parce , judex , contristatis , parce pecatoribus , qui descendis perflammatis ultor jam in nubibus . Und der Bittgang verschwand in der Kirche . Auch die nächsten Aufseher der Kornspeicher schlossen sich dem Zuge an . Auf den Stufen der Basilika , gerade der Tür der Speicher gegenüber , saß das Weib im braunen Mantel : still und furchtlos im Aufruhr der Elemente , die Hände nicht gefaltet , aber ruhig im Schoß liegend . Der Mann in der Sturmhaube stand neben ihr . Eine gotische Frau , die in die Kirche eilte , erkannte sie im Schein eines Blitzes . » Du wieder hier , Landsmännin ? Ohne Obdach ? Ich habe dir doch oft genug mein Haus angeboten . Du scheinst fremd hier in Ravenna ? « » Ich bin fremd . Doch hab ' ich Obdach . « - » Komm mit in die Kirche und bete mit uns . « » Ich bete hier . « - » Du betest ? Du singst nicht und sprichst nicht ? « » Gott hört mich doch . « - » Bete doch für die Stadt . Sie fürchten , es komme das Ende der Welt . « » Ich fürchte es nicht , wenn es kommt . « » Und bete für unsern guten König , der uns Brot gibt alle Tage . « - » Ich bete für ihn . « Da tönte der waffenklirrende Schritt von zwei gotischen Runden , die sich an der Basilika kreuzten . » Ei , so donnre , bis du springst , « schalt der Führer der einen Schar , » aber brumme mir nicht in meinen Befehl . Haltet an . Wisand , du bist ' s ? Wo ist der König ? Auch in der Kirche ? « » Nein , Hildebad , auf den Wällen . « » Recht so , da gehört er hin ! Vorwärts , Heil dem König . « Und die Schritte verhallten . Da kam ein römischer Lehrer mit einigen seiner Schüler vorbei . » Aber , Magister , « mahnte der jüngste , » ich dachte , du wolltest in die Kirche ? Warum führst du uns sonst aus dem Hause ins Freie bei diesem Unwetter ? « » Das sagte ich nur , um euch und mich aus dem Hause zu bringen . Was Kirche ! Ich sage dir , je weniger ich Dächer und Mauern um mich weiß , desto wohler ist mir . Ich führ ' euch auf die große , freie Wiese in der Vorstadt . Ich wollte , wir hätten Regen . Wäre der Vesuvius nahe genug , wie in meiner Heimat , ich dächte , Ravenna werde heut ' ein zweites Herculaneum . Ich kenne solche Luft , wie sie heute - ich traue nicht ! « Und sie gingen vorüber . » Willst du nicht mit mir gehn , Frau ? « sprach der Mann in der Sturmhaube zu der Gotin . » Ich muß sehen , Dromon , unsern Gastfreund , jetzt zu treffen : sonst kommen wir diese Nacht wieder nicht unter Obdach . Ich kann dich nicht allein lassen im Dunkeln . Du hast kein Licht bei dir . « » Siehst du nicht , wie mir die Blitze leuchten ? Geh ' nur , ich komme nach . Ich muß noch was zu Ende denken - , zu Ende beten . « Und die Frau blieb allein . Sie preßte beide Hände fest gegen die Brust und sah gegen den schwarzen Himmel : leise nur bewegten sich ihre Lippen . Da war es ihr , als sähe sie in den Hochgängen , Galerien und Oberhallen des gewaltigen Holzbaues der Speicher , die in dunkeln Massen ihr gegenüber lagen , aus dem steinernen Rundbau des Zirkus ragend , ein Licht auftauchen und hin und wieder , auf- und abwärts wandeln . Es mußte wohl eine Täuschung durch die Blitze sein . Denn jedes frei getragene Licht hätte der Wind in den nach außen offenen Galerien verlöscht . Aber nein : es war doch ein Licht . Denn in regelmäßigen Zwischenräumen wechselte sein Aufleuchten und sein Verschwinden , wie wenn es hastigen Schrittes entlang den Gängen mit ihren verdeckenden Pfeilern und Halbmauern getragen würde . Scharf sah die Frau nach dem wechselnden Licht und Schatten ... - - Aber plötzlich - o Entsetzen - fuhr sie empor . Es war ihr : als sei die Marmorstufe , auf der sie gesessen , ein schlafend Tier gewesen , das , jetzt erwachend , sich leise regte , lebendig wurde - und schwankte , - stark , - von der Linken zur Rechten . - Blitz und Donner und Sturm ruhten auf einmal . - Da scholl aus den Speichern ein schriller Schrei . Hell aufflammte das Licht und verschwand plötzlich . - Aber auch die Frau auf der Straße stieß einen leisen Angstruf aus . Denn jetzt konnte sie nicht mehr zweifeln : die Erde bebte unter ihr ! - Ein leises Zucken : und plötzlich zwei , drei starke Stöße : als hebe sich wellenförmig der Boden von der Linken zur Rechten . Aus der Stadt her tönte Angstgeschrei . Aus den Türen der Basilika stürzte in Todesangst die laut kreischende Schar der Beter . - Noch ein Stoß ! - Die Frau hielt sich mit Mühe aufrecht . Und fernher , von der Außenseite der Stadt , scholl ein gewaltiges dumpfes Krachen , wie von massenhaft stürzenden , schweren Lasten . Ein furchtbares Erdbeben hatte Ravenna heimgesucht . Einundzwanzigstes Kapitel . Während die Frau sich in der Richtung jenes dumpfen Schlages wandte , drehte sie einen Augenblick den Speichern den Rücken . Aber rasch wandte sie sich diesen wieder zu . Denn es war ihr , als sei eine schwere Türe zugefallen . Scharf blickte sie hin . Doch in der tiefen Finsternis konnte ihr Auge nichts wahrnehmen . Nur ihr Ohr hörte etwas sacht an der Außenmauer des Gebäudes dahinrascheln