im Munde hat ; das schluckt sich nicht nur so augenblicklich hinunter . - Aber auf eine Antwort warten lassen ! - Lieber riskirt man im Verschlingen das Unmögliche . Der geneigte Leser wird hieraus ersehen , daß das Essen und Trinken bei Hofe auch seine großen Unannehmlichkeiten hat und daß die Herren und Damen desselben darum gerade nicht zu beneiden sind . Man kann von ihnen in Wahrheit sagen , sie essen meistens ihr Brod im Schweiße ihres Angesichts ; und es ist das oftmals ein hartes Brod , nicht gewürzt durch wahre Freude . Die Meisten von denen , welche der Spielpartie heute Abend anwohnen mußten - wir sagen nicht ohne Absicht mußten - gingen fast mit den gleichen Gefühlen hin , wie der arme Graf Fohrbach . Sie schleppten am Fuß ihre unsichtbare Kette und fühlten sich wohl unglücklicher , wenigstens gelangweilter , als Tausende von anderen Menschen , die im mäßig erwärmten Zimmer um eine Schüssel Kartoffeln sitzen , ein Stück Brod in der Hand und einen freien Willen im Herzen . - Hier betritt man den glänzenden und reich erleuchteten Salon , nachdem man vor der Thüre sich vielleicht heftig auf die Lippen gebissen und einen letzten tiefen Seufzer gethan , da man an andere Freuden gedacht , die heute Abend zu genießen wären . Darauf legt sich das Gesicht in freundliche Falten , das Auge glänzt schalkhaft und liebenswürdig , und diese Maske muß den ganzen Abend festgehalten werden , obgleich manche dieser scheinbar so glücklichen Damen sich lieber mit gerungenen Händen in eine Ecke setzen würde , um heiße , bittere Thränen zu weinen . Ja , der Ausdruck der Freude und des Glückes muß beibehalten werden , bis Ihre Majestät zweimal leicht den Mund verzieht und dann bemerkt : » Es ist sogleich elf Uhr , « bis ihr eines der Ehrenfräuleins den weißen Burnus umhängt , bis sie die Frau Herzogin auf die Stirn geküßt hat und mit einem » adieu ma chère ! « Abschied genommen . - Dann folgt noch ein tiefer Knix rings umher , ein zweiter , wenn sich endlich auch die Frau Herzogin zurückzieht ; die Thüren zu den Vorzimmern werden geöffnet , die Bedienten reichen Mäntel und Shawls , die Herren sagen flüchtig eine gute Nacht , die Damen suchen ihre Wagen oder eilen durch die nun sehr öden und halb dunkeln Gänge des Schlosses nach ihren Zimmern , - und dann erst fällt die Maske , dann erst trübt sich der bis jetzt so heitere Blick , und Manche denkt an einen verlorenen Abend , Manche preßt die Hand auf das Herz und schaudert leicht zusammen , wenn sie an so viele dergleichen Abende denkt , die schon hinter ihr liegen , und an unzählige , die wahrscheinlicherweise noch auf sie warten . - Und so ist das auch eine Art Sklavenleben , geliebter und sehr geneigter Leser . In der beschriebenen Art ging auch die heutige Soirée zu Ende , und wenige Augenblicke , nachdem sich die Herrschaften zurückgezogen , war das kleine schöne Apartement gänzlich verlassen . Was nun den Herrn Herzog anbelangte , so hatte er sich auch nicht beim Souper sehen lassen , wodurch sich der Graf veranlaßt sah , mehrere tiefe Seufzer zu unterdrücken , zuweilen die rechte Hand krampfhaft zu ballen und auf seinem einmal gefaßten Entschlüsse , den Bericht selbst anzuhören , fest zu beharren . Nachdem er den Herren und Damen , die an ihm vorüber geeilt , eine gute Nacht gewünscht , ließ er sich von seinem Jäger , der im Vorzimmer auf ihn wartete , den Mantel umhängen . » Du hast den Herrn Erichsen getroffen ? « fragte er ihn . Worauf Franz erwiderte : » Ich habe den Brief Euer Erlaucht in seine Hände gegeben . « » Er las ihn durch ? « » Herr Erichsen las ihn durch , lächelte und sagte : ich will es bestens besorgen . « » Schön ; ich danke . Du kannst mit dem Wagen nach Hause zurückkehren , ich brauche ihn nicht und komme vielleicht in einer Stunde zu Fuß . - Gehe aber vorher drunten in ' s Adjutantenzimmer und nimm die Schärpe mit , die dort liegen geblieben . « Achtundfünfzigstes Kapitel . Ein Bericht . Es war unterdessen elf Uhr geworden ; Graf Fohrbach zog seinen Mantel fester um sich und schritt über das Vestibül und die große Treppe hinab , die nur noch spärlich erleuchtet war . Die blaue Gallerie lag im anderen Theile des Schlosses , und um dorthin zu kommen , mußte er über einen langen Korridor , der beinahe gänzlich dunkel war , denn nur an beiden Enden desselben flackerten um diese Stunde noch ein paar trübe Lampen . Doch kannte er den Weg genau , und wenn er sehr behutsam dahin schlich , so geschah dies nur , damit seine Sporen auf dem Steinpflaster nicht klirren und irgend einen der sich unten aufhaltenden Bedienten oder die Wache beunruhigen möchten . Es ist aber eigenthümlich , wie sich in der Stille der Nacht jeder Ton verdoppelt und hörbar ist , den man am Tage gar nicht beachtet . So vernahm auch Graf Fohrbach jetzt deutlich seinen leisen , fast geräuschlosen Schritt , und wenn sich zufällig sein Säbel bewegte , so klirrte es gerade so , als rassele Jemand mit einer Kette . Der Adjutant erreichte bald das Ende des Korridors und stieg dort eine Wendeltreppe hinauf , die ihn auf einen Vorplatz führte , den er quer durchschreiten mußte , um zum Eingang der blauen Gallerie zu gelangen . Hier war es schon schwieriger , sich zurecht zu finden , denn nirgendwo brannte ein Licht , und die Nacht war so finster , daß man kaum die hohen Fenster von der Wand unterscheiden konnte . Hier war die blaue Gallerie ; jetzt galt es , die vierte Thüre zu finden . Sehen konnte er nicht eine einzige , er mußte also an der Wand hintappen