Alle . Der König wandte sich nun , mit Anmuth grüßend , zu allen Anwesenden , und mit besonderer Hochachtung zu der edlen Mutter seines verstorbenen Freundes . Die augenblickliche Verlegenheit , die diesem unerwarteten , fast unerklärlichen Ereigniß folgte , da man den König seiner jungen Gemahlin harrend glaubte , und jeden Augenblick die Meldung ihrer Landung ihn alsdann ihr entgegen nach einer ganz andern Richtung führen mußte , wich doch bald der Nothwendigkeit , jedes Erstaunen zu unterdrücken , welches der König erwarten durfte erregt zu haben . Derselbe schien jedoch so ernst nachdenkend und wie von einem Gedanken vorherrschend beschäftigt , daß man sich unbeachtet in seiner Gegenwart glauben konnte ; nur die verwitwete Herzogin und Lord Richmond machten davon eine Ausnahme . Die Herzogin hatte den ganzen Abend seine zahllosen Fragen zu beantworten , welche unverkennbar irgend einen Zweck hatten , und sich alle um die Reise ihres Gemahls seinen letzten Willen und ihr eignes Leben seit dessen Tode drehten . Eben so Lord Richmond . Der König blickte ihn mit langen prüfenden Blicken an , während er mit der Herzogin redete , und Jeder sah , daß dieser seine vorzügliche Aufmerksamkeit fessele . Unser erstes Zusammentreffen , Lord Derbery , sprach er freundlich , war ernster Art , gereichte Euch aber so sehr zur Ehre , daß Ihr es nicht anders wünschen könnt . Der erste wichtige Moment meines Lebens , unter den Augen Euer Majestät bestanden , erwiederte Richmond bewegt , möge alle folgenden der Art heiligen ! So ! sagte der König mit beinahe wankender Stimme ; habt Ihr seitdem fortgefahren , das Werk ritterlichen Schutzes zu üben ? Richmond blickte überrascht den König an und traf auf das prüfende , ausdrucksvolle Auge desselben , worin etwas lag , das er nicht verstand . Die Gelegenheit soll mich entschlossen finden , hoffe ich , erwiederte er ; doch zu suchen braucht sie der Mann nicht . Brav , brav ! rief der König , und ich glaube , der Muth , der zu seiner Befriedigung die Gefahren veranlaßt , die er zu bestehen trachtet , führt mehr Unheil herbei , als ihm abzuwenden gestattet ist . Er ward nach diesen Worten aufs Neue still und nachdenkend , und erhob sich sodann , um sich früh in seine Zimmer zurück zu ziehn , kündigte seine Abreise auf den andern Tag an und erbat sich , die Zimmer des verstorbenen Herzogs bewohnen zu dürfen . Das zurückbleibende Gefolge des Königs bestätigte vollkommen die Ansicht , daß dieser auffallenden Reise eine Absicht von der höchsten Wichtigkeit zum Grunde liegen müsse , da die alle Kräfte anspannende Schnelligkeit , wie das anbefohlene strenge Geheimniß , den unpassenden Zeitpunkt derselben schien vermitteln zu sollen , und sie vom Könige beschlossen ward , als er vom Sterbebette seines alten Kammerdieners , des Master Porter , kam . Die Herzogin sah , trotz ihrer kalten Haltung , mit einiger Spannung dem andern Morgen entgegen , der ihr in einer vom Könige erbetenen geheimen Unterredung den wahrscheinlichen Grund seiner Reise offenbar machen sollte . Der König , der schon beim Eintritte in die Gemächer seines Freundes eine lebhafte Bewegung gezeigt hatte , entließ , sich nach Einsamkeit und Ruhe sehnend , sobald es möglich war , die Herren des Hauses , wie seines eigenen Gefolges und durchschweifte nun mit großen Schritten die schönen Räume . Porters naher Tod und die Qualen der Sterbestunde , die den Unglücklichen im doppelten Kampf des Geistes und Körpers zu Theil wurden , hatten endlich das lang unterdrückte Gefühl für Recht über alle Sophismen einer jesuitischen Erziehung siegen lassen . Er sah wohl ein , daß die Spur zur Auffindung der unglücklichen Lady Maria , die er durch Lanci gegeben , ihr nur eine höchst bedingte und zweifelhafte Rettung werden würde , so lange der König an ihren Tod glaubte und ihr nicht unmittelbaren Schutz verleihen konnte . So überwand er jede andere Rücksicht und offenbarte seinem grausam betrogenen Herrn sein ganzes tief verworrenes Leben in allen seinen Beziehungen zu der unglücklichen jungen Dame . Mit welchem Erzürnen auch der König eine solche empörende Beichte anhören mochte , der Gedanke , sie lebe und sei ihm wieder zu gewinnen , löschte jede andere Regung in ihm aus , und er sah Porter als seinen größten Wohlthäter an , als habe mit diesem letzten Dienst ein ganzes Leben voll Verrath und Lüge die Weihe der Tugend bekommen . Porter empfahl noch mit sterbender Stimme dem Könige , Niemandem zu vertraun , selbst Godwie-Castle aufzusuchen , wo er sie - gelang Lord Richmonds Versuch - finden müßte ; denn Porter hatte nur zu viel Ursache , zu glauben , die heiligen Väter hätten , ihm unbewußt , den Platz bereits mit andern Kundschaftern besetzt , von dem sie ihn bald durch den Tod abgesetzt wähnten . Der König gab sich nach dieser Entdeckung ganz seinem ungestümen Herzen hin , in dessen Folge wir ihn in einem so kritischen Augenblick den Weg antreten sehn , von dessen glücklichem Erfolg er sich alles Glück versprach , dessen er sich noch fähig hielt . Nachdem er die Gesuchte unter den versammelten Damen nicht gefunden und durch Lord Richmonds Anwesenheit sich doch überzeugt hatte , es müsse irgend etwas sich ergeben haben , fühlte er eine Muthlosigkeit des Geistes , die es ihm unmöglich machte , sich an demselben Abend noch Gewißheit zu verschaffen . Er hatte überdies in den Gemächern seines Freundes noch ein wichtiges Dokument aufzusuchen , und wir sehn ihn jetzt in das Schlafgemach treten , wohin wir früher die Herzogin begleitet haben . Derselbe Gegenstand war auch das Ziel des Königs ; die Holzwand wich dem bekannten Drucke , das schöne Bild lächelte ihm entgegen und machte alle Wunden seiner Brust aufs Neue bluten . Wir enthalten uns , eine Stimmung der Seele zu belauschen , worin dieser zum Unglück bestimmte Monarch von seiner Jugend und allen ihren Hoffnungen Abschied nahm . In ewiges Dunkel begraben blieb der