eine Minute später aus dem Knäuel wieder heraus war , mußte er wahrnehmen , daß all ihre Anstrengungen nichts erreicht hatten und daß es mißglückt war , Othegraven zu befreien . Wer außer Grell noch gefallen oder gefangen war , ließ sich im Momente nicht mit Bestimmtheit übersehen . Lewin wurde vermißt ; aber er konnte zu den Versprengten und Abgedrängten gehören , von denen sich in jedem Augenblick verschiedene wieder einfanden . Nach diesem allem konnt es sich nur noch darum handeln , möglichst rasch und mit möglichst wenig Verlust aus der Frankfurter Falle wieder herauszukommen . Bamme gab Befehl erst zum Abbrechen des Gefechtes , dann zum Rückzuge . Die Pikeniere rückten über den inzwischen leer und lichtlos gewordenen Platz , dann folgte Hohen-Ziesar , dann Lietzen- Dolgelin . Die Hohen-Vietzer , die noch den meisten Halt hatten , deckten den Rückzug . Dieser ging in Ordnung , bis die Spitze der Kolonne das alte Lebuser Tor erreichte . Hier , von Flintenschüssen des wieder ins Gewehr getretenen französischen Wachkommandos empfangen , gerieten die Vordersten ins Schwanken und gleich darauf in eine Verwirrung , die sich bald dem ganzen Zuge mitteilte und während des Marsches durch die Vorstadt hin eher steigerte als minderte . Die lange Straße lag im Dunkel , hier Wagen , dort umgestülpte Fischerboote hemmten die Passage , und viele der ermüdeten Landsturmmänner glitten aus oder stürzten in die Gossen und Löcher , an denen kein Mangel war . » Licht ! « schrie Bamme , » verdammte Sottmeiers , stecken Häuser an und wollen Lichter sparen . Licht , sag ich , oder den roten Hahn auf euer Dach . « Und dabei schlug er mit seinem Fischbein , zu dem er wieder seine Zuflucht genommen hatte , an die Haustüren und Fensterläden . Das half ; einzelne Lichter erschienen , und man sah jetzt wenigstens , wo man war . So ging es in schwankender Linie die nicht enden wollende Vorstadt entlang , am Sankt-Georgs-Hospitale vorbei , bis sie zuletzt am » Letzten Heller « hielten . Die Rotten wurden abgezählt ; Lewin fehlte noch immer . Das am Spitzkrug zurückgelassene Bataillon war schon vorher aus freiem Entschluß bis an den Fuß des Berges hinabgestiegen . Ein Trost , aber auch der einzige . Das Lämpchen brannte noch immer in der vergitterten Nische , und die beiden » Nonnen « hielten nach wie vor ihre welken Kränze dem Gekreuzigten entgegen . Bamme sah eine Weile in die Nische hinein und sagte dann zu dem neben ihm stehenden Hirschfeldt : » Hier , Hirschfeldt , hier ist unser Platz , hier am Letzten Heller . Hier wurd es geplant , und hier geht es zu Ende . Ich hatt eine Ahnung davon . Der letzte Heller . Da haben wir ihn ! « Zwanzigstes Kapitel Der andere Morgen In die Nacht und dann allmählich in den dämmernden Tag hinein war der Rückzug gegangen , die Kolonne während des Marsches immer kleiner werdend . Schon am Spitzkrug waren die Barnimschen Bataillone , bei Reitwein die Compagnien Hohen-Ziesar und Lietzen-Dolgelin abgeschwenkt , und nur der verbleibende Rest , darunter die Rutzeschen Pikeniere , rückte bis Hohen-Vietz . Es schlug sieben , als sie bis dicht an Miekleys Mühle heran waren . Ein schwerer , graugelber Nebel senkte sich , und nur die Vordersten konnten das Gehöft erkennen . Dazu herrschte peinliche Stille ; die dicke Luft dämpfte den Ton , und es war , als schlichen sie heran . Bamme fühlte das und wollte damit ein Ende machen . » Vorwärts , Hirschfeldt « , rief er , » vorwärts mit der ganzen Janitscharenmusik ! Wir wollen nicht ohne Sang und Klang einrücken , als kämen wir recte von der Armensünderbank . Zeigen wir unser gutes Gewissen , oder tuen wir wenigstens so . « Und durch den Nebel hin wirbelte die Hohen-Vietzer Trommel , und einzelne Töne des Rutzeschen Hornes fielen ein . Alles dumpf und trübe , und jedem , der es hörte , ging es durch Mark und Bein . Endlich hielten sie . » Gewehr ab ! « Es war der Platz zwischen dem Krug und dem Schulzenhof ; in den Häusern war Licht , aber niemand zeigte sich auf der Straße . Berndt und Bamme hatten noch eine kurze Beratung wegen Unterbringung der Pikeniere ; dann gab die Trommel das Signal , und alles rückte in die Quartiere ab . Ehe fünf Minuten um waren , waren nur noch unsere Freunde da , schweigsam und unschlüssig , was zu tun . Keinen drängte es , die Schwelle des Herrenhauses wieder zu betreten , wußte doch jeder : Unglücksboten kommen immer zu früh . Endlich sagte Berndt , indem er auf den Schulzenhof hinwies : » Ich habe noch ein Wort mit Kniehase zu sprechen . Bitte , General , melden Sie mich bei meiner Tochter . Oder Tubal , du . « Bamme nahm Hirschfeldts Arm , und Tubal folgte . So schritten sie die Dorfgasse hinauf bis an das Herrenhaus . Jeetze stand in der Glastür und schien mit seinem verwunderten Blick nach dem alten und jungen Herrn zu fragen . » Noch im Dorf « , sagte Bamme und setzte dann in halblautem Tone hinzu : » Kommen Sie , Hirschfeldt , ich liebe keine Familienszenen . Am wenigsten solche . « Und damit ging er nach dem Korridor , der in sein Zimmer führte . Nur Tubal blieb zurück . Was war zu tun ? Sollte er bei Renaten eintreten ? Er konnt es nicht ; so