Menschen nie so ernst als die der Liebe , jene soll nur der andere glauben , diese glaubt er selber ; alle hatte das Aussprechen ausgeheitert . Wenn sonst eine vergangne kalte Minute den Liebenden , wie eine kalte Nacht den Bienen , noch die Blumen zuschließet , woraus sie den Honig nehmen , so war hier nach dem Sturm aus klarer blauer Luft der Himmel reiner und stiller , und die Ruhe wurde Seligkeit wie die Seligkeit Ruhe . Durch Albano war , obwohl schnell , die Furie der Furcht gegangen , die ein umgekehrtes Sternrohr hält und dadurch den Menschen einen ganz fernen ausgeleerten Himmel ohne Sterne zeigt ; aber nicht so durch Linda : sie hatte immer in Liebe und Hoffnung fortgesprochen , und für ihr glühendes Herz gab es keine Stellen mit Eis . Darum war er jetzt so selig , und so beglückt vom Anschauen der kräftigen Natur ! Eine hohe lange Tal-Kette , worin Wein und Öl in Blütendüften flossen , führte alle dem großen Rom entgegen . Eine Zeitlang durfte sie der Jüngling begleiten ; endlich mußt ' er zu einer langen Entfernung Herz und Auge von den Geliebten reißen , als über die grünen Täler her schon die mächtige Peters-Kuppel herüberglänzte und die Zypressen , stolz nur von Zypressen umgeben , das Gold des Abends auf den Zweigen trugen , ohne sie zu regen . Alle hatten das Auge am schönen Rom , aber ihr Herz war nur auf Isola bella , wo sie einander wiederzufinden versprachen . 117 . Zykel Auf dem Wege nach Isola bella dacht ' er seiner kriegerischen Stunde mit der heftigen Linda nach und dem Charakter dieser Kriegsgöttin . Er erschrak über die steile Höhe , über welche er sich vor wenigen Tagen so weit herübergebückt , da Linda so entschieden ist , nichts kennt als Leidenschaft oder Vernichtung . Und doch fand er jetzt in der Abkühlung ihre gebietende Foderung an seine Freiheit noch härter und sagt ' es sich stark , das Weib dürfe nicht das heilige Gebiet der männlichen Entfaltung einengen oder beherrschen . Von der andern Seite war ja alles Liebe und deren Übermaß - und je länger er reisete und verglich , desto einsamer und dunkler wurd ' es auf der Stelle seines Lebens , auf welche nur sie die große Flamme warf . Sie rückte ihm durch sein stilles Beschauen ihres Geistes im Geiste viel heller und näher als durch die Gegenwart vorher , weil jenes sie auf einmal in Harmonie , diese sie mit den einzelnen Dissonanzen ohne die Auflösung gab . Ihre Kraft der allseitigen Unparteilichkeit für alle Charaktere war ihm an einem Weibe ebenso selten als groß erschienen ; zumal da er selber diese Kraft mehr in der Achtung für sie und in dem freudigen freien Auffassen großer , exzentrischer , poetischer Erscheinungen , aber nicht aller und der platten und schlechten wirken ließ . Gleich mächtig und gewachsen standen in ihm nebeneinander Liebe und Freiheit ; nur durch einen neuen Entschluß wurden sie verbunden und versöhnt , sanft zu sein , nicht bloß stark , ihr sein Freiheitsrecht und seine liebende Seele recht offen hinzulegen und das edle Wesen zu werden , das ihr gehört : bin ichs nicht , wenn ichs recht will ? sagt ' er . In der höchsten Lebensfreude , in der Einigkeit mit sich und dem Schicksal , machte er seine Reise nach Isola bella so schnell , als hab ' er da die Geliebte schon zu finden , nicht erst zu erwarten . Wie manches stand jetzt kleiner an seinem Wege , an das er das römische Maß und nicht das deutsche legte und wovor er nun , wie ihm sein Vater vorausgesagt , flüchtiger vorüberging ! Endlich sah er die Kunst-Alpe von Isola bella in den Wellen stehen ; und landete freudig mit seinem Lehrer in dem Kindheits-Garten an , wo er so viel erwarten und mit neuen welschen Lebens-Blüten am Herzen aus dem gelobten Lande scheiden sollte . Er wartete mehrere lange Tage , sich sehnend und bangend nach den Freundinnen , ob ihm gleich der heitere Freund immer die Geschwindigkeit seiner Reise vorrechnete . Sein Entschluß , recht sanft zu sein , wurde immer unnötiger und unwillkürlicher . Die Insel selber lösete schon mit ihren Frühlingen aus Düften und mit dem fernen Kranz aus Alpen die Seele auf . Im vorigen Jahre hatt ' er sie mehr in Blättern als in Blüten gesehen . Es war ja sein Kindheitsland - an vielen Plätzen an der See schimmerten ihm Sterne aus einer tiefen nachmitternächtlichen Lebens-Frühe herauf - hier hatt ' er zuerst seinen Vater gefunden und zuerst Lindas Gestalt über den Wellen gesehen - hier findet und verliert er sie nach der längsten Trennung wieder für eine noch längere und hier steht er im Tore zwischen Norden und Süden . Das freie duftende Land voll Inseln , die Himmelsleiter des Lebens , steigt ihm in den Äther zurück , und er geht herab in ein kaltes voll Zwang und voll Augen - seine Liebe wird gerichtet vom Vater , sie wird angefallen vom untergegangenen Freund . » Ihr Tage in Ischia , « ( seufzte er ) » ihr Stunden auf dem Vesuv und in Tivoli , könnet ihr umkehren ? könnet ihr je wiederkommen und das unersättliche Herz von neuem überströmen , daß es trinken und sagen kann : es ist genug ? « Zu seinem Dian sprach er , gleichsam um sich und sein grenzenloses Sehnen zu entschuldigen , häufig von Chariton und ihren Kindern und fragt ' ihn , wie es seinem Herzen dabei gehe ; » sprecht mir nicht so viel davon , « ( sagt ' er , nach seiner Weise mehr empfindend als erratend und verratend ) » wir sind noch so häßlich weit davon - man verdirbt sich die Reise ohne Grund hab ' ich sie alle aber .... nun ei Gott ! « - - Dann schwieg er , riß sich