und diese wird immer fehlen , da ich in ihr die Schlange erkannt habe . Ich beklage nur ihr Schicksal , das meines Hauses so ganz unwürdig ist , und zu dessen Entscheidung Bitten und Dringen den Rath noch nicht vermögen konnte . Und das Kind der Unglücklichen .... « » O schweigt , schweigt : « fiel Dagobert rasch ein : » Ihr spracht wahr , ... sie ist eine Schlange , aber dieses Kind , von welchem Ihr redet , ist ihr fremd , - und gerade darum , ... o mein Vater .... ich wage es nicht diese Räthsel zu lösen , da ich nur einer mildern , günstigern Zeit es vertrauend überlasse ! Dem sey , wie ihm wolle ; Wallradens Haft bleibt ein Brandmal für unsre ganze Sippschaft , wenn wir sie nicht mit Gewalt zu Ende führen . Dieser Pflicht gilt mein heutiger Ritt , und es wird sich zeigen , ob ich Glück mitbringe oder getäuschte Hoffnung . « - Zum Lebewohl reichte er dem staunenden Vater die getreue Hand , und begegnete auf des Hauses Schwelle dem kleinen Hans mit Fiorillen . » Grüß Dich Gott , Mühmlein ! « rief er lustig : » Der Teufel ist mit Gottes Hülfe ausgetrieben , obgleich der Ohm noch im Oberstocke wohnt ; bete für mich , schöne Bekehrte , daß der Schwarze gänzlich aus dem Wege bleibt ! « - Florille deutete sorglich nach der Treppe , und winkte dem Jüngling Schweigen zu . » Ich sehe es gerne , « sagte sie flüchtig und scheu , » daß Ihr Eure Laune wieder himmelblau gekleidet habt , - aber die Vertraulichkeit , die Ihr mir zu Kostnitz schenktet , mäßigt vor der Eifersucht des Prälaten , und dem Ernste Eures Vaters , und den Lauerblicken des Gesindes . Ich verlange nun nichts mehr zu gelten , als eine Magd , und frage nur aus teilnehmenden Herzen nach der holden Esther , deren Haus so schmählich zu Grunde gieng . « - Dagobert flüsterte ihr in ' s Ohr , daß Esther sicher sey , und wollte fort . Da klammerte sich Hans an ihn , und fragte : » Schon wieder , lieb Brüderlein , willst Du scheiden ohne Gruß und Kuß für den armen kleinen Hans ? « - » Ach , Du armer Bube ! « redete Dagobert zu ihm , und zog ihn zu sich empor : » Du armes Unglücksmännlein ! kannst Du mir nicht sagen , wo der rechte Johannes ist ? « - Der Knabe sah ihn groß an , und erwiederte : » Ich verstehe Dich nicht , lieber Dagobert . Aber in der Erde oder im Himmel muß er seyn , glaube ich . « - » In der Erde , im Himmel ? « versetzte Dagobert düster : » O Du sagst die Wahrheit , Du armer Bube . « - » Was habt Ihr denn , guter Junker ? « fragte Fiorilla theilnehmend . - » Du verstehst mich auch nicht , Blümchen , « erwiederte Dagobert , seinen Trübsinn zum Scherz zwingend , und wollte Gott , ich verstünde mich selbst nicht , und wäre noch wie wohl sonst , und könnte hier den Buben lieb haben , wie sonst , und wüßte nicht .... aber wahrhaftig , ich rede thöricht Zeug , und wünsche doch nicht , daß Dein Mund meine Tollheit verrathe , meine Freundin . » Hörst Du ? « - » Habt Ihr nicht erfahren , daß ich schweigen kann ? « fragte Fiorilla entgegen : » Aber so gebt doch dem guten Jungen , der schon lange sein Mäulchen spitzt , einen Kuß , bevor Ihr geht . « - » Das will ich ; « sagte Dagobert , indem er dem Hans einen derben Schmatz aufdrückte : » Da , mein kleiner Hans ! Und wenn ich wiederkehre , bringe ich Dir einen Butterwecken mit , damit Du glaubest an meine Freundschaft . « - » O ja , « rief der Kleine fröhlich hüpfend : » Einen Wecken und die gute , liebe Mutter ; nicht wahr , Dagobert ? « - » Deine Mutter ? Deine gute , liebe Mutter ? « fragte Dagobert schnell und überrascht ; dann setzte er mit einem stillen Seufzer hinzu : » Ja , mein Hans , Deiner Mutter gilt auch mein Gang . Leb ' wohl ! « - Mit einem bittern Zug um den Mund stellte er den Knaben nieder , und eilte , was er nur konnte , dem Thore zu , unter dessen Schwibbogen Gerhard und Vollbrecht seiner harrten , denn der Mittag kam mit Macht heran . Der Hülshofner fluchte wie ein Heide über des Junkers langes Aussenbleiben , und behauptete : entweder sey der Gaudieb schon wieder seines Wegs zurückgekehrt , oder die Mittagssonne würde sie verschmachten lassen , bevor sie einen dienlichen Hinterhalt erreicht haben würden . Dagobert ermangelte nicht , ihm wie gewöhnlich Trost zuzusprechen , und seinen erkalteten Eifer anzufachen . Er verhieß ihm frischbelaubte , starkschattige Eichbäume , um sich darunter zu lagern , eine kühle Quelle , um den verdorrenden Gaumen zu netzen , und Abends , ob nun das Gelingen den Plan krönen würde , ob nicht , etwas Besseres , als kühles Wasser zur Erquickung . Diese Prophezeiungen willig für ein Evangelium haltend , trabte Gerhard dem voraneilenden Dagobert nach , der , seinen Gedanken nachhängend , wenig auf die vielen Fragen des Kämpfers erwiederte . Eine ziemliche Strecke von der Stadt entfernt , dem Gutleuthause gegenüber , fanden die Reiter gut , zu rasten . Aber da war nicht Eichbaum , nicht Quelle , sondern ein dürrer Erdaufwurf , hoch genug , Gaul und Reiter zu verbergen , umschattet von magern Schlehenbüschen , die dem kleinsten Sonnenstrahl willig den Durchgang ließen . Vollbrecht hatte jedoch in beträchtlicher Entfernung einige Gestalten auf dem krummlaufenden Wege bemerkt , die aus dem Forste zu kommen , und