ehrliche Leute anzuführen . « » Warum wird ' s nicht ! « erwiederte etwas ärgerlich Leberecht . » Der erste Bote hat die Nachricht von Pink-Heinrich selber , und der weiß , was er red ' t , sonst macht er lieber die Zähne nicht auseinander . Wir aber , Marie , Eduard , wir wollen Gott danken , daß es dahin gekommen ist , denn nun gehen wir gewiß und wahrhaftig besseren Zeiten entgegen ! « » Wer ' s erlebt ! « seufzte Marie , den schmerzenden Kopf immer in leise schwingender Bewegung haltend . » Nur nicht verzagt ! « ermahnte Leberecht die Kranke . » Es ist mit der Noth wie mit Zahnschmerzen . Auf einmal , wenn ' s recht entsetzlich gezogen und gestochen hat , hört ' s von selber auf und man fühlt sich wie neu belebt . So wird ' s uns gehen , gebt acht ! Das Elend hat sein Thun aus , wie wir sagen , und kein Unglück kann uns mehr ' was anhaben . Schon die bloße Nachricht hat mich neu gestärkt und frisch belebt , und da Morgen Pauli Bekehrung ist und unser katholischer Herr da nicht dreschen läßt , will ich mich flugs aufmachen und ein paar Stunden weit laufen , um genauere Kundschaft einzuziehen . « » O Jesus Christus ! « wimmerte Marie . » Was hast Du , Mutter ? « fragte Leberecht und setzte sich neben sie , behutsam seinen Arm um die vor Schmerz Zitternde legend . » Mir ist ' s , als sollten mir die Augen aus dem Kopfe springen ! Nimm mir das Tuch ab - es brennt mich wie glühende Kohlen . « Leberecht entfernte die Binde und nahm die brennend heißen Leinwandflecken von den entzündeten Augen . Marie preßte die Lider fest zusammen , erst nach einiger Zeit versuchte sie aufzublicken . » Noch im Finstern ? « sagte sie verwundert . » Ich dächte doch , Eduard hätte gewirkt und sich zuvor Feuer angeschlagen . « » Die Lampe brennt , Mutter ! « » Wo denn ? « » Mein Gott , keine drei Schritte von Dir ! Das Tuch hat Dich gedrückt . « » Blinzle ein paar Mal , « sagte Leberecht , » das wird helfen . « Marie drückte die schmerzenden Augen wieder fest zu und blickte dann mit weit aufgerissenen Lidern um sich . » Nicht wahr , nun ist ' s besser , armeTaube ? « » Es ist noch immer finster . « » Die Lampe , Eduard ! Geschwind die Lampe ! « Der erschrockene Sohn sprang mit dem helllohenden Docht heran . Leberecht riß sie ihm aus der Hand und hielt sie dicht vor Marien ' s Augen . Sie waren ganz trocken und ein dicker grauer Schleier überzog die Pupillen . » Siehst Du jetzt ? « » Nacht , nichts als Nacht ! « » Barmherziger Gott ! « schrie Leberecht und ließ die Lampe fallen , daß der brennende Docht einige Garnflocken erfaßte , die Funken glimmend über die Stube his unter die Webstühle liefen und in wenigen Augenblicken die Werften in helle Flammen setzten . » Also blind ! « jammerte Marie . » Blind geworden von der nächtlichen Arbeit , bei der wir doch fast verhungert sind . « » Feuer ! Die Stühle brennen ! « schrie Eduard , der die aufschlagenden Flammen zuerst gewahrte . In der Angst stürzte er sich mit Ungestüm auf die Gewebe , schlug mit beiden Händen in die Flammen , um sie zu dämpfen , verschaffte ihnen aber dadurch nur noch mehr Nahrung . Er fühlte nicht , daß er sich furchtbar verbrannte , daß ihm die Haare auf dem Kopfe abfengten und die leckende Flamme schon durch die Fensterritze an den Wänden hinaufschlug . » Es ist keine Rettung , « sprach Leberecht in verzweifelter Ruhe . » Laß brennen , was mag ! Komm , hilf uns die blinde Mutter retten ! « Eduard vermochte aber vor Schmerz keine Hand mehr zu rühren . Er stieß nur die Thür auf , um den Vater mit der theuern Last hinaus zu lassen . Dann stürzte er nach in ' s Freie und warf sich heulend in den kalten flimmernden Schnee . Die Glocken stürmten , die Nachbarn eilten zum Löschen herbei , aber Niemand , Niemand geedachte im Moment der Bestürzung der Unglücklichen ! Auf der Schwelle des Nachbarhauses saß Leberecht und starrte in die Flammen seines gewesenen Hauses . Auf seinem Schooße hielt er die erblindete Marie , die mit den entzündeten trüben Sternen in die kalte Nacht lautlos hineinstierte . Zu ihren Füßen krümmte sich Eduard in wildem Schmerz , die verbrannten Hände in seinen Thränen badend . Viertes Kapitel . Das Complott . Zwölf Tage vor diesem traurigen Ereignisse , das wir des Zusammenhangs wegen schon jetzt unsern Lesern mitzutheilen für schicklich hielten , und einen Tag später , als Adrian an seinen Bruder Adalbert schrieb , flog ein einzelner Schlitten durch die öde , erstarrte Haide . Der Lenker , ein stattlicher Mann mit blassem Gesicht und dünnem braunen Haar , trug starke Fuchshandschuhe und war in einen kostbaren mit feinem Zobel verbrämten Bärenpelz gehüllt . Hinter ihm auf der Pritsche , die Füße in Pelzstiefeln steckend und ebenfalls hinlänglich gegen die Kälte verwahrt , saß der Kutscher oder Bediente oder was der Mann sonst etwa noch vorstellen mochte . Der einsame Schlitten glitt bisweilen über kleine Lichtungen , auf welchen Stangen mit Tafeln standen , an denen man das Wort » Schonung « las . Diese Tafeln waren numerirt . » Darauf gib Acht , Jean ! « sagte der Mann im Schlitten , auf die Stange mit der Tafel zeigend . » Schreib Dir die Nummer auf , damit Du Dich später nicht verirrst ! « Jean nickte mit dem Kopfe , zog ein Taschenbuch hervor und notirte sich die Nummerzahl des Pfahles mit der