mich , durch die große Stadt mich von meinem Fleiße nicht abbringen zu lassen . Ach Gott , die große Stadt war für mich bei meinen so kargen Mitteln nichts als ein Wald , dessen Bäume auf mich keine Beziehung haben , und sie trieb mich durch ihre Fremdartigkeit eher zum Fleiße an , als daß sie mich abgehalten hätte . Am Tage der Eröffnung des Unterrichtes ging ich , der ich nun doch schon einige auf mich bezügliche Wege wußte , in die hohe Schule . Dort wogte ein großes Gewimmel durch einander . Alle Fächer wurden hier gelehrt , und für alle Fächer fanden sich Schüler . Die meisten sahen sehr begabt , gebildet und behende aus , so daß ich wieder im Glauben an meine nur geringen Kräfte zu zagen anfing , hier gleichen Schritt halten zu können . Ich begab mich in den Lehrsaal , in den ich gehörte , und setzte mich auf einen der mittleren Plätze . Die Lehrstunde begann und ging vorüber , so wie nun viele nach und nach begannen und vorüber gingen . Sie und die ganze Stadt hatten noch immer etwas Ungewöhnliches für mich . Das Liebste war mir , in meinem Stübchen zu sitzen , an meine Vergangenheit zu denken und sehr lange Briefe an meine Mutter zu schreiben . Als einige Zeit verflossen war , wuchs mir Mut und Kraft im Herzen . Unser Lehrer , ein würdiger Rat in der Rechtsversammlung der Schule , lehrte fragend . Ich schrieb getreulich seine Lehren in meine Hefte . Als schon eine große Zahl meiner Mitschüler gefragt worden war , als endlich die Reihe auch mich getroffen hatte , erkannte ich , daß ich vielen , die mich an Kleidern und äußerem Benehmen übertrafen , in unserem Lehrfache nicht nachstehe , sondern einer großen Zahl vor sei . Dies lehrte mich nach und nach die mir bisher fremd gebliebenen Verhältnisse der Stadt würdigen , und sie wurden mir immer mehr und mehr vertraut . Einige Schüler hatte ich schon früher gekannt , da sie vor mir von der nämlichen Lehranstalt , in der ich bisher gewesen war , hieher übergetreten waren , andere lernte ich noch kennen . Als meine Barschaft , mit der ich sehr strenge Haus hielt , sich schon sichtlich zu verringern begann , wurde ich von einem meiner Mitschüler , der mein Nachbar auf der Schulbank war und aus meinem Munde gehört hatte , daß ich früher Unterricht gegeben habe , aufgefordert , seine zwei kleinen Schwestern zu unterrichten . Wir hatten durch die tägliche Berührung eine Art Freundschaft geschlossen , und waren einander geneigt . Als er daher zu Hause gehört hatte , daß man für die zwei kleinen Mädchen einen Lehrer suche , schlug er mich vor , und erzählte mir auch von der Sache . Die Eltern wollten mich sehen , er führte mich zu ihnen , und ich wurde angenommen . Auch hatten die Schritte , welche ich selber nach meiner Berechnung der Dinge getan hatte , um durch Erteilung von Unterricht einen Erwerb zu bekommen , Erfolg . Sie hatten zwar keinen bedeutenden , auf einen solchen hatte ich nicht gerechnet , aber sie hatten doch einen . So war das in Erfüllung gegangen , was ich durch meine Umsiedlung in die große Stadt angestrebt hatte . Ich lebte jetzt sorgenfrei , hatte in dem Hause meines Freundes , in welches ich öfter geladen wurde , eine Gattung Familienumgang , und konnte mit allem Eifer der Erlernung meines Faches mich widmen . In den ersten Ferien besuchte ich die Mutter und Schwester . Ich hatte die besten Zeugnisse in meinem Koffer , und konnte ihnen von meinen sehr guten anderweitigen Erfolgen erzählen ; denn gegen das Ende des Schuljahres hatten sich diese sehr gebessert . Mit ganz anderem Herzen als vor einem Jahre konnte ich nach dem Ende der Ferien das mütterliche Haus verlassen und die Reise in die Stadt antreten . Nach dem zweiten Jahre konnte ich die Meinigen nicht mehr besuchen . Ich war in der Stadt bekannt geworden , die Art , wie ich Kinder unterrichtete sagte vielen Familien zu , man suchte mich , und gab mir auch einen größeren Lohn . Ich konnte mir dadurch mehr erwerben , legte mir stets etwas als Sparpfennig zurück , und hatte bei der Freudigkeit meines Gemütes über diesen Fortgang Kraft genug , neben meinem Fache auch noch meine Lieblingswissenschaften Mathematik und Naturlehre zu betreiben . Nur das einzige war störend , daß die Familien , bei denen ich Unterricht gab , nicht gerne sahen , daß ich durch eine Reise den Unterricht unterbreche . Es war diese Forderung eine begreifliche , ich blieb mit den Meinigen in einem lebhafteren Briefwechsel als früher , und verabredete mit ihnen , daß ich nicht eher als nach Beendigung meines Lehrganges sie wieder besuchen , dann aber einige Monate bei ihnen bleiben wolle . Hiemit waren auch die , in deren Dienste ich stand , zufrieden . Die Stadt , welche mir anfangs so unheimlich gewesen war , wurde mir immer lieber . Ich gewöhnte mich daran , immer fremde Menschen in den Gassen und auf den Plätzen zu sehen und darunter nur selten einem Bekannten zu begegnen ; es erschien mir dieses so weltbürgerlich , und wie es früher mein Gemüt niedergedrückt hatte , so stählte es jetzt dasselbe . Einen schönen Einfluß übten auf mich die großen wissenschaftlichen und Kunsthilfsmittel , welche die Stadt besitzt . Ich besuchte die Büchersammlungen , die der Gemälde , ich ging gerne in das Schauspiel , und hörte gute Musik . Es lebte von jeher ein großer Eifer für wissenschaftliche Bestrebungen in mir , und ich konnte demselben jetzt bei der Heiterkeit meiner Lage Nahrung geben . Was ich bedurfte , und was ich durch meine Mittel mir nicht hätte anschaffen können , fand ich in den Sammlungen . Da ich den sogenannten Vergnügungen nicht nachging , sondern in meinen Bestrebungen mein Vergnügen fand ,